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BEITRÄGE
ZUR
GESCHICHTE DER DEUTSCHEN SPRACHE UND LITERATUR
UNTER MITWIRKUNG VON HERMANN PAUL UND EDUARD SIEVERS
HERAUSGEGEBEN VON
WILHELM BRAUNE.
XXXIX. BAND.
HALLE A. S.
MAX NIEMEYER
6 BRÜDERSTRASSE
1914
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INHALT.
Seite
Der Wortschatz des althochdeutschen Tatian in seiuem yerhältuis zum altsächsischen, angelsächsischen und altfriesischen. Von
E. Gutmacher. 1 1
Das schwache praeteritum. Von K. Brugmann 84
Zum ahd. Georgslied. Von K. Siemers 98
'Toulange' vocale im mittelniederdeutschen. Von A. Lasch . . 116
Zur Kutrun. Von 0. Behaghel 134
Studien über das Eckenlied. Von G. Boos 135
Lercheimer und das Faustbuch. Von R. Petsch 175
Altnordisch draiiyr in mannkenningar. Von G. Neckel . . . 189
Gotica. Von M.J.T.d. Meer 201
(1. Der gotische acc. c. inf. in subjectssätzen und nach sicuei und sive s. 201. — 2. Zu Luc. II 38 s. 209. — 3. Warp af- slmipnan \and\ allans s. 211).
Oöinn und Rota. Von W. v. Unwerth 213
Trienter bruchstück des Nibelungenliedes. Von R. Wölk an . . 221
Zur heimat des Heliaud. Von 0. Behaghel 225
Literatur 227
Der Wortschatz des althochdeutschen Tatian in seinem Verhältnis zum altsächsischeu, angelsächsischen und altfriesischen. Von
E. Gutmacher IL III 229
(Inhalt s. 288 f.) Strophik von Frauenlobs Marienieich. Von K. Plenio . . . . 290 The development of verbal Compounds in Germanic. Von George
0. Curme 320
I. With Adverbial Prefix s. 321. — IL With Prepositional Prefix s. 347.
Das alter der Beurather linie. Von Th. Frings 362
Ulflla. Eine chronologische abhandlung. Von H. Leuthold . . 376
Der schreiberanhang der Krone. Von K. Helm 390
Neuhochdeutsch schivanen. Von A. Lindqvist 398
Literatur 402
Die Präpositionen in der hochdeutschen Genesis und Exodus nach den verschiedenen Überlieferungen. Untersuchungen zur be- deutuugslehre und zur syntax. I. Von G. Krömer . . . 403 (Inhalt s. 523) Neue briefe von und an Niklas von Wyle. Von R. Wölk an . 524
INHALT.
Seite
Zu den kleineren ahd. denkmälern. Von A. Leitzmanu . . . 548 (1. Die quelle des Wessobruuner gebets. 2. Die heimat der Samariteriu. 3. Die quelle des 138. psalms)
Ahd. fhivesben. Von H. Peter sson 563
Thomas Murners sapphicum. Von K. Plenio 566
TiW. hesclmmmeln, hesehuppen. Von F. E. Ettlinger 570
Der Wortschatz des althochdeutschen Tatian. Anhang. Von E. G ut-
niacher 571
(1. Verzeichnis der wichtigsten besprochenen Wörter. 2. Nach- träge) Literatur 578
DER WORTSCHATZ DES ALTHOCHDEUTSCHEN
TATIAN
IN SEINEM VERHÄLTNIS ZUM ALTSÄCHSISCHEN, ANGELSÄCHSISCHEN UND ALTFRIESISCHEN.
Einleitung.
Die moderne mundartenforscliung hat uns gelehrt, daß jedes wort seine besondere Verbreitungssphäre hat, die nicht an bestimmte dialektgrenzen gebunden zu sein braucht. — Vorliegende arbeit will versuchen, von diesem Standpunkte aus an einem einzelbeispiel die sprachlichen Verhältnisse einer älteren zeit zu beleuchten.
Bei aufmerksamer lectüre der ahd. Tatianübersetzung muß eine reihe von Worten und wortstämmen auffallen, die der sonstigen ahd. Überlieferung fehlen, dagegen im benachbarten altsächsischen, im angelsächsischen, altfriesischen belegt und häufig auch den späteren sprachstufen wie dem mittelnieder- deutschen und mittelniederländischen nicht fremd sind. Auf solche berührungen mit dem angelsächsischen haben Sievers (vorrede) und andere schon gelegentlich hingewiesen, i) Gegen die versuche, aus derlei berührungen Schlüsse ziehen zu wollen, wendet sich Kögel, Geschichte der deutschen litteratur 1, 2, 527: 'Ganz haltlos ist die von Sievers und anderen vertretene an- sieht, daß in der spräche des Tatian und anderer Fuldaischer denkmäler angelsächsische einflüsse bemerkbar seien. Dafür ist auch nicht der schatten eines beweises erbracht (vgl. verf. Zs. 27. Anz. s. 236). Ich möchte nicht unterlassen, zu bemerken, daß wir aus dem totenbuche und aus den Urkunden (wozu
0 Vgl. auch was W. Schulze aus Veranlassung von hirü über eine herührung zwischen T und Hei. gesagt hat (Über griechische lehnworte im gotischen, Sitzb. d. preuß. ac. d. wiss. 1906, s. 736).
Beiträge zur geschichte der deutschen spräche. XXXIX. -^
2 GUTMACHER
noch die mönclislisten in verschiedenen Verbrüderungsbüchern kommen) sämtliche insassen von Fulda aus jener zeit mit namen kennen. Mit ausnähme eines zweifelhaften EanheraJd a. 819 befindet sich kein einziger Angelsachse darunter. AVer die nebelhaften angelsächsischen einflüsse auch fernerhin zu be- haupten gewillt ist, muß sich die mühe nehmen, uns die per- sonen nachzuweisen, von denen er ausgegangen sein könnte.' Ehe man es wagen darf, zu der ganzen frage und zu Kögels äußerung Stellung zu nehmen, muß man erst einmal das material in möglichster Vollständigkeit übersehen können. So versucht die vorliegende arbeit, das lexikon des Tatian systematisch zu prüfen, seine differenzen von dem der anderen althochdeutschen quellen und seine zusammenhänge mit dem altsächsischen, angelsächsischen, altfriesischen, mittelnieder- deutschen und mittelniederländischen festzustellen.
Erster teil: Worte die aufserhalb des T im ahd. nicht belegt sind.
1. Capitel. Composita aus zwei dem ahd. auch sonst geläufigen hestandteilen.
A) Substantiva.
äbaiidzit (Gr. 5, 636) vespera hora 118, 4 (Mc 11, 11), ags. (tfeni'id (dafür an der g-enaiiiiten evaiigelienstelle ws. ckfentima), mul. avonüijds 'bij avond'; die lulid. belege für ähentzH (Reiuin. von Zweter, Bertli. von Holle) sind rad. und nd. Für nlid. morgenzeit gibt es nach Gralf und Lexer weder alid. noch mhd. belege, aber im Hei. heißt es 5061 an morgenUd, genau wie im Beo- wulf 484. 518 on morgentid (mndl. des morgcntijts). Vgl. noch ags. on drrgtidum, on ühtantida.
ariizit (Gr. 5, 636) messis76,2(Mc4,29), messis tempus 72,6 (Mt 13,30). — Vgl. 0 II 14, 104 (Joh 4, 35) arnogizit, dazu immfarcä B c. 8, snmerzU N 1,292,1.
Das Substantiv am ist im T weiblich (72, 6. 76,4. 87,8), bei N 1,799,29 und Dk 276, 13 {der arin, ib. 15 sinen aren) aber männlich. In der heutigen ripuarisch-fränk. ma. sagt man em an 'in der erntezeit' Ferd. Müuch 33.
balarätl (Gr. 2, 467) nequitiae n. pl. 48,9, mhd. bairät Leyser, Pred. 99, 20 (md.), ^valrät Hesler, Evang. ISicod. 264 (ostd.), hairät Der geistliche streit 88, hs. A (die schwäbische hs. ändert in Inrser rät), s. Fritz Hoepfinger 8. 8 und 43, Berthold von Regensburg.
Vgl. palotät maleficium R = Gl. 1,139,36, Ib Re == Gl. 2,316,41. Solche composita sind aus dem ahd. nicht weiter zu belegen, geläufig sind
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 6
sie wie im ags. so im Hei., z. b. bahidäd. Vgl. ud. haUadiij 'gewalttätig' Brem. wb. 1,42 (Frommanu, Mundart. 5, 142, 54).
i)i meinnite Dk 296, 115. 302, 143, entsprechend dem hcäufigen meintät (Gr. 5, 332).
burdref (Gr. 4, 1154) pera 16G, 1. 2, aus bemn und rcf = altn. hrq). Vgl. rcf t »leisa ' sarcina, sarciuula, iu qua portautur cibi i alia Gl. 3, 308, 3 und schweizerisch reff' 'hölzernes gestell ..., um holz oder andere lasten auf dem rücken zu tragen' Schweiz, id. 6, 644 ff., Schmeller 2^66.
eidbiirt (Gr. 3, 163) ius iurandum 4, 15. Dagegen eid iuramentum 79, 8. eidburt zu beran oder zu biiritm? Vgl. mud. eithever.^)
Sonst eidsuart ius iurandum (Gr.6,895, vgl. B c.59, Gl. 1,192,35. 193,33. 282,40. 2,101,41. 4,323,25), e/\hHurt Würzb. b. = Dk 245,17 = ags. äd- sivijrd. Der Hei. hat ed, eJstaf (= ags. äösta-f, ahd. eidstab Gr. 6, 612), edword.
erdcnniug (Gr. 4, 445) rex terrae 93, 2, ags. eorpcyning (in der poesie). apud reges terrae säment dien rihtären dero erdo N 2, 306, 9 (qui iudicatis terram lantrechtaral,^); reges terrae lantchuninga b, 8. 603,17, uuerltcMi- nhuja b75, 11.
in fartstetin (Gr. 6, 64) in penetrabilibus 145, 18. Vgl. unten (jra- bastat, Immcdstat. Gl. 1, 188, 25 unduruhfaraiiüih- inpenetrabile Pa (K Ea).
fliiobargeist = ags. fröfmjäst wird im cap. IV besprochen werden.
folcurni (Gr. 4, 496) plenum frumentum 76, 2. Zur bildung vgl. alts. hrenkurni, -korni Hei. 2390. 2543. 2569. 2584, ahd. reincurni, iveizzi' tri- ticum Gl. 3, 615, 24 (in derselben Schlettst. hs. renibroot) frumentaceus panis d.i. Weizenbrot 698, 39); reincarnes- frumenti 2, 47, 17 {uueizi- frumento 4, 343, 2). Eilert Ekwall, Suffixet ja 21.
garotag (Gr. 5, 360) parasceue 198,3, anderwärts friietag 211, 1, frigetag 215, 1. Vgl. ags. gearwHugdffg Lind. Bush. Joh 19, 31. 42.
geginsalilio (Gr. 6, 78) (geschrieben </f»Y//»s«Mo-)) adversarius 103, 5. Zu geginsacha • occasio W(irciburg.) = Gl. 2, 92, 32.
Vgl. uuidersacho (Gr. 6, 76), mhd. ividersaclie sw. m. (= ags. unöersaca); alts. andsako (= ags. andsaca). — Ahd. sacha • occasio Can. 4 = Gl. 2,145,71, antsacha dass. 147, 17; antsacha • excusatio 148, 9.
gibethüs (Gr. 4, 1053) domus orationis 117, 3. Ags. gebedhüs (an der- selben evangelieustelle Mt 21, 13, Cook, Bibl. Quotations 2, 30, 7. 77, 18).
beUtlms 0 II 11, 21; Tr = Gl. 3, 127, 13. 39; Gl. 2, 140, 30. Mhd. betehüs, altfr. hedelms Zs. fda. 32, 418. petabur Gl. 2, 112, 43. 138, 56.
githuor (Gr. 5, 278) confusio, thaz gitlmor Uodares seuues 145, 15. Vgl. ags. gepweor. Zum verbum dtmeran.
^) Das wort findet sich in der bedeutung 'der einen andern in eid und ptlicht nimmt' (jedoch mit fragezeichen) in der kleineu ausgäbe von Lübbeu und Walther s. 94 verzeichnet. In Schiller-Lübbeu 1,048 fehlt es; sollte es vielleicht irgendwie aus eitsivere (ebda.) entstellt sein?
^) Vgl. Gl. 1, 250, 27 kankammirdu, 261, 21 kUkammerUi, Hei. 4301 genginunarda Cott.
1*
4 GUTMACHER
gimisgi (Gr. 2, 879) mixtura 212,6.
Anderwärts gimiskiäa = comraixtio N 2, 456, 23 Gl., sonst = confusio, chaos, coücubitus, admissura (Gr. 2, 879/80) und gimiscnissi confusione sub- stantiae Weißenb. catech. = Dk 208, 92.
giskia (Gr. 6, 510) Phantasma 81, 2 (Mt 14, 26). Vgl. ags. sein fan- tasma und Gl. 2, 115, 20. An der entsprechenden stelle steht in den ws. Ev. und im Rush. Ev. scinläc (Lind, weicht ab).
gommanbarn (Gr. 3, 155) masculinum 7,2 (Lc2, 23).
Vgl. degunchind • mas omne infans Gl. 2, 456, 13 (theganldnd puer T 9, 2). gommanchint • masculinum Gl. 1, 805, 73. comenchindo masculae prolis N 1, 74, 3.
grabastat (Gr. 6, 641) sepulturae 193, 5. Vgl. fartstat oben s. 3 und das folgende wort.
hanialstat (Gr. 6, 641) caluariae locus 202, 2 (Mc 15, 22): Golgatha thaz ist errecTcit hamalstat.
hamalstat verhält sich zu hamaluncstat • caluariae locus Ic = Gl. 4, 6, 18 wie garotag zu ags. geanoungdceg. Die definition Golgatha syrum nomen et interpretatur caluariae .i. decollatorum Gl. 1, 719, 31 weist auf die bedeutuug ' richtstätte ' hin. Aus den glossen geJiemelet uuerthet Gl. 2, 609, 32 und behavielot uuerdont 611, 24, die beide lateinisches trucidemini wieder- geben, sowie aus pihamalote • cseduntur Pa K = Gl. 1, 86/87, 2 ergibt sich der begriff des verstümmelus (Gr. 4, 945), der sich auch in mhd. hamel, nhd. 'hammel' findet. Mhd. hamalstat bedeutet das 'zerrissene ufer', gehört also nicht hierher. Vgl. hamalscorrun • preruptum Gl. 1, 408, 17.
ruoingiscrib (Gr. 6, 572) pl. phylacteria, Amulett 141, 3 (Mt 23, 5).
Die glosse dilatant p)hilacteria pharisei decaloguni moysi in membra- müis- pnohfellun Gl. 1, 722, 3 läßt uns an die ' gebetriemen ' denken, die außerhalb der gebetszeiten als Schutzmittel getragen wurden (vgl. Delitzsch bei Riehm, Biblisches handworterbuch 2. auÜ. 1, 311).
phylacteria wird sonst durch zaiqiargiscrip glossiert, Gl. 2, 83, 7. 85, 29. 86, 39. 92, 53. 95, 61. 4, 319, 3. 320, 37 (Gr. 6, 572).
hüssuäso (Gr. 6, 903) domesticus 44, 22 : et inimici hominis domestici eius inti fianta mannes sin hüssuäso.
suaso domesticus steht T 44, 16, W(irzib.) = Gl. 2, 92, 40, Ic = Gl. 2, 50, 50 (zu alts. siiäs, ags. swäs). Dazu gehurt suasa • delicata Gl. 4, 324, 23 (Würzb. hs. s. VIII) ; sonst heißt es gisuäs, gisttäso Graff a. a.o. (auch 0 II 15, 17. V 8, 30, Aid 4 = Gl. 2, 22, 32, Trier, gl. 2, 43, 64), dementsprechend huskisuaso- domesticus la^) = Gl. 4, 221, 52.
leim*, ubiluurhto (Gr. 1, 974) 1. leimuurhto figulus, ags. länmvyrhta. Vgl. mnd. lemwerter 'lehmarbeiter'.
Mt 27,7 agrum figuli: T 193,5 accar leinnmrhten; Lind., Rush. loiul lamwrihta {lamivyrlite). — Die gleiche Übereinstimmung Mt 27,10 = T 193,6. — 2. vhilunrMo malefactor 194,2.
Das Simplex imrhto operarius = alts. u-urhtio, ags. tcyrhta steht T 44,6. 109, 1. 2. 113, 1. Ahd. ist sonst nur das femiuinum belegt, artificis [Boethii
') Bei Graff steht irrtümlich Ra.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 5
consolatio philosophiae 2, 5 p. 37, 47 ed. Peiper] • thero uurhtun Gl. 2, 59, 9 (64, 8. 67, 52), ') wofür N 1, 92, 6 mit masculiuischer auffassung des au sich zweideutigen lateinischen Wortes des uimrclien hat. Außerdem ist uuurcho noch belegt N 2, 313, 14.
Die composita steinuuurcho • lapidarius Gl. 1, 582, 14, eitarunurclio • veneficus Ic — Gl. 4, 23, 59, mctermmrclio {luctenniiirchen poeticas musas N 1,11,17; vgl. ags. metenojrhta) stellen anscheinend den normalen ahd. wortgebrauch dar. Sonst finde ich furaunrilitan • cooperatorera Eg 2 = Gl. 1,770, 5 und listuuriton 1,622,1.-) Die gl. Eg 2 stammen aus dem 11. jh. und sind alemannisch, ebenso Avie die oben genannten 2,59,9 (= Bol; 10. jh.) und 64,8 (= Bo 3; 11. Jh.), lisfuHriton aber Gl. 1, 622, 1 stammt aus einer Würzburger lis. Über sie wird später noch ausführliclier zu sprechen sein. Im mhd. ist die Verteilung folgende^): die mit -würlite componierten substantiva sind fast aUe md., während -wilrcJie sich haupt- sächlich auf obd. gebiete findet: obd. listirärJite sw. m. Künstler, Servat. 2589 (Zs. fda. 5, 153) u. tagetcärhte Berth. von Eegensburg (Lexer 2, 1395, fehlt im Mhd. wb.), daneben verzeichnet Lexer 2, 1395 aus dem Sachsenspiegel die form tageworhfe, s. a. Scherzii, GIoss. ed. Oberlinus pg. 1620. Nur in md. quellen finden sich belegt lianüi-ovhte, sancorhte, scliuochwdrlde, vunvürhte, icaltworhte mit ihren lautlichen Varianten. Daneben liegen antirürke 'haud- arbeiter' Stadtrecht von Meran (Zs. fda. 6,427), listiv'ur'ke Bari, und Jos. 336,36 (ebd.; vgl. Grundr. 2, 1, 217), Trojan, krieg 47986 (obd.; vgl. Grundr. 2,1,221), sarwürke 'arbeiter, der panzer verfertigt', später entstellt sal- icürke Freiberg, samml. 2, 140 (md.) und Schmeller, Bayr. wb.^ 2, 254 (obd.), scJmockicürJce 'Schuhmacher' Berth. v. E. 17, 10, md. schuworche hs. Glossar Fundgruben 1,389, tageirilrke 'tagelöhnerin' Von des todes gehügede von Heinrich von Melk 316 (östr.-bayr., vgl. Grundr. 2, 1, 167).
Im mndl. haben wir dacliicrochte (ostmndl., neben dachwerJce), im mnd. ffh(setcerchte, hanticorchte (-icerhte), länwerter, schoicerdde, stimverchte Mnd. wb. 2, 663. 4, 80. 389, 90. Im alts. und ags. fehlen die parallelen für ahd. ivurcho ganz, dafür herrschen wie im T ivurhtio und icyrhta. Vgl. Karl Best 15 ff., Klump 46: gimm-, godiceb-, läm-, teld-, tigel-, treoiv-, tveb- und firoi-, li/ge-, mdnwyrlita.
uiielscaz (Gr. 6, 559) pecunia (als bezahlung für eine erwartete leistung) 222, 2. 4 (Mt 28, 12. 15), ags. medsceatt 'payeraent in reward of Service doue, payement for service exspected (generally in a bad sense)', also ganz Avie im T. 0 stellt III 14, 99 ff. beide worte in parallele , componiert sie aber nicht: )ü nemet scazzes umhi tlmz, iu lazei undrata thero uaeroUliuto miata. Im hinblick auf die erzählung des evangeliums Mt 28,12. 15 sagt er 4,37,25 f. thie thie knehta miattun mit scazzu ioh mit uuorton. N 2, 240, 22 Gl. wird
1) Die glosseu , denen die stellen 59, 9 und 64, 8 angehören , sind ale- mannisch. Fränkisch ist dagegen der beleg aus Gl. 2, 67, 52 thero uurtun.
^) Zweifelhaft ist das von Steinmeyer Gl. 4, 205, 62 conjicierte leth{ii)r- theo • maceri(o).
^) Ich richte mich bei der aufzählung nach dem Mhd. wb. und ziehe Lexer nur zur ergänzung heran.
6 QÜTMACHER
daraus vobis pecuniam ganz ähnlich übersetzt: xtuir mietin iüch. — Für pecunia in der einfachen bedeutung 'geM' gebraucht T das bei 0 und im Hei. ebenso verwandte wort sca2 44, 6. 106, 4 etc. Vgl. unten zinsscaz.
nidarstiga (Gr. 6, 624) descensus, zi thera nidarstigu thes herges 116, 4. nidarstic masc. descensus B c. 7. — stifja f. ascensus N u. a.
relitfesti (Gr. 3, 725) ') iustificatio dt. pl. 2, 2. Dazu das verbuni
reütfestigön iustificare 6 mal.
Dagegen heißt iustificatus rehthaft K = Gl. 1,269,37, N 2,279,7. 352,24. 412, 13. 444, 19 (stets in den interlineargl.), Jicrchthäftot N 2, 59, 16, Icereht- häftigot 115, 21 Gl., 352, 21 Gl., iustificavi gerehthäftota 289, 19 (vgl. 81, 13. 233, 2). M 6, 24 steht (g)arehtsamus iustificaberis. Gr. 2, 413 ff.
Das verbum rehtfest/gön hat im T ein anderwärts auch nicht belegtes Seitenstück an
libfestigon (Gr. 3, 724) vivificare, gleichbedeutend dem ags. liffcestan. Job 6, 64 Spiritus est qiii vivificat : T 82, 11 a Geist ist the tlmr lihfestigot, WS. Ev. Gast is se /)e liffcest (ähnlich Rush.). Job 5, 21 siciit em'm pater . . . vivificat, sie et ßins ... vivificat: T 88, 7 soso der fater ... lihfestigot, so der sun . . . lihfestigot, ws. Ev. sica se fecder . . . geliffccst, eac se sunu ge- liffcest. Bei 0 und im Hei. fehlt die entsprechende stelle.
N 2, 150, 12 übersetzt vivificare durch geVibliaftön übereinstimmend mit Gl. 1, 811, 58. Daneben kommt auch wieder die längere form Ubhaftogön vor Gl. 1, 405, 3. Das zugrunde liegende libhaft belegt Gr. 2, 46 aus 0 N Eb und Ic.
Bemerkenswert ist der gegensatz zwischen T, der lihfestigön, reht- festigön, relitfesti gebraucht, und den anderen ahd. quellen, die dafür Zu- sammensetzungen mit -liaft, -haftdn, -haftigön eintreten lassen. Dieser gegensatz beruht nicht auf zufall, sondern hat sprachgeschichtliche be- deutung, wie der vergleich mit dem angelsächsischen lehrt. Dort ist das ableitungselement -fcest sehr häufig und entspricht in seiner durchaus schon suffixalen Verwendung dem deutschen -haft,^) das umgekehrt in dieser function dem altengiischen fehlt.
Ich führe die mit fccst componierten ags. adjectiva auf, denen ich ahd. entsprechungen^) gegenüberstellen kann (die zahlen verweisen auf Graft'): cefffst religiosus = ehaft legitimus, iustus 1, 513, ärfcnst honestus = erhaft honorabilis 1, 445, gemetftest modestus = mezhaft dass. 2, 897, hälfccst salutary = heilhaft fortunatus, sanus 4, 866, liffcest vivificus, vitalis = l/phaft vitalis, animatus 2, 46, scamfccst verecundus, pudorosus = scama- haft pudicus 6, 494, södfast iustus f>o ivärhaft verus, verax 1, 923, trcoiv- fa'st fidelis = triuhaft dass. 5, 468.
Auf den parallelismus der ags. -fwst- und deutschen -/«(/'<- bildungen
') Das ngs. rihtfcEstendceg hat die bedeutung 'regulär fastday', gehört also nicht hierher.
2) Ed. Schön § 91—94.
') Eine vollständige aufzählung der mit -haft gebildeten worte findet man Gr. 4, 740-42.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 7
hat schon Sievers in seiner recensiou von Zupitzas ausgäbe der Cynewulf- schen Elene Augl. 1,578 hingewiesen.')
Der Hei. hat dementsprechend sööfast (= ags. sööfcest) und u'ärfast, zugleich aber auch stedihaft, treuhnft {= ahd. triuliaft).'^) Aus dem Cod. Par. 2685 tritt hinzu die glosse Gl. 1, 297, 34 (j{i)uuarfestian • probare (Gallee s. 4:43), deren bildung zu ags. Uff'a'stcm, staduJfcestan stimmt.
T kennt nur die ableitungen rehifestt, l'ih-, rehifcstigön; die ihnen vorauslicgenden adjectiva wie ags. Jiffcvst sind seinem Sprachgebrauch ebenso fremd wie das sonst im ahd. häutige simplex fcsti selbst, das nur mittelbar durch das verbum fcsthwib bezeugt wird. Dafür herrschen im T die ad- jectivcomposita auf -liaft nach gemeinalthochdeutscher gewohnheit: lieit-, nöt-,^) skin-, imlhomuiihaft; adv. namahafto.
Eine sehr große zahl solcher bildungeu hat auch das Ker. GL; ellen- haft K (Ra R) = zelosus 1, 269, 1, cchaft Pa K = religio 66, 34, erhafU K, cehafti Pa = religio 96,97,29, {h)cerh((ft Pa (K Ra) — exorabilis, pius 68,1. 136,7,17. 138,9,10. 229,13, = muuificus, honorificus 208,4/5, f/7»Y/f»?rt R = pietas 229, 15, K Ra = solemnitas 249, 13, cerhafti Ra (Ex), herhaft K = dignitatem 199, 21, firinhaft Pa (K) = criminosus 140/41, 16, fniiiia- haft Pa K Ra = authenticus 44/45, 16, = beneficus 54,55,28, = benignus 138,39,14, haupithaft Pa K = capitulum 82,29, hmqnthaft sunte Pa (K) = maleficium 138,39, 36, heiUiiift{i) K (Ra) = beatitudo 54/55, 27, = for- tuua 152,53,6, hailhaft Pa (K) = fortunatus 152/53,8, hrainhaft Pa (K) = caelebs 66/67,4, kanathaft Pa (K Ra) = clemens 66,67,40. 138,39,13, Icimczhaft, mezhaft K Ra = mediocritas 148,49,12, = moderatus 211,16, = modestia ib. 24, = modestus 247, 3, Jciziaclmft K (Ra) = locuplex 204, 10, leerhaft Pa (K Ra) = dogma 102, 03, 31, namaaftosto Pa = nominatissimum 174, 22, naoihaft Pa, nothafti K = forceps 82/83, 33, orthaft Pa K = acutus 36, 25, pugihaft Pa K = Üexuosus 18, 11, rathaft Pa (K) = locuplex 100. 101, 37, rchthaft K = iustificatus 269, 37, saelhaft Pa K Ra = animatus 46,18, salichafti Fa, = beatitudo 54, 28, saniahaft/cum K = frequeuter 178, 79, 20, samanahaftic Pa K = iutemeratus 180/81, 33, situhaft Pa (K Ra) = Ingenium 182,83,18, scamahafti K (Ra) = pudicitas 233, 2, scuhaft K, scatohaft R = umbrosa 216, 1, zi sperihaft Ra = perspicabilis 226, 10, stiuU- haft Pa, stukihaft K = spatiosum 46/47, 28, sunthaf K = peccatorea 217, 3, nnerhaft R = inreuereus 231,33, unscamahaft K (Ra Rx) = impudeus 199, 12, unstatahaft Pa (K) = instabilis 70,71,23, unstatahafti Pa = instabilitas 186, 17, Huazzarhaft Pa (K Ra) = edropicus 126,27, 36, uuillihafto K (Ra) = sponte 267, 37, unzaihanhaft Pa (K) = iuers, segnis, piger 184/85, 25.
1) Ein verweis auf diese stelle fehlt bei Schön.
-) Von den im Brem. wb. 1, 356/57 aufgezählten compositis mit -fast könnte höchstens standfast hierhergehören, das schon im mnd. neben sta)ul- haftich belegt ist. Vgl. ags. staöol-, stcedfa^st. — Reuter, Ut miue Stromtid I c. 6 irnstfastigkeit.
^) nöthaft (Gr. 2, 1040) im T nur in der ursprünglichen bedeutung vinctus. Vgl. ags. haftnicd 'gefangenscbaft', ahd. uotfarw captivus Gl. 2, 249, 50, in noot farslagane • in custodiam trusi 98, 53, nötbenttg s. unten.
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Dieser raasse steht eine höchst bemerkenswerte ausnähme gegenüber : tmcamezfastFa., HnmczfastK, uniuasfast'Ra. = immodestus 182,83, 27; kurz vorher z. 24 uncaniezfast = immoderatus nur in Pa, dagegen in K unkimez- haft, in Ka imgimezhaf, in R mujamezhaft (vgl. 149, 12 mezhaft medio- critas Ra, 211, 16 kimezhaft K Ra = moderatus). Genau so heißt es im ags. umjemrtfcBSt immoderate, immodeste. Seihst in der stammgestalt des zweiten compositiousgliedes stimmt hier das Ker. Gl. zum alts. und ags. sprachgebrauche, der dem hochdeutschen adjectiv festi vielmehr die formen fast unA f(est gegenüberstellt.') Das simplex selbst lautet im Ker. Gl. aber festi 25, 33 R, 237, 28 K Ra, 257, 29 K Ra R.
Die bildungsweise des Tatiauischen rehtfcsti entspricht ahd. bildungen wie eohaft/, heilhafti u. s. w. ; Hb-, rehtfest/(jdn haben ihr genaues abbild an Uhhaftogön, rehthafttgön.
samantfart (Gr. 3, 584) comitatus 12, 8 ; s. unegefart s. 10.
scäfuuiuuari (Gr. 1, 1087) probatica piscina 88, 1.
scatoselida scenophegia 104, 1 (fehlt Gr. 6, 177). Zur erklärung vgl. Gl. 2, 378, 12. 684, 38. 4, 342, 4. 343, 7 scena ■ umbra.
In den glosseu wird scenophegia wiedergegeben durch zeltgislegkJo, celthutti Gl. 1, 694, 1 ff. und kirlhuuigi^) 'kirchweih' Ra = Gl. 1, 253, 12.
staliniirt (Gr. 1, 932) stabularius 128, 9.
Gl. 1, 728, 5 hat dafür stallere.
suorgfulli (Gr. 6, 274) sollicitudo (s. suorgfoll s. 12).
siiueizlachan (Gr. 2, 159) sudarium 220, 4, daneben SM^;'2^f7?toc/i 135, 26. 151, 7, das auch bei 0 und in anderen quellen belegt ist (Gr. 5, 366): suueiz- duch Gl. 2, 325, 25, sueizdüeh Id = Gl. 3, 378, 4, sweizttich Hd = 3, 413, 27, suezduohc 4, 304, 31, mhd. siveiztuoch. Seltener ist suueizfano Gl. 1, 298, 41. 2,37,9. 199,50.
tagelön (Gr. 2, 220) denarius diurnus 109, 1 , mhd. tagelön, mndl. dachloon.
tnomsedal (Gr. 6, 309) tribunal 198, 2 (Joh 19, 13). 199, 5 (Mt 27, 19), ags. dömsetl an denselben stellen in den ws. evangelien. Über tuomo u.s.w. s. cap. III.
Sonst heißt tribunal duomstuol Frankf. gl. = Gl. 2, 35, 44, suonstuol 2, 37, 53, falanzstual Rh = 1, 469, 40, dincstual Ib Rd = 1, 294, 14, hostol 1, 298, 44 (Gr. 6, 664).
tresofaz (Gr. 3, 731) thesaurus 8,7, corbonan 193,4; die bedeutung ist an beiden stellen (= Mt 2, 11. 27,6) ' Schatzbehälter'. Für thesaurus 'schätz' gebraucht T treso, z. b. Mt 6,19 Nolite thesaurizare tliesauros in terra: T 36,1 Ni curit in trisiuucn treso in erdu.
Bei 0 heißt dreso zugleich 'schätz' und 'schatzbehälter', vgl. 1 17,63 indatun sie tho tlmre thaz iro dreso sare (T 8, 7 gioffonoten . . . treso fazzon).
Für die ältere zeit darf triso als die regelmäßige oberdeutsche form
') Auch in den anfr. Ps. heißt das adjectiv fast. An compositen liegt aber nur treghaft dolens Ps. 68, 30 vor.
2) Daraus scheint K kiuuirkhi irgendwie verschrieben zu sein.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 9
bezeichnet werden.*) N bat trimo, trisemie, triseuuen 2,108,11. 142,23. 436, 21 (Gl.). 482, 13. 568, 10 und als verbum triseuuön 142, 23. Der bayr. cod. Freis. des 0 ändert dreAo einmal in triso (1 17, 63). Doch greift die /-form auch ins fränkische herüber: anfr. trisemicrai thesauris van Ilelten 85,725; Gl. 1,319, 42 IriscatDumt (Frauck s. 28), Himmel und hcille Dk 72, 176 tr/sehiis, Bamb. gl. u. b. Dk 304, 180 iit unrehtemo trisc. Dagegen haben T und 0 treso bez. dreso in Übereinstimmung mit den glossen Id 3, 381,57 trcsere, 4, 251,37 dresehus, 262,14 tresehus und dem niederdeutschen sprachgebrauche"^): Hei. 3767 ^resM/t«(s (C, tresiirhiis W) , Wadstein 73, 28 trcsecamere,^) Gl. 3, 717,5 trcserr aerarium, Werd. Prudentiusgl. Wadst. 100, 11 — 12 tnisahus sie. Bemerkenswert ist, daß das Ker.Gl. neben vorwiegenden oberdeutschen formen {trisiuiies piyanJceo Pa, trisouues p/f)<i>HJ • • K = 1, 24/25, 38, triso Pa K, ir/sahus R = 32/33, 38, triso Pa = 162, 20, triso- huus R = 163, 18) doch auch das fränkische e darbietet in der hs. R trcsoes ingengio 25, 38.
thauatrib (Gr. 5, 487) repudium, huoli thanatribes 29, 1.
buoh nrtribannes T 100,4, uuidarscurJces pooh' repudium R = Gl. 1, 103, 21.
thokkiziegal tegula 54, 3 (fehlt Gr. 5, 103. 627).
ubartrank (Gr. 5, 540) ebrietas, alts. onerdrank (vgl. ags. oferdrenc, -drync). T 146, 4 in uberasze iiitin nbartranhe genau übereinstimmend mit der formel des alts. Beichtspiegels oueratas endi o«e?Y?rrtHA,Y(s Wadst. 16, 14, Avährend die übrigen ahd. deukmäler samt und sonders abweichende fassungen bieten: Würzb. b. = Dk246, 26 in uberazse, in ubertrunchini; Fuld. b. 241, 7 thuriih ubartruncani;*) Lorsch. b. 238, 8 ubarazi,^) ubartrnnchi (gen.); Bayr. b. 247, 14 in uberazili,^) ubertrunchili; Reichen, b. 244, 5 in ubara- zidu, nbardrunchidu; Bened. gl. u. b. 3,314,78 mit uberazze, ubertrunchen- heit; Wess. gl. u. b. 2,311,37 an ubirazzini, ubirtrunchini.
1) Braune 3 §205; Schatz § 4d (s. noch Gl. 1, 318, 6 trimchar- erarium (Rb), 450, 27 trisihus, 636, 56 trisahus • gazofilatium (Rb), 699, 9 trisJcha- marari, 2, 19, 71. 23, 6 trisecheota ■ loculos, 480, 60 trisachamari, 3, 120, 14 triso, 136, 48 drisiJcamerari, 184, 44 drisekamerere. Wessobr. gl. u. b. 1 = Dk 297, 150 in unrehtemo trise). Jüngere zeugen haben auch e-formen, wie die Schlettst. glossen 3, 697, 51 tresiJcamdra, der Samblasianus des Summ. Heinr. 3, 210, 33 dresekamera, die schwäb. trauformel Dk 320, 15 den tresen.
!•) Gallee 325. 628.
3) Gl. 4, 273, 20 tresecamera. Der codex, dem diese glosse angehört, ist ein Goslarensis und verrät seine md., teilweise nd. herkunft durch un- verschobenes anl. j:», inl. pp und die assimilationsform ummehanc 4, 253, 2.
*) upartrunchani • ebrietas Pa K = Gl. 1, 80, 5, nbartranchanii B c. 40.
*) uparazzi crapula, conmessatio Pa K = Gl. 1, 48, 23, Gl. 2, 138, 33. 3, 152, 56. 213, 21. 420, 57.
'') ubarazalü B c. 39 neben ubartrunchanii c. 40, ubarazziU comessatio, gula Gl. 1,374,30. 542,13. 2,28,49, uherazeli 2,2^2,1^. — uparazzirji- eda- citas Gl. 2, 171, 41.
10 GUTMACHER
Auch den grammatisch zweideutigen dativ uhernzze T 146, 4 wird man entsprechend dem alts. genetiv oueratas beurteilen und nicht auf uherazzi zurückführen , sondern auf iiheräz. ') Vgl. tiheraz ■ crapula Gl. 3, 152, 57 (cod. A), fiuerasz Id = Gl. 3, 383, 17, ags. ofercdt Beda 354, 20 Miller (fehlt bei B-Tj.^)
iiiinltainbalit (Gr. 3, 25) centurio 212,5. Vgl. amhald decurio 212,1 (sonst = minister) und ampahtmun- tribunus K = Gl. 1,89, 16. T 210,1 steht hunteri, 47, 1. 4. 8. 9 centenari für centurio.
uuegefart (Gr. 3, 583) iter 87, 1, mhd. urgrfart (vgl. ags. icegf orjoiirney) ; s. oben samantfart s. 8.
uueraltuiiolo (Gr. 1,881) mammon, alts. weroMwelo Hei. 1349. 2882, ags. icoruhhvela.
Mt 6,24 cleo servire et mammonae: T 37,2 gote ihiunon inti uuerolt- uuolun, WS. Ev. gode peoivtan ond ivoruldwelan.
imihroiihbriinst (Gr. 3, 310) incensum 2, 4. Vgl. 2, 3 thaz her uuihrouh hranti ut incensum poneret.
iiiiinloiil) (Gr. 2, 65) palmes 167, 1. 3. 5, ags. idnleaf, mhd. ivhüoup. Daneben umnhleiir palmes T 167, 4 (Gr. 3, 249).
iiiiiutrinko (Gr. 5, 538) potator vini 64, 14. Vgl. riloirincho • potator Gl. 1, 537, 16 ff.
iiuorlbilidi (Gr. 3, 99) proverbium d.i. 'gleichnis'.
Job 16,25 Haec in lyroverhiis locutus sxnn: T 175,3 thisii in uuort- hilidu sprah ih. Ebenso Job 16, 25 = T 175, 3.
0 gebraucht in der bedeutung 'gleichnis' nur das simplex bilidi, z. b. 119,29 Nu iciU ih hiar gizeUen ein bilidi ginemnen, thaz thaz firstantnissi uns allen lihtera si oder IV 11, 44 l'haz ir «j sit zi fravili thaz zeigot iii thiz bilidi. — In der gleichen bedeutung gebraucht T zAveimal das auch sonst belegte biuuurti (Gr. 1, 1025): Job 10,6 Hoc proverbium dixit illis Jesus: T 133,8 Thaz biuurti quad in ther heilant und Joh 16,29 ecce nunc palam loqueris et proverbium nullum dicis: T 176,1 senu nu ofano S2)rihhis inti biuurti nohhein ni quidist. bilidi wird im T zur Übersetzung von exemplum, similitudo gebraucht. 122, 1 wird parabola mit gVilinessi inti bilidi wieder- gegeben ; 56, 7. 105, 2. 146, 1 ist gUihnessi = similitudo.
ziiisscitz (Gr. 6, 559) didrachma; s. oben s. 5 mietscaz pecunia. Mt 17,21 qui didrugma accipiehant . . . dixcrunt : magister vester non solvit didragma : T 93, 2 thie thar zinsscaz intftengun . . . quadun : iuuuer meistar ni losit zinsscaz. Daneben zins census 93, 2. 126, 1. 2. Vgl. Ker. Gl. census • eins Pa K, scaz K = Gl. 1, 92, 16, census • eins K 252, 11.
0 kennt nur das simplex zins census, tributum, \g\. IN %^^0 fragetun thes sindes thes heiseres zinses (Mt 22, 17 licet censum dare Caesari an non) und IV 20, 21 Quadun er ni tcolti thaz man zins gidti (Lc 23, 2 prohibentem
') So beruhen got. afetja, afdrugkja auf den unbelegten componierten neutra afet, afdrugJc (vgl. KZ. 42, 326), von denen wenigstens das erste durch altn. afüt direct bezeugt wird.
^) oferceta Ca, ofer^ta 0, ofercet T, ofermettas B.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 11
tributa dare Caesari). Ebenso N 2, 219, 10 Gl. zins Icchen demo che/sare, 422, 23 Gl. sins kcltiit. Der Ilel. hat 3189 hobidscattos, 8189/90 (ins.
Ich füge am Schlüsse ein substantiviertes particip an:
fiiristsizzeuto (Gr. 6, 290) arcliitriclinus 45, 7.
0 II 8, 37 ff. zi tJieino lieroston sih wantiii ther thero thriosezzo icas furisto gimazzo. Hei. 2045 thero gesteo themo heroston.
In den glossen wird architriclinus wiedergegeben durch fursti stfdsaze, lieristo stulsaze, wirsisto stidmzze Gl A, 739,1b {wirsisto ist mir unverständlich).
B) Adjectiva.
a) Ableitungen auf -Wi:
brutloiiftlih (Gr. 4, 1121) nuptialis 125, 11, mhd. brütlouftUch.
M 15,27.28 bniUauftic.
hiutlih (Gr. 4, 693) hodiermis, nnznn hmtlihhan tag 193,5. 222,4; genau entsi)rechend ihie morganJihlio tag crastinus dies 38, 8 = se morgenlica dcvg WS. Ev. (Mt 6, 34). In gleicher bedeutung miiM. hudelik, mnäh morgodijc; vgl. ags. gysternlic dceg Lamb. ps. 89, 4.
in hodiernum diem heißt Gl. 1, 766, 14 (St. Gallen) in hmdigan tac (vgl. Sangall. gl. u. b. 1 u. 2 Dk 289, 4. 292, 40 unzan disen hrutegen tag), Bayr. b. Dk 246, 4 itnzi in desin hidigun tach (ähnlich Wess. gl. u. b. 2, 311, 36, Bene- dictbeur. gl. u. b. 3, 313,46). N 2,587,10 Gl. findet sich hiutig 'heutig', 378, 4 (Ps. 89,4) der ghterUjo dag (Gr. 4,274), Gl. 2,663,41 crtagig ■ hesternus, N 1,349,3 morgenig crastinus. Sonst bedeutet morganlih matntinus, morgend- lich (Gr. 2, 855). Bei Dieffenbach, Gloss. lat.-germ. u. d. W. hodierniis zeigen die verschobenen formen fast stets -ig (außer hutlich, der Mitige 6), die un- verschobenen überwiegend -licQi); hudelich 5, 21, hudelic 23, hodelic 22. U. d. W. crastinus, hesternus verzeichnet er morgelich 5, 18, margenlich 21, »largenleich ^, mörnlich 6; gesterlicJi, 5\). Aus dem Novum glossarium kommen hinzu hidcnlich, gestcrlich30, margenleich, morlich27. Die glossen 22. 23 sind niederdeutsch, die anderen handschriftlichen glossare stammen alle aus Mainz ; für sie ist Dieffenbachs bemerkung Nov. Gloss. XII zu be- achten: 'die meisten Mainzer hss. sind in rheinländischen , zum nieder- deutschen neigenden mundarten.' 4 bezeichnet das von Dieffenbach 1846 herausgegebene Mittellateiuisch- hochdeutsch -böhmische Wörterbuch (s. 82), dessen haudschrift einst dem Karthäuserkloster zu Erfurt gehörte. Lexer bucht noch (1, 2201) morgelich, mornelich crastinus aus M. v. Beheims mittel- deutschem Evangelienbuch (s. dort M 6, 34, J 12, 12. J 1, 43/44). Es scheint darnach deutlich zu sein, daß wenigstens ein teil des md. in diesem punkte zum nd. ndl. und ags. stimmt; der älteste zeuge ist T. O.Böhme, Zur kenntnis des oberfränkischen, Leipz. diss. 1893, belegt 10. 17. 25. 52 f. hutigen, hudegen aus Urkunden von Speier, Worms, Mainz, Frankfurt.
itmällih wird im abschnitt über das Ker. Gl. behandelt werden.
ungitragaulili (Gr. 5, 496) iraportabilis 141, 2. Vgl. uncatracantli Pa, unJcitrakentlih K importabilis Gl. 1, 196/97, 25. gitraganlih kennt T in der
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bedeutmig tolerabilis 44, 10. Bei N bedeutet getragenlih grandaevus, gravis 1, 746, 29. 768, 5 u. ö.
b) Composita mit -fol:
flrufoll (Gr. 3, 482) eig. 'sündbaft' (= ags. ftrcnfnl) , häufige Über- setzung von publicanus (12 mal), für das 3 mal auch firntätig eintritt. Im angelsächsischen dient u. a. vuuiful demselben zwecke (in den ws. Evan- gelien nach M. A. Harris' glossar 16 mal), im oberdeutschen aber firinari publicanus B c. 7, R = Gl. 1, 233, 11, Ic -= G1.4, 15, 14») (fninan- crime- uatus Pa, crimenator K = Gl. 1, 98. 31, dafür in R 99, 31 lastrari • cri- minator). Vgl. auch firinhuft • criminosus Pa K = Gl. 1, 140, 16, ftrinlih • cruentum K Ra = 1, 215, 26 (dasselbe adjectivum Musp. 10). T hat dazu noch zwei sonst unbezeugte composita mit -fol, die gleicli hier angefügt seien; auch sie kehren im angelsächsischen wieder:
snorgfoll (Gr.6,275)'') sollicitus 38,1. 3. 6. 8. 63,4. Davon smrg- /■((Z?* sollicitudo 75,3 (Gr.6,274). Yg\.?i,gB. sorgfull, aisl. sorg fullr. Mt6, 25 ne solUciti sitis aniinae vestrae: T 38, 1 ni s/t suorcfoUe iauares feraJies. 0 und Hei. umschreiben: 0 1122,6 mit suorgen oiih ni ratet mit loiu ir itmih watet; Hei. 1662 Befhiit ni gornot gi umhi iuuua giganmui.
ungiloubfol (Gr. 4, 481) incredulus 2, 7. 21, 8. 233, 6. Davon ungilouh- fulli incredulitas 92. 5. 241, 2 (Gr. 4, 484). Vgl. ags. ungeUafful.
Composita dieser art sind im ahd. ebenso selten wie im ag-s. gewölmlich.^) Nur im Ker. Gl. finden sich frumafol Ra, fromafol K benignus = Gl. 1, 55, 31. 84, 25 (vgl. ags. fremfid), uuelafol ' benignus Pa = Gl. 1, 54, 51. Das dem ags. mdnful, dem alts. menful Hei. 1700 entsprechende meinfoll steht mit verschiedenen lateinischen äquivalenten in R, = flagitiosus Gl. 1,141,15. = funestus 147,22, = nefarius 215, 22, = profanus 230,4 (hier von Ra in meinlih corrigiert, vgl. 215, 25), außer- dem meinfoller' flagitiosus in dem Gl. Ib Re = Gl. 2,315, 71, das, wie Kögel, Zs. fda. 26, 326 zeigt, eine epitome von R darstellt, und denio meinfolUn' huic nefando Gl. 4,331, 13 (Prag. saec. X).^)
») Voc. S. Galli Gl. 3, 3, 12 simtiga • publicani. N 2, 352, 25 Gl. publicano flemo offensiindäre. Diese Übersetzung ist instructiv für die richtige auf- fassung der glosse publicanus • agauuis firinari R = Gl. 1, 233, 11, der in der B c. 7 (icJmmis firinari entspricht. Sicher hat der glossator der regel eine unserem R ähnliche quelle benutzt.
*) Graff verzeichnet noch sorghaft, sorgsam, sorglik, die offenbar echt ahd. sind, sorchaft sollicitus R = Gl. 1, 247, 17.
'^) Natürlich gehören ahd. viist-, haut-, louh-, lusfoll u. ähnl. in ganz andere kategorien und dürfen hier nicht verglichen werden.
^) Dazu meinfollilic • profanus Gl. 2, 319, 3, meinfoUihin Gc 4 = Gl. 2, 221, 7 (Gr. 3, 483) — zur Wortbildung vgl. unfollih • insatiabelis Pa =
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 13
Dazu kommen aus Aid. 4 ^= Gl. 2, 22, 26 urchusfoll ' strophosus, aus Em. 29 = Gl. 4, 220, 15 undancfoUe • ingratii) (Gr. 5, 170). Dieser kleinen zahl von bildungen — im ganzen 8 — , die sich noch dazu meist auf ganz bestimmte denkmäler beschränken (drei davon entfallen auf T, drei auf das Ker. Gl. und seine Verwandtschaft), steht eine beträchtliche reihe angelsächsischer Worte auf -füll gegenüber. Im mittelenglischen wuchern diese bildungen so, daß fiill sogar an romanische worte antritt. Im 16. und 17. jh. finden sich einige spärliche derivata aus adjec- tiven. Die häufigkeit dieser adjectiva bei Shakespeare zeigt Franz an der in der anmerkung citierten stelle.^) In gleicher productivität finden wir dieses bildungsmittel im modernen englischen.
Die in der bedeutung entgegengesetzten composita auf -Icas, -lös sind dagegen sowohl im deutschen (Gr. 2, 267 ff.) wie im englischen 3) gewöhnlich. Vgl. z. b. synleas = aM. suntilos (Gr. 2,271) mit Sigs.synfuU = ahd. suntWt, sunthaft (Kr= Gl. 1,217,3), suniig (Lc 18,13 ws.Ev. synfidl, T 118,3 suntig). Im Hei. stehen einander gegenüber menful 1700 und simdiUs 5309. 5824 C, ebenso menes ful 4358 und simdiono lös 734. 1014. 3513. Man wird danach sorgono ful 2918. 5968 unmittelbar dem suorgfol des T gleichsetzen dürfen. Vgl. noch aus derselben quelle enstio, feknes, gitvitties ful und endi-, Vif-, treu-, ivam-, ivärlös.
Composita mit laus sind dem gotischen reichlich bekannt: alirancdaus, andilaus (andalaus), gndalaus, ivitodcdaus. Diesen mehrfachen belegen steht gegenüber nur Lc 16, 20 banjo fidls ißxsicofitvog (von Lazarus). Man sieht, das gotische machte erst einen ansatz zur bildung der -/^uZ^ composita. Weit ver- breitet sind dagegen im altnordischen beide arten von com- ponierten adjectiven^): auf -fullr endigen: *bglvafidlr, eitrfidlr, *geisliafidlr, *hug fullr, munafullr, *sorgßdlr, *sorgafidlr, ^vamma-
Gl. 1, 32, 26 — , nd. menfalligo ■ criminosus Gl. 2, 582, 54 (4, 345, 27) = Wadst. 96, 17. 105, 7.
*) Dafür hat T unthunchnri, das einzige beispiel dieser art von Wort- bildung im ganzen buche. 0 hat nichts dergleichen, ebensowenig der Hei.
'■') Vgl. W. Franz, Die Wortbildung bei Shakespeare, Engl. stud. 35, 67, der aiif New Engl. Dict. 4, 586 verweist.
3) Bei Schön fehlt ein hinweis, vgl. 0. Thiele 12. 16.
*) Die in der poetischen Edda belegten habe ich mit einem steru ver-
14 GUTMACHER
fullr. Denen stehen geg'enüber: *dstalauss, dddlaiiss, gdlauss, huglüuss, '^munarlauss, sattalauss, *vammalaus.
c) Sonstige adjectivcomposita.
gotforht (Gr. 3, 685) timoratus 7, 4 (Lc 2, 25 von Syraeon), coinpouiert mit dem im abd. selten belegten adjectivum foraht (B c. G5). 0 nennt I 15, 3 den Syraeon gotefurahtal (vgl. Gl. 1, 806, 5), was dem geläufigen fo- rahtal (Gl. 1,258, 27 u.s.w.) entspricbt.*) Das ags. godfyrJd zeigt eine ab- weicbende bildung.
hriobsuhtig (Gr. 4, 1155. 6, 142) leprosus 78, 8.
hr/oh 44, 5. 46, 2. 64, 3. 111, 1 dass. Dies dem ags. hreof, situ, hn'i'ifr entsprechende adjectivum ist auch im ahd. mehrfach belegt, hriever • luridus Gl. 4, 204, 50, riulja • lurida (membra) 337, 25, saniosa 2, 481, 9;^) davon ab- geleitet hriiqji ■ Scabies 2, 221, 2, mit grammatischem Wechsel hriuua • pestis K = 1, 208, 30 (Kluge, Stammbiklungslehre^ § 113), rmhit • lepra 2, 264, 52. Unmittelbar von der wurzel {h)ruf lepra T 46, 3, scabia Voc. S. Galli = Gl. 3, 5, 22, Pustula Rb = 1, 353, 24. 4, 236, 9, rumex 121, 49 (plur. hru • ui • papulas Ia = 1,354,8), ruft- scabrosa sorde 2,595,12, Wadstein 88, 6, Schmeller 2^67.
niauodsioh (Gr. 6, 139) lunaticus 22, 2. 92, 2, &gs. mönapseoc. Vgl. mnd. mänseJc.
Der mond heißt ahd. mäno, der monat mänod, doch finden sich einige ausnahmen, zu denen auch mänodsioh gehört. In der bedeutung lunaticus finden sich mcoiodfallonte pl. Gl. 2, 742, 24 (Gr. 3, 467), manodiiuilino, ma- nodtuldo ■ lunaticus Gl. 1,714, 42/3, manudmdlicjcr 2, 740, 24 (Gr. 1, 829). Im ags. und mnd. läßt sich keine reinliche Scheidung durchführen. Das alts. kommt wegen seiner zu spärlichen belege hier nicht in betracht. Im mhd. geht zwar für die simplicia der gebrauch durcheinander, aber in ableitungen und compositis ist die Scheidung noch ziemlich reinlich durchgeführt. So heißt 'mondsüchtig' mceniscli, mcenic, 'mondförmig' mänolit, 'mondhof mänhof, 'moudscheiu' mänschine. Die bedeutung 'monat' findet sich in mnnodglicli 'jeder einzelne monat', mänotgang 'monatsgang', mänotgeld 'monatliche steuern', vidnoüih 'monatlich', mdnotrihter 'strafrichter, die sich monatlich abwechseln'.
miltherzi (Gr. 4,1046) misericors 22,12. 32,9(2), ngä. mildhcort.
Mt 5,7 Bmti misericordes: T 22,12 saligc miltherze, ws. uhbr. Ev. eudige synt pa mütheortan. Vgl. Hei. 1312 Salig . . . ihem hir mildi ituirdit hugi an .. . hriostun. Aber 0 II 16, 17 salig thie armherze. T.'s milti umfaßt die begriffe propitium esse und misereri: 118,3 (Lc 18, 13) ntiis mir vulti
sehen; die anderen stammen aus der Prosa-Edda oder Skaldengedichten oder aus SQgur.
>) Bei Schön fehlt ein hiuweis. Vgl. 0. Thiele 12. 16.
«) Vgl pc>-((h(, perahUd (Gr. 3, 209/10).
*) riuher- seuerus Gl. 2, 524,58. 515,74 zu Prudentius Psychomachia 165 fronte seuerus adhnc et midto fmiere anhelus.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 15
suntnjown propitius esto mihi peccatori, 99, 4 (Mt 18, 33) soso ih ihir milti niuts sicut ego tui misertus sum. Ähnlich im alts. (s. die oben angeführte stelle Hei. 1312), mnd. (milde 'barmherzig'), mndl. {m/'lde 'barmhartig') und ags.: ws. Ev. Lc 18, 13 beo Öu milde me si/nfullum; Lamb. ps. 98, 8 ^h milde ivcere heom tu propitius fuisti eis; Liber Psalm. Thorpe s. 140 (Psalm 56,1) me milde nrorp miserere mei (N 2, 215, 3 [Ps. 56, 2] gnade iins got). Im ahd. muß die bedeutuugsnuance des misereri lange nicht so fühlbar ausgeprägt oder viel seltener gewesen sein. Denn unter den be^ Gr. 2, 725 aufgezählten, sehr zahlreichen lateinischen äquivalenten propitius, man- suetus, hilaris, humanus, hospitalis, munificus, largus, prodigus fehlt sie ganz.') Vgl. etwa Wess. gl. u. b. 1 = Dk 295, 71 nu fliuho ih ... ze demo fdo milten harmi dero dinero irharmidi (Bened. gl. u. b. 301, 99). Dafür herrscht — neben canCidie (Warfelmann 32 ff.),*) das T nur einmal, 32, 8, zur wiedergäbe von benignus verwendet — armherz (= got. armahairts), dessen Sippe von Graff aus B und N, Is M und 0 nachgewiesen wird,^) aber im T fehlt wie im alts. Dem ags. ist mildheort sehr geläutig; earmheort scheint ungenügend bezeugt.
iiötbenli^ (Gr. 3, 188) vinctus 199, 1. Vgl. mnd. nötbende 'gewaltsame fesseluug', afries. nedhende dasselbe (= got. naudibanäi 'fessel').
sibbisam (Gr. 6, 66) pacificus, ags. sibsttm.
Mt 5,9 Beati 'paciftci: T 22,14: Sedige sint thie tliar sint sibbisame, WS. Ev. Eadige si/)id pa sibsiime, Bush, sibsume i fridsume, Lind, sibsume i fridgeonie. In Übereinstimmung mit 0 II 16, 25 Thie fridusame ouch sedig und dem Paternoster Dk 165,7 s(dich sint die fridusamen*) sagt der Hei. 1317 fridusamo. Das wort frida fehlt im T ganz und wird überall durch sibba ersetzt.
Lc 1,79 in viam jjrtc/s: T 4,18 in uiteg sibba, ws. nhbr. Ev. on sybbe weg.
Lc 2,14 in terra pax hominibus: T 6, 3 in erdu si sibba manmnn, WS. nhbr. Ev. on eorHon sijbb mamnim. Dagegen 0 112,24 si in erdu fridn ouh allen.
In den ws. Evangelien findet sich nur sibb, im nhbr. kommt daneben auch frid vor (Cook, Glossar}' 67). Beide worte kennt wie das nlibr. auch Is: sipbea pax 22, 15, frido 22,13; ebenso liat R = Gl. 1,246, 17 vnsi^^pe i unfridu • seditio. — In der Lorscher beichte Dk 239, 19 steht die adjectiv- forra iinsipheron.
iirsiirgi (Gr. 6, 275) securus 222, 3.
Mit anderer ableitungssilbe nrsorc- secura K Ra = Gl. 1,260,8. Vgl.
^) Ker. Gl. 1, 182, 20 uncanadic inclemens, 21 unarmherz' immisericors, 28 unmilti- immitis (vgl. 78, 5), 127,9 milüihhor- largius.
^) Vgl. N 2, 429, 16— 19 misericors et miserator dominus longanimis et multum misericors Trulüen ist kenüdig nnde scheinare gnädon, langmüotig mide fdo genadig. 593, 15 — 17 kenüdig . . . iimle genCidäre.
8) miarmaherz Ker. Gl. 1, 182,83, 13. 232,9, urmherzi Gl. 1, 790, 6.
") In der bedeutuug pacatus steht fr'dasam Gc 8 = Gl. 2, 229, 23.
16 GUTMACHER
itrhirsi und ttrherz K Ra = Gl. 1, 2G4, 7. 10, mumnherzi uud imarmherz Pa KE = 182/3,21.
uiiaruuurti (Gr. 1, 1025) verax 104, 5. 126, 1. Vgl. ags. wdrwyrde cautious of speach.
Ohne Umlaut, vielleicht mit anderer ableitungssilbe uiiurimorter • ueredicus E (statt nuarqueto in K) = Gl. 1, 263, 15 (Avie got. Imam-, Imgna-, iihihi-cmräs). Vgl. das eben citierte paar nrsorc und waurgi.
iiiiiUiiäri (Gr. 2, 824) insignis 199, 2, ags. n-khmere. Eine mnd. apo- kalypse (Zs. fda. 52 [1910], 275, v. 2589) kennt indemure.
Es folgen 7 participia:
foltruncan (Gr. 5, 537) inebriatus 45, 7.
halpscritan (Gr. 6, 577) 'halb vergangen' 104,4 (Job 7,14): themo it- malen tage lialpscritanemo iam autem die festo median te. Bemerkenswert ist der gebrauch von scvitnn für das vergehen der zeit, der im alts. und ags. bekannte parallelen hat. Hei. 197 skred the icintar ford, 2265 iltur ger furöor skred, Güdlac 942 Dagas ford scridun, 1011 min feorli . . . ende gesccep dceg sendende: donne dogor heop min ford scriden. arscritanen' exactis (quin- decim annis) Can. 4 = Gl. 2, 146, 1. Über dieses glossar wird später genauer zu handeln sein. Im ahd. wird sonst in dieser bedeutung (neben irgangan, firfaran) arh'tan, kilitan Gr. 2, 178 f. gebraucht. Im mnd. sind liden uud vorliden der gleichen bedeutung fähig, vgl. da dertich dage geleden iceren Dial. Gr. Mnd. wb. 2, 687, in de)» rorJeden tcynter, yn vorledenen jaeren ib. 5, 394 ff. Das heutige niederdeutsch kennt verleden wake, sündach, johr etc., Doornkaat-Koolmann 1, 452, Schambach s. 277.
Überhaupt ist das verbum scritan (Gr. 6, 577) im ahd. sehr schwach belegt; außer dem, was schon citiert ist, und vherscriten • transpassare Gl. 2, 352, 3 finde ich nur belege aus dem Ker. Gl. 1, 124 25, 1 ])iscrit ' elabe Pa K R, 90/91, 23 cascriian{t) Pa, kiscritant (zwischen s und c ist t ausradiert) K conlabuntur, 110, 19 cascritant • delabunt Pa (in K Ra steht kistritant).
iiiizigangeuli (Gr. 4, 98) treso, non deficiens 35, 4.
iiiiffifergöt (Gr. 3, 681) gratis 170, 6.
Ahd. fergoH ist häufig belegt.
iiiigiiiuasgen (Gr. 1, 1080) non lotus 84, 9, mhd. iingeivaschen.
iiiigiiiiiätit non vestitus 125, 11 (fehlt Gr. 1, 744).
uiitaronti (Gr. 5, 440) innocens, ^tntaronti . . . fon hhiote 199, 11.
C) Adverbia.
eiiirätlililio (Gr. 2, 465) constanter 196,6, ags. an rmllice.
Lc 23, 10 consU(nter accHsantei^ eiun : T 196, 6 einratlihho ruogenti inan, ws. Ev. hine anrmVice wregeiide (uhbr. fa's(licc). Die eigentliche be- deutung des compositums wird wohl nicht mehr deutlich gefühlt. Vgl. ags. oftrckdlice. einraiig uno consilio steht N 2, 151, 21 Gl., einrdtigi conseusio 1, 734, 7.
gijaro (Gr. 1, 610) per oniues annos 12, 1.
N gebraucht ii'trlich 1,103,7 und idrogelich 757,15.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 17
Den gleichen Wechsel haheu wir bei (jitago cotidie (Gr. 5, 3G3) T 107, 1. r29, 1. 185, 8, M 25, 17 {eo (ßtUujo), 0 IV 1, 12 (= gidago Hei. 3739): iagnlih (Gr. 5,3G3) T 34,6, B c. 4. 7. 18 etc., 0 1121,33 und häufig bei N.
girado (Gr. 4, 1151) ecce apparuit: g/'rado gotes engil erougta s/h 5, 8. 9, 1.
Mhd. gerat, adv. gerade ' schnell '?
sclbsauia (Gr. 6, 214) similiter 5 mal.
spählihho (Gr. 6, 322) sapienter 128,5, spähltl-o Hei. (3 mal).
D) Pronomina.
sihuuclih (Gr. 6, 53. 4,1214) quidam, quicumque, aliquis 4 mal.
siluiiianne (Gr. 4, 1204) aliquando 160, 4, quando74, 6, viin sihiiiianne ne quando 160, 4.
sihmino (Gr. 4, 1196) 162,1 oha sihuuuo min si quominus. Dazu kommt
silumer (Gr. 4, 1191) aliquis, quis 14 mal, wozu wenigstens aus dem Trier, cap. Dk 229,4 eine vereinzelte parallele, seuuemo cuilibet nach- gewiesen werden kann (Braune =* § 295e, anm. 1). Vgl. über diese ganze bildung Grimm, Deutsche gramm." 3, 37, der das md.siche/n, sochein^) (vgl. itihhehi, nohhein) hinzufügt, und Dk^ vorrede XX. Die richtige erklärung des sih- in sikuuer giebt Sievers, '■=) indem er die spätwestsächsischen formen löcaJnca, löchica, Uchicceder, luchtcglc vergleicht, z.b. Ben.R. 48^) wi/rceii lo- cahwcet ponne pearf sij laborant quod necessarium fuerit. Cnuts gesetze 2, 80,1*) Jocliicar ic hit gefriöod icijile huhun ubicumque pacem eins habere uolo.
Die sonst dem alid. für das indefinite pronomen zur Ver- fügung stellenden Zusammensetzungen dehein, eddeswer fehlen im T vollständig, wie schon J. Grimm 32,36. 58 notiert hat.
Die später bei N und Will, ganz geläufige Verbindung dehein, die den meisten älteren denkmälern fremd ist (Grimm a.a.O.), liest man zuerst Muspilli 95, häufig bei 0^), und 1 mal im Weißenburger catechismus Dk 204, 26 in der form tholiein. In Willirams paraphrase des hohen liedes ändert die Leydener handschrift A das dechein des Originals zumeist in eynegh, an drei stellen läßt sie dafür sum eintreten. Das entsprechende einig herrscht ausschließlich im Is und in M,^) T kennt es 11 mal. In gleicher weise wird ags. änig gebraucht. Von
*) Weinhold, Mhd. gr.* § 492 und Einzel in seiner ausgäbe von Lamp- rechts Alexander s. 435 zu vers 977. *) Ags. gr.3 § 345.
3) Bibl. d. ags. prosa 2, 73, 9, vgl. 74, 5. *) Liebermann, Gesetze der Angelsachsen 1, 366, 7. 5) theliein, thiheiii 18 mal, thoheinig 10 mal. •=) Is 11 mal, M 8 mal.
Beiträge zur geschichte der fleulschen Sprache. XXXIX. 2
18 GÜTMACHER
den oberdeutschen denkmälern stellen sich zu den genannten fränkischen die Benedictinerregel mit 7 maligem einUJc, die Murbacher hymnen, die lmal(4, 1, 3) einic ullus aufweisen, und von den Murbacher glossen la Gl. 1, 315, 37 einigher • quis- piam (Schindling s. 105, § 45,6); den einzigen bayrischen beleg bietet Muspilli 52 (Schatz § 131).
Eine dritte raöglichkeit, den indefiniten Charakter des Pronomens zu bezeichnen, stellen die Zusammensetzungen mit ethes-, ettes- dar. Hierbei ergeben sich für die einzelnen denk- mäler recht verschiedene frequenzverhältnisse. Alemannisch und bayrisch sind diese Verbindungen häufig belegt und zwar schon in so alten quellen wie B (7 mal, Seiler, Beitr. 1, 411. 412. 443), Rb = Gl. 2, 306, 20 edda mihil • aliquatinus, in Ib Rd = 1, 289, 23 eddezuuaz • quippiam, 293, 14 ioh eddesuuenne ' tandemque, in Ic = 4, 5, 14 ethesimeliches • cuiuspiam, 16, 20 ethesuuaz' quippiam, 10,42 ethesuticlih • quisnam, 21,17 ethes- iiuenne ■ tandem. ^) T, Is und M kennen diese Zusammen- setzungen gar nicht, 0 hat etheslih nur V 23, 18, aber ethes- uiianne S, ethesuuer 4, cthcsnuio 2m'd\. Ebenso Lex Salica Dk 227, 18 eUesJmeWiemo und Sg 290 = Gl. 2, 245, 38 edisveio ■ utcumque.2) Will, hat ctesUch 47, 11, etesuiianne 47, 10, etisuua 71,4, ettemiüo 7Q,2. Jedoch ändert an allen genannten stellen die Leydener hs. A, in gUthesuuilcharo 47, 11, gittheunanne 47,10, iefthesimar IIA,^) eine 76, 2J) Bemerkenswert ist das häufige vorkommen von ettes- im Ker. Gl.: eddes manage Pa K Ra 1, 20/21, 24, eddesui langeo Pa K 21, 25, eddes in manaJce K 216, 41, cthaslih K 235, 23, etheslihhero K 237, 2, etliesuuelih K 236, 5, efheshuelihhcnm K 269, 14, etharhuanne K 223, 8, ethasimanne K Ra 256, 9. 10. 13 , ethesuuaz Pa K 56/57, 9, ethasuuaz K 236, 7. Daneben ist einig im Ker. Gl. noch sehr häufig (14mal).5)
^) In derselben denkmälergruppe daneben einigh la = Gl. 1, 315, 37.
*) Dort wird die glosse mit /'= francice bezeichnet. Über den Sg-.299 s. Christian Leydecker passim.
3) Vgl. mnd. iftes-, iechtes-, gichteswanne, gichtesiceUce, iehteswat, mnl. ietswat Grimm 3^^, 54/55.
*) 0. Böhme, Zur kemitnis des oberfräukischen, Leipz. diss. 1893, belegt rheinfr. eüeaucn 25 (ans Worms), ettesir« 56, ctteirriiiif 17 (aus Speyer).
^) Darüber handelt ausführlich cap. IV.
DER WORTSCHATZ DES TATTAN.
19
Für die wichtigsten denkmäler ergibt sich mithin folgen- des bild:
|
tliehem |
ethes- |
eime |
sih- |
|
|
B |
— |
7 |
7 |
|
|
H |
— |
— |
1 |
— |
|
K. Gl. |
— |
14 |
14 |
— |
|
T |
— |
— |
11 |
22 |
|
Will. |
13 |
4 (doch ändert A) |
— (doch vgl. A) |
|
|
0 |
iSitJiohehiig 10) |
10 |
— |
— |
|
Is |
— |
— |
11 |
— |
|
M |
— |
— |
8 |
— |
|
N») |
häufig |
häufig |
— |
— |
E. Conjunctionen.
üzouli, üzoli (Gr. 1, 539) sed 22 mal, neben ouh, oh sed, sed et, vero 122 mal (Gr. 1,121)^) und fizar sed einmal 4,1 (wie im Weißenb. cat. 9 mal, iizzer Sangall. paternoster Dk 209, 4). ^) Dagegen fehlt dem T das sonst häufige {(zzan sed (B H M Freis. patern. Dk 202,7.11. 203,35, Weißenb. cat. 207, 4, Rb = Gl. 1, 336, 42. 426, 3. 2, 306, 16, vzzen Gc 4 = Gl. 2, 221, 69. 223, 40). Vgl. außerdem uzzan nu khmisso • quin immo Ib-Rd = Gl. 1,289,41, iizzmi mer • quin potius ib. 33 (dagegen T 44, 3 ouh halt mer sed potius, Pa K 1, 126, 22 aiih mcer • sed raagis), uzfin ouh (zu nee non . . . sed et) Ic = G1.4, 8, 10 (dagegen Pa K 1,214, 18 aiih ul- nee non, 19 auh- sed et). Es entsprechen sich also die Verbindungen nalles (nolas) — ouh (oh) T (Sievers* 402) Pa K 1, 94, 37. 39 und mtUes — nzzan Rb == Gl. 1, 336, 42. 426, 3, Weißenb. cat. Dk 207, 4 (doch an 6 anderen stellen ncdles — lozzar 206, 62. 63. 65. 67. 68. 207, 74;75; 3 mal ncdles — suntar, sundar 208, 90 ff. '')). Der Weißenb. cat. hat also als adversative conjunction auh 2 mal, uzzar 9 mal, uzzan 1 mal, suntar 5 mal nebeneinander. 0 verwendet davon nur das letzte, suntar.
*) Genau ist die frequenz schwer festzustellen, weil in den abhand- lungen von Kelle, Siemering und Wolf ermann nicht das ganze material vollständig verwertet ist.
«) auh = sed Weißenb. cat. Dk 204, 4. 205,1, oh = sed, tarnen, vero (geschieden von ouh = et, etiam) Is. 15 mal, auJt. = autem, vero und = et, etiam M 50 mal, auh sed Pa K 94, 39. 126,22, K 214,19 (auh- sed et, vorher auh ui- nee non).
*) Gr. 1, 536, Dk 2, 336 auraerkung zu zeile 29 des catechismus.
") i^untar allein noch 207, 77. 82.
9*
20 GUTMACHER
T kennt suntar nur in der Verbindung siiniar (pHueJili: (jUialoten suntar fi/tiueliheti sculdigon convocatis singulis debitoribus 108, 3. Auf hd. gebiete gilt sioitar nur für eine bestimmte anzabl von quellen; so kommt es besonders häufig bei 0 und N vor (Gr. 6, 49/50), auch AVill. hat es einige male; von deu anderen belegen ist oben schon gesprochen worden. Seine Verwendung als conjunctiou beschränkt sich nicht aufs hd., sondern ist auch dem mnd. (Schiller-Lübben 4, 470) und dem mnl. (Oudemans Bijdrage tot en Middel- en Oudnederlandsch Woordenboek 6, 670) bekannt.
F. Verba.
abfnor (Gr. 3, 561) fon iro oucfon euanuit ex oculis eorum 228, 4.
aua si Iiangau (Gr. 4, 765) quinistein in s/'naii hah suspendatur 94, 4.
luärdit anagispiuiian (Gr. 6, 364) couspuetur 112, 1 (Lc 18, 32). Zu derselben evaugelienstelle sagt 0 11113,5/6 mih scal man ... bispiuuan.
anastehlinn (Gr. 6, 635) transfigere 211, 4 in thende sie anastahun in quem trausfixer unt.
inthelde (Gr. 4, 895) sin lioubit caput reclinet 51,2, inthellit ist ther tag declinata est dies 228, 2, ags. onhieJdan (his heafod Beda 3, 7, s. 543, 37). Vgl. inluddct PaR, imddhetK adclinus = Gl. 1, 42/43, 26 (^noliluddifRdi).
inkeuuii, inkauta (Gr. 4, 428) coguoscere 3 mal, mit in- für int-. Anfr. untkennun coguoscere Ps 66, 3 neben hende 72, 16, hicanda 55, 10, hecandon 78, 5 (lat. cognoscere)., mndl. ontkeruien (ostmndl.) neben kennen, bekennen, alts. antJcennian (sehr häufig im Hei., der wie T weder das simplex noch ein anderes compositum kenut')), mwä. entke)nien neben kennen, bekennen, md. enkennen DWb. 5, 533 (Iwein 3172 hs. A. J. Eueit 3343 M. 6821 M. Wernh. v.Niederrh. 10, 29, von der Hagen, Heldeubuch 2, 229 [vers 341,5]) und Lexer, Nachtrag 143.
Reste dieser Zusammensetzung hat das althochdeutsche nur in nomiual- compositen mit präfixbetonung bewahrt: ancJmnde imbutus N 1,86,12, er uuir iro uuurdin antchunde scientiam accepimus 1,434.6, antcJmnder' ex- pertus Gl. 2, 60, 60. 486,31, antchiDiditn' gnavos l,4:-ib,8, antclmniar ('1. antchundar' Steinm.) expertus 2, 650, 65, anicliundiga • expertos 666,45, cmtchunstiger • expertus 77, 57 (Gr. 4, 418. 420). Sonst heißt es durchweg ircJiennan (auch im fränkischen) und bichcniuin (Gr. 4, 428. 433). Von Is und M, die neben häufigem archennan je einmal auch bichennan zulassen, unterscheidet sich 0, der, was schon Graff der aufmerksamkeit wert gehalten hat, nur die Zusammensetzung mit ir- gebraucht. Umgekehrt hat Will, ausschließlich bechennan. Im mhd. fehlt das simplex; gebräuchlich sind nur bekennen, erkennen. Dies letztere ist im mittelalter allgemein verbreitet, auch mndl. und mnd.
iutuuäten (Gr. 1, 744) exuere 200, 1. 4. 5, mhd. entwceten.
Über arbruogen = ags. äbrcgan soll beim Ker. Gl. gesprochen werden.
ercaltet (Gr. 4, 382) viinna refrigescet Caritas 145, 9, ags. aceaUlian Sievers^* §411,2, aum. 5. Uncomponiert dndtentiro minno N 2,79,23 Gl.
') Wohl aber bikan, biko)ista neben kan.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 21
Doch ist irchaltota • refrixit Gl. 2, 326, 29 vielleicht für irchalteta eingetreten, vgl. ir.^Iei(i(ota • contabuit 325, 28 {slcnnät Gr. 6, 811).
bibrihliit (Gr. 3, 264) confriuget 69, 9, rand. hehrelcen.
bibreunan (Gr. 3, 308) comburere 13, 24, succendere 125, 8.
biuehuöta (Gr. 3,440) defraiidavi 114, 2. Zusammengesetzt mit feilmot mauticulat R = Gl. 1,207,33.
ebanmiirkontemo (Gr. 1, 972) cooperante 244, 4 (Mc 16, 20), ags. e/l?n- wi/rcend cooperator Beda 5, 20, s. 641,27. In den ws. und nhbr. Ev. steht Mc 16, 20 dafür iniöicj/rceiul.
foraleruen (Gr. 2, 262) praemeditari 145, 8 foralernen zi uiielicheric nuisitn ir antuuiirtet.
foraquam inan praevenit euni 93, 2. Sonst furiquemun Gr. 4, 670 (auch Pa K Ra = Gl. 1, 44,45, 19. 2, 242, 40).
forasuorgentemo (Gr. 6, 278) procurante (Pontio Pilato) 13,1.
furuialan (Gr. 2, 711) demoliri 36,1 miUuna iz ni farmeJit.
furnidaren (Gr. 2, 993) condemnare 8 mal, damnare 39, 2.
Sonst heißt es in dieser bedentuug ahd. {(ia-)}iiäarren, wovon T aber nur die verbalabstracta tiuhinauja, iiiihtruess/ hat.
In der Übersetzung der Matthäusstellen, wo wir die Monseer bruch- stücke vergleichen können, ist der gegensatz besonders deutlich: Mt 12,41 = M 7, 5 (janidarfent = T 57, 4 funuderent, c. 12, 42 = M 7, 8 (lanidrit = T 57,5 furnidirii, c. 27, 3 = M 23, 28 (janldrit = T 193,1 fornidirit
forstnrzta (Gr. 6, 726) thie stuola evertit 117, 2.
frainsazta (Gr. 6, 301) andern ratism proposuit 73, 1.
gibilgit sih (Gr. 3, 104) irascitur 26, 2, ags. Jii)ie gebelgan.
Ahd. sonst sih helgan oder slh arheUjan (bereits auch im T und Ker. Gl.: k/pulkdii Gl. 1, 60, 8. 260, 35, (trpohjan 150/51, 20), alts. behjati und äbeUjan.
Weiter reicht die Verbreitungssphäre des subst. gihidaht: T (4 mal), H (2 mal), Bib. 1. 2 = Gl. 1, 528,56, wohl auch Voc. S. Galli 3, 6, 17 rjrqndch{t) und Ker. Gl. 1, 150,51, 19 captdant Pa, kipidd K, kipidud Ra (für capidaht) furibuudus; ghlhulaldiger- ferus iracundus la = Gl. 1, 315, 21. Das verbreite- tere <'th}dgl (Gr. 3, 105, Warfelmann 28), das auch im Ker. Gl. 247, 5 und bei 0 erscheint , fehlt im T, wie im alts. und ags., wo ohult Wadstein 52, 26 und d'bglgö dafür eintreten.
giscazzon (Gr. 6, 559) 151, 4 uitio fdo iro giuuelih giscazzot miari quantum quisque negotiatus esset.
giuuäten (Gr. 1,744) induere 53,3. 97,5. 200,1.4 {geuuatetW\\\A,2, kiuuatit • amictus Ic = Gl. 4, 3, 48 gehören zu dem allgemein üblichen iiuäten). Vgl. oben ititumiteih und got. irasjan (= alts. ahd. icericoi), ga- wasjan (= ahd. giuaerien, ags. geweriaii), amhvasjan.
instigenti (Gr. 6, 621) ascendens {in skef) 70, 2.
uidargöz (Gr. 4, 284) then scaz, effudit aes 117,2, alts. nithargot (gi- uuihid mos eiidi drauJc) Wadst. 16, 15, mnl. nedergieten.
nidarhelden (Gr. 4, 896) inclinare 208,6, 220,3, nidarhaldent ■ sub- mittunt G1.2, 184, 58: -e oder -jV(-verbum'? Vgl. intJielden oben s. 20.
thurnlifremen (Gr. 3, 645) perficere 5 mal, anfr. thurofremidos per-
22 GUTMACHER
fecisti Ps 67, 10, tlmrofremigero perfecto van Helfen 84, 700 ff., ihurhfrem id vollkommen Hei. 3284 M.
Bis auf die vocaldifferenz e : n deckt sich das mit thuruhfrummen patrare, perpetrare des Ker.Gl. (Gr. 3,654): K Ra Gl. 1, 224, 9. 11. 14. 228,31, thuruhfrumiinfja • perfectnra R = 1, 165, 24.') 0 kennt wie das oberdeutsche nur {(ji)-fntmmen, das auch sonst dem fränkischen nicht fremd ist (Frauck § 191).^) Daneben finden sich zi gifremenne in der Fuld. beichte Dk 242, 23, (jivremiäi, gefremiäl in der Mainzer beichte Dk 242, 4. 243,18, ce gefremhie in dem Capitulare 230, 18. In W(irzib.) ^ Gl. 2, 91, 44 steht (ye/Vcw/f/H* commissa (doch in der Würzburger beichte := Dk 246, 32 gifnnnita). Can. 4 hat fremm{an)- exhibeii Gl. 2, 144, 9 neben fnimenti- faciens 145,58, ge- frummit • ammissam 145, 52, gifrumit • conficiuntur 146, 34, commissum 147, 77, frumnnga ■ effectum 146, 17. Im Will, zeugen die handschriften A M 0 N an der einzigen stelle, die in betracht kommt, für gefremet nnerden 66, 14. T hat trotz häufigen gebrauchs nur die ^'-form (15 mal). — Im alts. Genesis- bruchstück überwiegen fremmiatt, fremida (6 : 4). Umgekehrt bevorzugt der Hei. in diesem verbum n. 71 ?<-formen im Gott, stehen 56 im Mon. gegenüber. An 55 stellen haben beide Codices n\ nur zweimal, 743. 2702, treffen sie in fremidun, -in zusammen. 6 mal weicht M von C zu gunsten der e-iovva. ab, fremis M, frumis C 928, fremila M, friimida C (mit den zu- gehörigen präteritalformen) 109. 881. 2168. 2745. 4413; und nur ein einziges mal kehrt sich das Verhältnis um, fremmean C : frummean M 93.
thuraligraban (Gr. 4, 305) sin hus perfodiri domum suam 147, 8, mhd. durchgrahe)!, mud. doregraven, mul. doregyauen.
hiihs (d. i. Ulis) irTcrapan ■ prsedare K = Gl. 1, 163, 10, irgraban sinaz hus 0 IV 7, 58.
ubarsäta (Gr. 6, 54) superseminavit 72, 2 (Mt 13, 25), ws. Ev. und Rush. an derselben stelle oferseoir, mhd. ühersäje», uherseiren, mnl. oversaetjcn.
üfscouHÖn (Gr. 6, 555) sursum respicere 103,1.
iiinbigrabii (Gr. 4, 302) inan fodiam circa illam 102, 2.
üzlosi (Gr. 2, 276) iz {tJuiz ouga) erue eum 95, 5, mnd. iUlösen, vgl. mhd. nzlösinige.
uuidarkiosau (Gr. 4, 513) reprobrare, anfr. uuithercos ik reprobravi (Ps 72, 15) van Helfen 87, 786, ags. iviöceosan.
Mt 21, 42 lapidem (luem reprohaverunt aedificantes: T 124, 5 stein tlieii sie uuidercurun zimhoronte, Rush. Ev. stau pcem si (sie) ividcunin timhradc (ebenso Napier, Old Engl. Gloss. 234). Dagegen N 2, 496, 15 (414, 17 Gl.) der stein den Jude/ ziniheroude fcrclmreu, 290, 3 (Ps 72, 15) //i häbo ferchoren
1) Vgl. auch im Ker.Gl. cafnunä = 1,4/5,13. 20,21,37. 50,51,19. 134/35, 4. 241, 11, frumenti- urbanus 142, 8, frummen Pa, frumme K auxiliet 146/47, 35, dazu urfruniio • auctor Ra 47, 35.
2) frumman Is 1,3. 8. 39,8, M 15,6, chifnunman Is 7,19. 8,1.9. 18, 4. 28, 7. 29, 7, g<(^ M 34, 27. 29. 40, 15, frnman • querere Gl. 2, 76, 80, gifrumantes ■ querentis 80, 16, gefniiiiete ■ explicuisset 2, 43, 45 (cod. Trevir. 1464), gifmiii/da- aft'ectus 80, 81 (cod. Arund. 514: dort steht 79,47 ahant- sterro- vesper, 79,49 tmjesterro • lucifer [über fränk. sterro s. unten]).
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 23
reprobavi, Gl. 2, 232, 28 fnrlJtornn /s? • reprobatur. Vhcr (hrheosau \g]. Gr. 4, 512.
uuidarscouuöiiti (Gr. 6, 556) aspiciens retro 51, 4. Vgl. üfscomwn s. oben s. 22.
Dazu kommen noch mehrere decomposita, für die T eine besondere Vorliebe zeigt:
auagitrüuuct.a (Gr. 5, 470) confidebat 62, 6.
fraingileitit (Gr. 2, 186) produxerit 76, 2. Vgl. fntniglfuore W(irzib.) = Gl. 2, 92, 25, fnnulafiiomn 140,26.
ingileittnii (Gr. 2, 185) thaz Idnd iiwlucerent 7,5, &gs. iiif/eldrJni iii- troducere. i^lnligiDiIngileiUc^ ("''}-*)■ snbintroductam Can. 13 ='G1. 2, 107, 33 und incah'itit [uKes(i)i\ indnci H 2, 10, 2 können auch zu itüeitan geboren.
iiigisteig' (Gr. 6, 621) descendebat 88, 1. Vgl. ags. he me icolde oti (jcsti(j(i)i Holy Rood 68, 34. Vgl. insthjan oben s. 21.
nidargisazta (Gr. 6, 299) deposuit 4, 7.
uidarg'iuiialztcii (Gr. 1, 792) cneuuoit provolutis genibus 92,2 (Mt 17,14). Au derselben stelle Lind.Ev. ciinim (jewceUeno.
zuogioulihöii (Gr. 1, 120) cina eliiui adicere 38, 3. zogauhhot ■ additus R = Gl. 1, 43, 25 und zua s/nt Icuouhot ■ adduntur Sg 193 = Gl. 2, 81, 31 können auch zu zuoouhliön gehören.
zuogiuuelzan (Gr. 1, 792), Mt 27, 60 alvolvit saxum magnum ad ost/uin moimmenti: T 213, 2 inü zuogiuualzta micliilan stein zi tlien turun thes grahes, Lind. Ev. gewcelte stau micel te duru Öces hyrgennes, Eush. to- wcdede, ws. tomnjHc.
abafnrhoiiiian ist (Gr. 4, 707) excidetur arbor 41,7 (bloß farhouuan 13, 15). Vgl. apafdvmeez' amputavi ß = Gl. 1, 25, 5, apauarmeizzdti- truucare Gl. 2, 330,3, excidetur 172, 53, apafermeizt uuenlan • resecari 262,33 {(ihafarmeizini- abscisionis 51, 25), apazauarscapanne ' radendum Em 19 = Gl. 2, 329, 57, apriuar sentit- excussit Em 19 = 2,330,44 und abziuirscut- tanne- ad excutiendum Gh 3 = 2,285,42, aha si farsiUtan B c. 55, äha- fersniien N 1, 750, 30, ahaforsnidan W(irzib.) = Gl. 2, 91, 56, apafarimor- f'uiier • excussus 2, 669, 20.
nidarfurscurctin (Gr. 6, 542) praecipitareut 78, 9.
Vgl. nidarfoi-auarf Gl. 2, 228, 65. 229, 72.
iifarsteig (Gr. 6, 623) ascendit 14, 3. 104, 3, ags. upästigan B-T 55 und upästigenness ascent B-T 1140.
üzarlesau (Gr. 2, 248) colligere 72, 5, aiiesan (= ags. älesan) belegt Graff nur aus Prud. 1 = Gl. 2, 438, 38 arlesania ■ purgata membra Hypoliti.
üzaruuerplian (Gr. 1, 1030) eicere 4 mal.
Joh 12,31 eicietur foras: T 139,8 umrdit eraiiorpfaH üz, ws. Ev. heod utaworpan.
24 GÜTMACHER
II. Capitel. Besonderheiten des T in der Wort- bildung.
Ich beginne mit den auf T beschränkten ableitungen aus Stämmen, die im ahd. auch sonst belegt sind.
A) Substantiva.
a) Femininbildungen.
gimahha (Gr. 2, 634) sw. f. coniuux 5, 8. 10, 12. Femiuinnin zu gi- mahho socius M 18, 19 = alts. (jimako, ags. gemaca, das zugleich für das masculinum und femininura dient. An der T 5, 8 entsprechenden stelle Mt 1, 20 findet sich in den ws. und nhbr. Evangelien die j-bilduug gemcecca.
coniunx, sponsa heißt bei N Will, und anderwärts im ahd. (jemaliala Gr. 2, 652. Vgl. auch (jettivi • coniugalis Gl. 3, 426, 21, feraininum zu nihd. gute, mnd. mndl. gaäe.
turiunarta (Gr. 1, 956) sw. f. ostiaria ancilla 186,3.4. Zu turinuart 133, 6. 147, 6, 0 II 4, 7, N 1, 223, 24. 812, 14, Pa K = Gl. 1, 194/95, 40. Da- neben auch torwarto Cr, Tr = Gl. 3, 137, 1.
b) Deminutivbildungen.
biirgila (Gr. 3, 183) castellum 8 mal. gerbilin (Gr. 4, 248) fasciculus 72,6. tnbicliii (Gr. 5, 351) pullus columbarum 7, 3.
Von allen drei werten sind die simplicia althochdeutsch häufig belegt. A.Polzin 8.25.
c) Concreta.
«) Mit dem suffix -ari.
iulihcri (Gr. 2, 123), das ist iiitUheri, foeuerator 138, 9.
biboteri (Gr. 3, 79) praeceptor 111, 1. Von bihot mandatum.
T scheidet g/hot edictum (einmal) und bihot mandatum, praeceptum (23 mal). Das Avestgerm. hibod (ags. behod) ist im hochd. sonst früh aus- gestorben, häufig ist es nur im T und im Ker. Gl. (Gl. 1, 170/71, 30 victima Pa K, 187, 31 iraperium R, 203, 5 iudicia K, 207, 31 mandato K, 218, 12 preeepta K). Außerdem begegnet es B c. 4, Ic = Gl. 4, 10, 14, Da = Gl. 2, 343, 34. Schon bei 0 fehlt es (von Graff 3, 79 notiert), freilich auch im Hei., der nur gibod kennt. Zu der häufigkeit des gebrauchs von ijipot im Ker. Gl. stimmt die erhaltung des verbums pipeatcm (= ags. bebeodan) in derselben quelle Gl. 1, 134, 8 Pa K Ra, 206, 17 K, 211, 27 K, 226, 8 R. Dazukommt ein einziger beleg aus Gl. 2, 42, 27 jj/peataidenw iubente. Lebensfähig ist nur das compositum gibioian, das auch im T Avie im Hei. herrscht. Gr. 3, 69. 75.
bigengiri (Gr. 4, 104) cultor, ihes uuingarten 102,2, gotes 132,18, ags.
DER WÖRTSCHATZ DES TATIAN. 25
h!(jc)Hicrc: Ic licehbe s)>i/J)((.'^ and iiuoiefia oäre misüicra crcefta hiygengeras MMx. Colloqu. Wright-Wülcker 1, 99, i.
Das gleichbedeutende pigoiifjeo (= ags. hiijenya incola, cultor) findet sich in der giosse trisiunea pigangco Pa K, tresoes pigengio Ra architectus = Gl. 1, 24,25, 38. Daneben higangeo mit der erklärung extorris 1, 124, 5. 19, außerdem pigengo ■ cultor in Ib-Re, einer epitome zum Ker. Gl. = 2, 315, 6.
acarbigeiigiri (Gr. 4, 104) agricola 167, 1. Daneben 124, 1. 2. 3. 4 (tccarliigeugo. über die anderen Zusammensetzungen mit higengco wie hinipihnigeo s. unten beim Ker. Gl.
Vgl. dagegen Christnobo christicola, uöbare abkvtero cultor ido- lorum N 2, 294, 5 Gl., laiditpo • colonus Gl. 1, 614, 36. Das im ahd. sonst so geläufige, dem 0 ganz vertraute verbum uohen mit seiner Verwandtschaft fehlt nicht bloß im T — dafür heißt es 84, 5 higangent mih colunt me — , sondern auch im ags. Im Hei. kommt dbeau nur ein einziges mal vor, 2734 von der geburtagsfeier des Herodes. Vgl. mndl. oefeii, mnd. ocen.
fluobreri paracletus wird beim Ker. Gl. erörtert werden.
liuuteri (Gr. 4, 976) centurio 210, 1. Vgl. hunno centurio Ib-Ed ^ Gl. 1,274,66. 3,426,51, N 2, 180, 10 Gl., Hei. 2063 (davon htuuiilik- tribunalis Gl. 2, 128, 47).
feuiiingunautaleri (Gr. 1, 765) nummularius 117, 2.
teilari (Gr. 5, 409) divisor 105, 1 (neben duomo iudex), ags. dcelere. Die ags. Ev. kennen nur das partic. dcelend Harris 19, Cook 37.
cesalari (Gr. 5, 707) fuUo 91, 1, von zeiscdöii ■ carzinare F = Gl. 3, 647, 44 (zu ^('/.sY(/ • Carduus = ags. tdsel) ?
Gl. 2, 19, 14 findet sich zesale • ostro. Sollte ccscdari damit zusammen- hängen und der 'walker' in seiner eigenschaft als 'färber' (Mc 9,2) gemeint sein? Doch heißt es Gl. 2, 21, 66 f. zioscd' tiucturas, zioscda- murice, und das erinnert an zeMn 'färben' (Gr. 5, 585). *
ß) Einzelnes.
leitidon (Gr. 2, 188) nom. pl. duces 84, 7, acc. ducatum ibid. Daneben findet sich 141, 14 eine kürzere form leitid, wie im Is {leididli), M (pl. leiditu), den H teV«? {\}\. leiUda). Dazu vergleiche Gl. 1, 713, 66 leidad,^) leidit ■ ducatum.
julihidi (Gr. 1,592) iugum, acc.pl. ialihida ohsoiio finiuH i2b,4:. Zu joh, Wilmanns 2, § 264.
zuuei gaioclü rindiro Em 12 = Gl. 2, 764, 41.
steinalii (Gr. 6, 691) petrosa, 'steiniges land': nhar steinahi gisauHit ist 75, 2. Wilmanns 2, § 276, 1, Paul Schmid s. 8. S. unten steinuhti.
garto, gart (Gr. 4, 250 ff.) gurto nom., garton acc, garten dat. hortus 73,2. 180,1. 213,1(2), in theiiio garte 188,5'^) — uaingarto vinea 102,2.
^) 'Das zweite d aus n corrigiert' anmerkuug Steinmeyers. Hs. d hat leito; a, in der leidud steht, stammt aus Mainz.
*) In den Worms er Urkunden zwischen 1351 und 1400 heißt es (nach P. Böhme, Zur kenntuis des oberfränkischen s. 24) nom. garte, garten, aber gen. des gartes.
26 GUTMACHER
109,2. 123, -t. 124,4, luthujart i09,l{i) — mHiiJigarlo muudus 104,2 (corr. -flf'ft), dat. viittilegarteii (corr. -(/arte) 104,1, miUUa-,mittili-,mittilg(irt 48 mal. Als iionien agentis hat T garteri hortularius 221, 4. Die anderen ahd. denk- mäler kennen für das simplex nur die schwache form garto,^) die sie auch für die meisten composita bevorzugen. 2) Nnr mittilgart hat sonst stets starke formen.
0 hat neben garto (IV 16, 1. 18,22.24) gnrUiri V7, 46, das auch im Ker. Gl. Gl. 1, 172/73,25 erscheint. 3) Auch im Hei. steht r/rnY?o 5797 neben gardari 5929. Dagegen kennt das ags. nur gearä.
Ein wort bleibt noch zu sagen über die benennung der erde, got. midjungards, ags. middangeard, alts. iiu'ddeJgard, aisl. miÖgarÖr. Im ahd. herrscht folgende Verteilung der l- und n-formen: mittingart Is M, mittüa-, mittili-, mittilgart T; Muspilli 54; Ib-Rd = Gl. 1, 285, 56. Also stimmen Is nnd M zum got. und ags., während T sich zum alts. stellt.
blezza (Gr. 3, 363) st. f. assumentum 56, 7.
hlcz N 1, 19, 15, Gl. 1, 711, 47. 724, 1. 4, 207, 9 u. ö., Uczzo Gl. 1, 724,1. 3, 151, 36 ff.
Zum Schluß erwähne ich noch einen besonderen fall ab- weichender suffixgestaltung:
arn (Gr. 1, 432) zu erschließen aus erni aquilae 147, 5, also in der äußeren form von arn 'ernte' (oben s. 2, doch hier arni ohne umlaut) nicht zu unterscheiden. Altn. gm, ags. carii, mndl. arcnt, mnd. arn(e), arnt, mhd. (md.) (f;-/;.*)
Sonst heißt es ahd. aro {= goi. ara): M 19,1, N 2,428,18. 438,2; auch in Pa K = Gl. 1, 48, 26 und in sonstigen glosseu 3, 203, 6. 249, 58. 458, 17. 464, 6 (beachte besonders Id = 3, 364, 45 aro • aquila neben 380, 56 ani • messis).
d) Abstracta. Zur bildung von nominal- und verbalabstracten bedient sich T der sufiixe 4, -ida, -nessi, -imga, nicht eben häufig der composition mit -iuom und -scaf und nur in bestimmter be-
') gart heißt sonst chorus; in dieser bedeutung kennt es B c. 43 neben Carlo hortus c. 7.
2) nuingartan, -kartono Pa R = Gl. 1, 50, 51, 13. 15, doch wingard Id = Gl. 3, 386," 53.
*) Vgl. auch uuingarteri Tr, ntiingartere Cr (^uuingeartere B, doch imnigarthenariW) agricolaGl.3,137,51; gartiiiari wwx Gl. 2,300,34. 3,137,61, gardifieri 2, 19, 35.
*) In Athis und Prophilias B 27, E 130 (westmitteldeutsch, vgl. Michels, Mhd. elementarbuch s. 17) und im mitteldeutschen Herbarium 4442. 4893 (Lexer 1, 96). Dazu stelle noch Heinr. von Meißen, Frauenlob 299, 19 (thü- ringisch), Mystiker 1,201, 15 (md.), Wolframs Willehalm 189, 19 k m 0 p t, adelarn Frauenlob 299, 19 (Mhd. wb. 1, 49 b).
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 27
scliränkung des elementes -hcit. 4, -kla dienen vonviegend der bildnng von nominalabstracten; -nessi ist ohne weiteres dop- pelter Verwendung fähig. Die wähl zwischen den verschiedenen möglichkeiten wird oft durch das moment der composition und nichtcomposition mit beeinflußt.
a) Suffix 4. Ich zähle im T 26 bildungen dieser art, 19 (die hälfte davon componiert) von nominibus abgeleitet: fagari heüi herti höht huMi menigt nähi tiufi dougli, a{u)csinm füusprähhi gi- nuhtsami gisiuni guolUchl *itmält ohanentigi ödmuoti ^'siwrg- fnlU *uugilonhfiilli, von verben 7: '^higi (wenn zu Mimen und nicht vielmehr zu Mo) restt toufi thekki, *relitfesü uharMimi ^urresH. Die 6 nur im T belegten habe ich hier und in der unten folgenden materialsammlung durch einen vorgesetzten Stern ausgezeichnet; sie gehören überwiegend zu stammen, die anderwärts im ahd. gar nicht oder sehr selten bezeugt sind. Die gesamtzahl ist nicht eben groß. Irgend eine bevorzugung dieses typus vor andern bildungsmöglichkeiten läßt sich nicht erkennen. Die ableitungen vom verbum treten sehr zurück, zum teil haben sie ihre ursprüngliche verbale bedeutung schon ganz abgestreift. Mgi heißt ehe, thekJä dach. Bildungen wie 2)ihaUi • custodia Gl. 1, 126/27, 15, urstendi (Gr. 6, 607) fehlen. Mit urresti hat es eine eigene bewandtnis, wie gleich zu zeigen sein wird. Am lebendigsten verbal empfunden wird toufi, dessen weite Verbreitung bis ins altsächsische {dopi) hinein- reicht. Auch vom passivparticipium abgeleitete formen wie kadigani, Jcahaltini, die im oberdeutschen eine beträchtliche rolle spielen, kennt T nicht. Statt nhartrunchani sagt er uhartrunh (oben s. 9). Im ganzen entspricht der zustand etwa den Verhältnissen des altsächsischen, worauf schon Matthias Hucko s. 49 hinweist. Ich gebe jetzt in alphabetischer reihen- folge die -l-bildungen und stelle die jeweils vorkommenden Parallelbildungen daneben.
1. acsiiiui (Gr. 6, 128) f. {^iait aiKjsnuü)') species 88, 12, vgl. M 33, 1 az aucsiuni, N 2, 65, 21 ougsiunc als acc. (= lat. vultuni).
>) R ^ Gl. 1, 107, 35 kaaciiuissu- puplicatiiin, K 254, 2 ackhaUsUhlw specialiter (Rs. kmuislihho); K 224, 37 akiuuis- publice (augitmis 'Ra),
28 GUTMACHER
2. gisiuni (Gr. 6, 127) species, conspectus, sicher f. 14,4. 234,1 (zweifel- haften geschlechts 217,3, wo lat. uspectus steht, sicher n. in gesiune per yisiim 199,5, vgl. zi thesemo mmharsiune 210,8), tliero gisiuni' uisu Gl. 1,621,57 (Würzb. cod.), za gasiuni- ad publicum Gc 4 = Gl. 2, 220, 34. Sonst ist gisiitiii neutrum, 0 14,24. 10,14 u. ü., H 15,4,4 u. ö., N 1, 474,7 U.S.W.
3. fagari claritas 179, 2, fagari, fagiri nur noch Pa K Ra = Gl. 1, 164, 16. 264, 19 (pulchritudo). Daneben fagarnessi claritas T 177, 3. 179, 3 (= ags. fcvgenies). Von fag(ir speciosus T 141,22, vgl. fagor, fagari' pulcher Pa K Ka = Gl. 1, 6/7, 24. 12/13, 30. 14, 11. 116/17, 9; venustus Ib-M = Gl. 1, 294, 27, alts. fagar, häufig im Hei., ags. fceger.
4. fllnsprälihi (Gr. 6, 38) multiloquium 34, 3, B c. 55, Gl. 2, 321, 39.
5. giuuhtiiaiin (Gr. 2, 1012) abundantia 62, 10. 105, 1. — kimihtida • copia Pa K = Gl. 1, 64/65, 33.
6. guolliclü (Gr. 4, 172) gloria 111, 3. — se guolligheite ad glorifica- tiouem N 2, 294, 14. 468, 1.
7. heili (Gr. 4. 864) sanitas, salus, salutare 8 mal. — heilitha- Sani- tätern K = Gl. 1, 209, 7, heilidha salus Is 22, 5, 0 III 11, 30, heilida dass. N 2, 66, 24.
8. herti (Gr. 4, 1023) durities 100, 4. In gleicher bedeutung hertida 241, 2. — hartnissa duritia Is 28, 8.
9. *higi (Gr. 4, 1065) si liigi selenti nuptum tradentes 147,1. — himinga' matrimonio Can. 4 = Gl. 2, 148, 69 u. a.
10. ubarhinui (Gr. 4, 1066) adulterium 120, 1. 2. Nur T und Würzb. b. = Dk 245, 16.
11. höhi excelsa, altum, summa 6 mal. — hohitJia • altitudo, culmina K == Gl. 1, 32/33, 29. 63, 36. 158, 6, Jiohmssa • excelsa Ib-Ptd = Gl. 1, 276, 54.
12. hiildi (Gr. 4, 915) gratia 3, 4. — holtscaft Wess. gl. u. b. 1 = Dk 295, 81, Bamb. gl. u. b. 301, 109.
13. *iliiiäli (Gr. 2, 715) festivitas 129, 5. Das daneben vorkommende adjectivum itmäli hat nur imKer. G). parallelen, worüber weiter unten zu sprechen sein wird.
14. nieuigi (Gr. 2, 765) multitudo 82 mal, got. managei, ags. mengn, alts. menigi.
15. in uälii (Gr. 2, 1003) in proximo 104,1. 111,1. — naliida- pro- pinquitas Ra = Gl. 1, 15, 20.
16. obanentisi (Gr. 1, 80) 'das oberste', fon ohanentigi desuper 203, 2. Auch sonst mehrfach belegt, z. b. ohonoontil-i culmen B c. 7, ohaiiontigi- superficies Ib-Rd = Gl. 1,291,68, ohanantigi ■ verticem 2,73,26.
17. ödiinioti (Gr. 2, 690) humilitas 4, 5 (kann der form nach ebensogut n. wie f. sein). Außerdem bei 0 bimuati, wo es sicher f. ist (8 mal, Piper 2,346), in der Lorscher beichte Dk 239,42 mit utiiutodi und im Arnsteiner Marienieich Dk 145, 117. 146,169. 150,294 die otmiwde, alts. w^wöf?/ st. u. ')
R 233, 11 agaimisfirinan- publicanus (s. oben s. 12). — Gl. 2,260,24 kauracta- disparuit (offenbar denom. von urouge N 2, 18, 6).
') Vgl. das ueutr. ouarmödi Dk 236, 9 =- Wadst. 16, 12—13.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 29
(thiirh hin'lik oämodi Hei. 37G), mnd. ötmöde f. (daneben kommt auch ötmöl als ni. vor, Schiller-Lübben 3, 246, vgl. hocbd. 'der hocbmut, Übermut, unmut' gegenüber 'die anmut, demut, webmut'), mbd. (md.) otmdctc und ulmuot Roth. 287. 3G0, Glaube 1676. 1945 etc.
Das zugrunde liegende adjectivum findet sich nur im Ker. Gl., aolniot • abroganä Pa = Gl. 1,2,12, oodmuadi- bumilis Ra 250,21, mit den Steigerungs- formen (tofuiotiro- humilior Pa (K) 42/43,28, notmotista' humilissimus Pa 184,32, ags. eädmöd, eüdmede, alts. ödmödi, randl. oodmoede, mhd. (md.) otmiiete A\.e.x.^), Leys. pred. 6ü, 24. Das adjectivum wird im T, Is 24, 7, 0 I 7, 16, im Arnsteiner Marienleicb = Dk 146, 160, auch in den glossen Id = Gl. 3,385, 1 durch die erweiterte form ötmuothj ersetzt. Die gleiche er- weiterung kennen die md. deukmäler des 12./13. jh.'s: o^/H«efec Leys. pred.. Herb., Scherz., Mj-st.
Sonst wird im ahd. die 'demut' durch eine composition mit deo- be- zeichnet, z. b. dheomodi- abrogaus K = Gl. 1,3, 12, theomotr bumilis Ra 5,38; bei N und Will. diemuoUg. Das substantivabstractura dazu lautet theoniHOÜ B c. 7. 29. 60; N 2,43,1 u.ö.; Gl. 2,231,2; Marienlob = Dk 158, 13; St.-Gallener schülerarbeit ^ Dk 260, 12; Otlohs gebet = Dk 267,13; Predigten = Dk 272, 25. 281 C 13; Banib. gl. u. b. = Dk305, 212; undlcmuoii Wess. gl. u. b. = Dk 296, 104; Bamb. gl. u. b. = Dk 302, 132. 0 hat 8 mal ötmuati, Imal ötmuatig 17, 16, nur 1 mal thiomuati 13,41.
Die ganze sippe des letztgenannten Wortes fehlt, wie schon Graff an- gemerkt hat, dem T vollständig, ebenso auch dem alts. und ags. Bemerkens- wert ist, daß, was Graff noch nicht bemerkt hat, auch Is die ganze gruppe nicht kennt.
18. *rehtfesti (Gr. 3,718) iustificatio 2,2; s. oben s. 6.
19. rcsti (Gr. 2, 550) requies 57, 6. 67, 9, dormitio 135, 7, Muspilli 89, Himmel und Hölle = Dk 71, 135.
20. *8norgfulli (Gr. 6, 27i) sollicitudo 75, 3. Von dem auf T be- schränkten adjectivum suorgfol oben s. 12.
21. tiuf i (Gr. 5, 389) altitudo 71, 3, altum 19, 6, profundum 94, 4.
22. toufi (Gr. 5, 386) baptismus 7 mal. Vgl. z. b. Dk 201, 16. 202, 8, alts. fZöjj/, got. daujieiiis. Bei 0 und Will, der touf] Dk 199,18 toufititga.
23. in dongii (Gr. 5, 373) in occulto 187,2, m toiicli- impenetrabile R = Gl. 1, 189, 25. Daneben in, tougle in occulto T 104,1, in tongalnesse in abscondito 6 mal.
24. Iliekki (Gr. 5, 103) tectum 4 mal, pinuaculum 15,4. Sonst dient es zur glossierung von tegmen, tegimentum, opertorium. — dah • tectum Graif a.a.O.
25. *uiigiloubfulii (Gr. 4, 484) incredulitas 92, 5. 241, 2. Von dem auf T beschränkten adjectivum ungilonhfol oben s. 12.
') Im Straßburger Alexander findet sich das nach Kinzels aumerkung nur dort belegte adjectivum 6/») «^(^ 'demütig' 6920. In der einleitung lvi macht Kinzel wahrscheinlich, daß wir die heimat des Straßburger Alexander im südlichsten teile von Mittelfranken, auf der grenze von Südfranken, also etwa im Mosellande zu suchen haben werden.
30 GUTMACHER
26. *nrresli (Gr. 2, 538) resurrectio 9 mal. Daneben arstantnessi nur 110, 4. Es ist eine volksetymologische umdeutuug des alten urrist (Ra K = Gl. 1, 241, 19, H 6, 5, 4) = ags. ctrist. Vgl. 0 V 4, 29 wh ouh man iliaz nuestin, tJiaz Irisi stncmt ir tlien restin. Hei. 4052 arisad fan restu (s. auch 2202. 3109).^) In Wahrheit gehört urrist zu ahd. arrisan, das durchaus im aussterben ist. Wir finden es nur noch M 7, 4. 7, 7, dazu im Ker. Gl. ar- riraii Pa, urriran K Ra culmis = Gl. i, 64/65, 39. Schon in den H lautet zu iirrist das verbura irstant(()i, ganz wie im T sich entsprechen urrestt und (irstantan, z. b. 127, 3. 4. Bei 0 ist bereits völlig ausgeglichen, so daß wir nur noch nebeneinander lesen irstantnissi und irstantan. Ebenso bietet die interlinearglosse zu N urstendi, urstendida, irstandim neben irstän. Den gleichen zustand zeigen N.'s catechismus {urstendida : irstuont Dk 251,60:44, urstendi : irstuont 257,36:28) und die kleineren denkmäler.^)
In anderen denkmälern schwillt die zahl der -^- formen verhältnismäßig stärker an. Is und M ergeben trotz ihres geringen umfanges fast dieselbe gesamtfrequenz wie T, Is 19, M 19. Gemeinsam haben sie 11: älösnm redemptio, antreidin {antreitin) ordo, antuucrdin {antuarün) praesentia, armherzin misericordia (M pietas), daufin (taufi) baptismus, cuiitn sae- culum (M futurum), gotliihJdn divinitas, guotWiMn gloria, cM- lauhin {galauhtn) fides, maneghhi pluralitas (M managt turba), urchundi(n) testimonium. Dazu kommen aus Is diese 8: geilin superbia, ghirin ambitio, grimmi pervicacia, Imidin gratia, lugin mendacium, ödhin vastitas, resün requies, scuonin decus, aus M3) auch noch 8: almahtigin maiestas, az aucsmnt apparebat, elilenUn foreign country, festin Annitas, finstri tenebrae, späiin tarditas, titifin altitudo, unfesti inflrmitas, ividarmuoti illata mala. Darunter befinden sich 5 verbalabstracta: älösnin, ant- reidin, daufin, chilaubin, restin.
Größer ist die häufigkeit der l-abstracta bei Will.; ich zähle 31: anasüne anblick, hiderhe contemplatio, bittere ama- ritudo, hrode fragilitas, cge (?) schrecken, einuaJtige simplicitas, freuue laetitia, gebare habitus, uultus, gehorsame oboedientia,
1) Müllenhoff zu Muspilli 89, Dk2^35.
2) Dk 88, 20,9 urstente : 87,18,10 irstuonten; 18,12 irsien. 123,28,2 urstendi : 8 irstan. 292, 81 urstende : 30 irstuont. 308, 19. 20 urstendi : 17 erstuond. 310, 18 urstende : 10 rstuo)d. 312, 16 urstente : erstuont. 317, 32 xirstende : 31 erstuont. 294, 33 urstendidi, 35 urstende, 41 urstendi : 31 ir- .<ituont. 299, 58 ursteindida, 59. 300, 07 urstendide : 299, 56 erstuont.
^) Die besonders gearteten hurdi, luinnl habe ich im text nicht mit- gezählt.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 31
gnöte nötig'ung, grimme grimm, heitere serenitas, hohe höhe, hidde huld, märe fama, qnehlce frische, reine munditia, röte röte, scarfe austeritas, scöne pulchritudo, smeiche liebkosung, suo^e dulcedo, töife baptismus, töigcne secretum, ueste vesle, uinstre fiiisternis, nuähe zierde, nuätUche virtus, miere propug- uaciüa, mierUuinstre finsternis dieser weit, uuöste desertum.
Sehr viel mehr ^-bildungen weist 0 auf: nach den Samm- lungen Pipers (2, 673) und Keiles (2, 223. 228) ergeben sich an 100. Diese sehr hohe zahl erklärt sich dadurch, daß bei 0, wie weiter unten zu zeigen wird, die concurrierenden -unga- und -»ma-bildungen selten sind. Sicher verbal sind unter seinen ^-abstracten färi zu fären, resti zu resten, rustl zu rüsten, uueri zu uuerren.^)
In H sind inendi, tmiffi und antreiti beispiele verbaler ableitung. Nominal sind Jcadigani pudor, euuin ewigkeit, finstri teuebrae, Icahaltmi pudicitia, kamachadi consortium, heili su- perbia, Mtagi gula, kotchundi deitas, heilt salus, hluttari sin- ceritas, hoM höhe, managt multitudo, scöni nitor, sleffari lubricum, trunchali ebrietas, tunchali caligo, unhreim Ines, uuaragi crapula. Im ganzen kennen die H 21 ^-bildungen. Hier begegnen wir zum ersten mal den participialableitungen hadigani, kahaltani, die dann bei N besonders beliebt sind: anachomeni 1,450,27, irholgeni 2,28,11. 48,21. 65,4 u. ö., er- chomeni 1, 269, 2 u. ö. 2, 138, 1. 260, 12, irhabini 2, 413, 25 Gl., irrateni 1, 647, 17, irratini 2, 311, 27 Gl., irslagini 2, 376, 26 GL, irstandini 2, 4:1, 23 G\. 95, 9 Gl., iruareni 1, QU, 13, cruuorteni 1, 491, 15, ferlorni 1, 205, 22. 2, 631, 10 u. ö., fertrageni 2, 393, 18, feruarenni 2, 142, 14, ferulohtini 2, 80, 11, fenmoreni 1, 284, 25, fermmnde7ii 2,S0,10, foragezogeni 1,16,12, kedrungini2,33^,13 Gl., kelegeni 2,377 ,28 u. ö., getmi;s^eni 2,2Q8,2S, hinageliteni 2,2Q0,lh, inhlaheni 1, 805, 20, missenomeni 1, 129, 26, truncheni 1, 758, 11, umMuungenil, 311, IQ, umhetrogeni 1, 317, L Außerdem zähle ich allein im 1. bände der Piperschen ausgäbe 205 «-bildungen, unter denen auch eine anzahl mit präfixen componierter verbal- abstracta sich findet. 2)
') Das Verhältnis von hrust zu ags. hreotan ist nicht ganz khir. 2) analegl 2, 122, 28, fermuendi 2, 228, 15 Gl., gerouhi 1, 852, 8 u. ü., </r(Sfrm7(/l,306,4:, /.rsjj/wV/ 2, 2G0, 19 GL, »/Y?n/,^^?" 1,838,13. 2,204,7, urJoal
32 GÜTMACHER
Paiticipiale «-bildungen wie, die oben genannten kennt schon das Ker. Gl.: antrujani- reuelatio Gl. 1,50/1,39, gadnun- ganr angore 1, 6/7, 13, upartrunchani' ebrietas 80/1, 5 (vgl. got. drugkanei). Aus den baj'r. Gl. habe ich folgende sichere bei- spiele ausgezogen: inüazani eifrenatio, irpolgani commotio, irpotani exhibitio, irgozsmi proluvies, fluvies, irhapani (ii/fir- hapini) adsumptio, irqmani Stupor, pinomani condemnatio, gidrati tornatura, gihellani responsio, givolhani strues, un- gizogani Beliai, upanvegani perpensio, uinmazini anathema, uuriprungani emanatio, uuortani exhibitio, zuopiquemani per- ventio, ßrtmesiti effusio. Aus den kleineren denkmälern ver- zeichne ich noch: hitrogini Bamb. gl. u. b. = Dk 302, 135, ferslafeni Wess. gl. u. b. = Dk 297, 127, Bamb. gl. u. b. = Dk 303, 156, uharazsini, tihirtnmchini Wess. gl. u. b. 2 = Dk 311,37.
Daß dieser wortbildungstypus, wie im fränkischen über- haupt, so auch im T ganz fehlt, habe ich schon oben con- statiert. Wir werden sehen, daß er im T durch meist com- ponierte substantiva auf -nessi vertreten wird.
ß) Suffix -ida.
Neben dem allgemeinahd. harti gebraucht T in gleicher bedeutung auch das anderwärts so nicht vorkommende hertida: duritiam cordis (vestri) 100, 4 herü iuiiares herzen, 241, 2 thia hertida thes herzen. Neben suorgfulU ungilonhfidli steht, frei- lich in anderer function, fullida consummatio. Eine bildung wie suorgfuUida würde dem sprachgebrauche T.'s wider- sprechen, i) Denn die zusammengesetzten adjectiva fordern da im allgemeinen 4, bis auf die kleine gruppe der mit -tin com- ponierten: unciisgidn, unstillida.
T hat 16 abstracta auf -ida: heldida, "^hismarida, "^hlidida, cuuida, *ßdlida, ^gilumphida, girida, '^hertida, ^cümida, märida, miltida, spähida, '^strcngida, tiurida, uncüsgida, unstillida. 7 von ihnen, die anderwärts nicht belegt sind, habe ich mit einem vorgesetzten stern bezeichnet. Ich lasse nun,
2, 168, 14, urstendi 2, 6G, 4 Gl. 203, 23 Gl. 467, 10 Gl. (^itrstoide 2, 92, 13 Gl. 93,21 Gl. 358,11 Gl. ix. ö.), suofnogi 1,425,21.
^) Antlers im g'otiscbeii, wo z. b. armahairtei ixnd orinahaiii/pu iiebeu- einaiider zulässig sind, und sonst im abd.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 33
älmlicli wie im vorig-en abschnitt, ein vollständiges Verzeichnis mit den nötigen einzelnachweisen folgen.
1. beldida (Gr. 3, 111) fiducia 81,2 und 0 IV 20, 20, paldida- redar- gutioues Bib 1 = Gl. 1, 516, 8.
Sonst heißt es im althochdeutschen gewöhnlich baldi, beldi (= got. halpei, ags. hijldo). Auch 0 hat — neben zweimaligem beldida — IV 21, 14 heldi, 13, 30 baldi; IV 20,20 haben VP beldida, der bayr. Cod. Fris. aber beldi.
2. *bisniarida (Gr. 6, 834) blasphemia 134, 7. Neben bismarunga (s. unten s. 53).
Sonst ahd. bismer, auch bei 0 IV 22, 26. 30,4, im Ker.Gl. = Gl. 1,222,29, Can. 2 == 2, 88, 10, Can. 4 = 2, 147, 22, Rb = 2, 306, 25, vereinzelt pismar Gl. 2, 23, 58; anfr. 6/smc/- opprobrium Ps 56, 4. 68,8.10.11, alts.bismerspräka Hei. 3530. 5119 (beide male hat Cott. bismar-) = ags. bismersprcbc.
Vom verbura bismerön 0 IV 23, 6. 25, 2, M 13, 10. 29, 14. 30, 5, B c. 36. 58, Ib-Rd = Gl. 1,281,26. Im Ker.Gl. schwankt die ableitungssilbe: pis- merem Pa K Ra = Gl. 1, 186, 10, pismeret Pa K, pismerot Ra 176, 15, pis- merit K, pismerot Ra 251, 16.
3. *blidida (Gr. 3, 250) exultatio 2, 6. Mit anderen suffixen Is 29, 8 bliidhnissa, alts. bUÖsea Hei. 2011. 3335 (Mon. blitzea, Cott. blisza), ags. bliös, got. hleipei.
4. eiiuida (Gr. 1, 510) zi euuidii in aeternum 13 mal, in emiidu dass. 82, 10, zi euuidoii 0 1 12, 11, in euuidhu V^eißenb. catech. = Dk 206, 3. Vgl. anfr. euuithon • aeternum van Helten 66, 207. Also ist euuida nur fränkisch.
in aeuuin, emiin Is 4, 14. 15. 36, 21. 37, 1, M 6, 12, H 26, 11, 4. Sonst genügt das einfache euua.
5. *fnnida (Gr. 3, 484) in fidlidu uuerolti in consummatione saeculi 77,4, supplementum 56,7 (Mo 2,21 von Lind. Rush. mit fylnisse wieder- gegeben). Nur T (Graffs citat aus N beruht auf einem versehen). Vgl. aruullido ■ conpletione Gl. 2, 167, 20. Sonst folli plenitudo, satietas, ags. fyllo.
6. *giliimpliida (Gr. 2, 216) opportunitas 154, 2. Daneben nur noch gilimphido • consequentia Gl. 2, 601, 37.
Der vocalwechsel wiederholt sich in gilumphlih opportunus T 79,4 (sonst nur bei 0 und Can. 4 = Gl. 2, 145, 27. 146, 65): kalimflih Gl. 1, 10, 11. 32, 18. 274, 16. 4, 5, 32. 221, 23 u.a. (= ags. gelimplic). Die bildung von gilumphida ist nicht ganz klar. Ags. dbijlgd ist zweideutig, da es sowohl auf äbelgan wie auf das causativum äbylgan bezogen werden, also den vocal von ahd. äbulgi oder den von irbahjida (Gr. 3, 106) haben kann. Vielleicht verhält sich gihimphida zu gilimflili wie cümida zu cmüg (Gr. 4, 397), sCüida zu säKg (Gr. 6, 179 ff.), setzt also ein älteres, einfacher gestaltetes adjectivum voraus. Vgl. N.'s ungelimfe ist non contingit, gelimfe congruentiä, dazu das adv. galimpho • bene Gl. 2, 273, 28 (Gr. 2, 216).
7. girida (Gr. 4, 227) avaritia 84, 9. 105, 1. Ebenso in den meisten ahd. quellen. — Daneben 0 II 5, 8, Is 35, 1 und sonst gin.
8. *liertida (Gr. 4, 1024) duritia 241, 2. Dagegen 100,4 liertt in gleicher bedeutung.
Beiträge zur geschichte der deutschen spräche. XXXIX. 3
34 GUTMACHER
Sonst herrscht ahd. Mrü, liertt. liertida in N.'s Boethius 1,288,11 hat eine andere bedeutung (exercitium).
9. *cümida (Gr. 4,397) infirmitas, aegrotatio 50,2. 135,2, cümig uuard, — uuas infirmabatur 135, 1. 3, — ist infirmatur ib. 2. Das sonst nicht be- legte cümida weist auf eine einfachere adjectivform, deren adverb in cümo erhalten ist. Das mnd. kennt auch das adjectiv cüme (Mnd. wb. 2, 593). Vgl. alts. hümian, mndl. cumen.
10. märida (Gr. 2,826) fama 79, 11, got. meripa, alts. wor(?;)5fl, ags. mctrÖ. Ebenso in einem teile der übrigen ahd. quellen, die jedoch daneben auch märt aufweisen (Gr. 2, 825).
11. miltida (Gr. 2, 727) misericordia 12 mal, dino mütida Bayr. b. und S. Emmer. gebet Dk 247, 10. 248, 9. 249, 20, nah diner gnadon miltida Bamb. gl. u. b. 301, 97.
Daneben miltnissa in der gleichen bedeutung Is 37, 19. 42, 4, vielleicht mildeclwit im Arnsteiner Marienieich Dk 145, 119. 149, 274, von der Maria, die in dem gedieht oft milde genannt wird, v. 142. 162. 292. Got. mildipa Phil. 2, 1 und ahd. milti haben andere bedeutungen.
Für misericordia, miseratio, compassio, condescensio (Warfelmaun 10. 32/33. 62) treten im ahd. sonst folgende dem T fehlende worte ein: arm- herziin) M 4, 15. 41, 8, N 2, 77, 16. 428,9 (ßhiero armeherzinön 71, 16), armi- herzida B c. 4. 7, erbarmeherzi N 2, 589, 16, gabarmida, erbarmida, erbar- mvmga,^) außerdem ginäda, das in den anfr. Psalmen regelmäßig (9 mal), in N.'s psalmenübersetzung häufig als ersatz der lateinischen worte miseratio, misericordia erscheint. Das wort kommt auch im Ker. Gl.,^) in den H und in M, bei 0 (48 mal) und Will. (19 mal) vor.*)
Im T liest man nur an einer einzigen stelle (32,8) die abgeleitete adjectivform ginädig (= benignus), das grundwort, das im ahd. sonst so unendlich häufig ist, fehlt (Gr. 2, 1025), wie im ags. der ganze stamm. Auch im Hei. begegnet ginätha überhaupt nicht, einmal v. 63 nCitha, öfter das eigenschaftswort ginuthig.^) Für gratia hat T, dem ginäda offenbar
•) Graff verzeichnet noch irbarmeherzida aus NPs. 129, 7; an der an- gegebenen stelle s. 561, 28 steht aber irbarmeda.
*) Zu Warfelmanns nachweisen füge ich hinzu erbarmida Himmel und hölle Dk 72, 161, irbarmida, -eda N 2, 75, 13. 77, 4. 79, 8. 83, 8. 194, 15, 561,28, aus der Interlinearglosse 45,12. 57,12. 213,17. 371,16, irbarmidi Wess. gl. u. b. 1 = Dk 295, 72, unirbarmidi ib. 297, 150.
») 219, 39 kinatha • opem K (Ra), 232, 8 kinada ■ propitiatus Ra (R), 261, 13 kinatha • misertus K, 66, 40 canadic kanathaft • clemens Pa K Ra R^ 138, 13 kanathaft • clemens Pa, 182, 20. 21. 28 uncanculie, unannaherz, iin- müti- inclemens, inmisericors, inmitis PaKRaR.
*) Außerdem ginäda Dk 9, 28. 34, 8. 39, 17. 81 IV 8, 9. 159, 16 u. ö. 161,38. 169,15,2. 295,62. 314,85u.ö. 320,27, ginadig, ginathihBS,BS.Si,b, gnadic 295, 76, ginadigi 305, 213, ginadighrit 271, 35.
6) ginatha Wadstein 14, 24. 17,22. 65,21 etc., &inQ&. nathe, nethe, ge- naihe. Aisl. näö hat abweichende bedeutung.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 35
nicht zu geböte steht, 3,4 /ti/W//) sonst geha 3,2 (Lei, 28). 12,1.9 (Lc 2, 40. 52). 13, 7. 9 (Joh 1, 14. 16. 17) ; an allen stellen entspricht in den ws. Ev. gi/fu (nhbr. gefa, gefea, miuldur).^) Ahd. geha gratia verzeichnet Gr. 4, 122 noch aus Is 31, 19. 40, 14, N 2, 437, 6, R = Gl. 1, 161, 20 gratia • anst l keba. Auch dies ü)ist verschmäht der Sprachgebrauch des T, obwohl auch das alts. afr. ags. das wort kennen.
12. spähida (Gr. 6, 323) sapientia 8 mal, Is 2, 13. 22, Wessobr. g. = Dk 2,13, im Ker. Gl. 11 mal.
Daneben ^)ähi B c. 64, Casseler gl. = 3, 13, 7. 11.
13. *streugidji (Gr. 6, 757) fortitudo, ags. strengö.
Mc 12, 33 ex tota fortitmline : T 128, 4 fon allero strengidu, ws. Ev. of ealre strengde.
strängt, strengt = firmitas, fortitudo, robur Ker. Gl. 1, 207, 39. 223, 13 u. ö., Ic = 4, 18, 13.
14. tiurida (Gr. 5, 454) gloria 24 mal. In dieser bedeutung dem alt- hochdeutschen geläufig.
0 hat dafür (liuri (Gr. 5, 452).
15. nncüsgida (Gr. 4, 530) impudicitia 84, 9. So noch B c. 49 u. a. Im Ker. Gl. 1, 204, 19 u. ö. und in anderen glossen, z. b. 2, 321, 35, nn-
cüsM (Gr. 4, 529 f.).
16. unstillida (Gr. 6, 671) improbitas 40, 3. Der ahd. brauch erkennt unst/Ilkla und unstilU nebeneinander an. uiig astülitha • inquietas K = Gl. 1,181,19; in stillidu naht- iutempesta noctis R = Gl. 1, 189, 21. Sonst herrscht stüU.
Diese 16 bildungen lassen sich überwiegend von adjectiven ableiten: beldida : bald, hlidida : hlidi (neben hliden), girida : giri (neben gerön), hertida : hart, ciimida : adv. cümo, mä- rida : märi, miltida : milti, spähida : spähi, strengida : strengt, tiurida : tiuri, uncüsgida : imcüsgi, unstillida : unstilli. Auf Verben sind zu beziehen hismarida : hismarön (d. i. hismarön von hisnier), vielleicht gilumphida : gilimphan] auch fullida hat sich wenigstens in der bedeutung an das verbum fidlen angelehnt.
Ebenso kann man O.'s -«Za-bildungen sämtlich auf nominal- stämme zurückführen, Avenn auch hier und da, wie bei hönida und lütida, ihre Verwendung nachträgliche anlehniing an die zugehörigen denominativen verba durchscheinen läßt: beldida (neben baldt, beldi), emiida, freuuida, ganzida, heilida (neben heili)^ hermida, hönida, hursgida, lihtida, lütida (neben lüti),
1) gratia • anst, Midi Ker. Gl. 1, 136, 16. 200, 8, gratia • hiddi 160, 22. *) Vgl. Lc 1,28 haue gratia plena : T 3, 2 heil uuis thu gehono folhi! Ags. hal iccES pu mid gyfe gefylled!
3*
36 GUTMACHER
gimeinida, reinida (neben reini), sälida, sarphida, uuassida. Wilmanns 2, 340.
Is kennt verbal- und adjectivabstracta in gleicher anzahl (5 : 5). a) Verbalabstr.: dnigidha simulacrum, salhidha unctio, sentida missio, chiuualdida potestas, uueraltclmmaldida potestas saeculi, b) adjectivabstr.: freunida laetitia, heilidlia salus, cJiimei- nidh communio, salidha beatitudo, spahida sapientia. Compo- niert ist nur chiuualdida {uueraltchhmaldida).
Die zahl der componierten bildungen steigert sich schon etwas in den Monseer fragmenten. Da finden wir a) 5 verbal- abstr. gungida cunctatio, sentida missio, trugida hypocrisis, tuomida iudicium, ganuaUida potestas, b) 1 adjectivabstr. un- hreinida spurcitia.
Die H haben a) 5 verbalabstr., alle componiert, anüazzida indulgentia, antreitida (neben aw^re«7i) ordo {YgX.goi.garaideins), arlosida absolutio, ufhengida suspendium, l-anualtida potestas, b) 4 nominalabstr. Jcamachida contubernium, •) tiurida gloria, urgauuida fastidium, urtruhtida sobrietas.
Schon in der Benedictinerregel sind die componierten bildungen recht häufig: hesezzida institutio prol., Jcasezida dis- positio c. 18, an{t)frahida interrogatio prol. c. 7, ursuahhida exa- men 1, Jcesuahhida discussio 2, kehaUida custodia 6 (vgl. prol.), Jcirechida expositio 9, pihuctida sollicitudo 21, Jcirihtida cor- rectio 28, uharfluatida superfluitas 36, antfanhida susceptio 53, iiharfleozzida superfluum 55,
N hat sie massenhaft-):
anagehefteda, anüäzida, ingelteda, intrerteda, hechenneda, bechereda, becJinuda, bedeccJieda, behefteda, boieimeda, 2?es]cerida, bescrencheda, pesüe- cheda, petrucdieda, bezeichenida, erliuterda, errecheda, irbarmeda, irdencheda, irhugeda, irloseda, irrecheda, irsceineda, irsperreda, iruuelleda, urloseäa, UTteüda, ferbrenneda, ferchusteda , fersmnheda, rertrosteda, firdruccheda, fore- bechenneda, foregegarmieda, foregeuuizeda, foreuuizeda, fmxlirniclieda, fure- sezeda, gugenstelleda, gebarda, gebriefeda, gebureda, gebiiiuiteda, gehefteda, gemiscida, geuugeda, kehugidu, gelubeda, gemageda, gerecclwda, gererteda, Jcerichteda, geskeffeda, gesezzeda, kesmeclieda, kesteUeda, gestungeda, ketriio- heda, uberstepheda, uberteilida, tiberuuänida , zegengeda.
') Abgeleitet von ^/mrt7i/(0 oben s. 24, Graff2, 638. leb verzeicbue die belege: kimachidu- coutuberuium la ^ Gl. 1,560,30, kimahhida- consortia Ib- Rd 1,275, 27, catervatim Ker. Gl. 1,30,38. 70/71,12. 225,17. 247,28. 248,30.
^) Die belege stammen aus bd. 1 und 2 der Piperseben ausgäbe.
DER AVOUTSCHATZ DES T ATI AN. 37
Eine größere anzahl weist auch schon Rb auf:
iiutttarscauH/da spectaculum 1,293,7; umbipigiirtida perizomata 1,316,5; paniusnla experimento 1,317,5-4; uharslehtida superficiem 1,335,34.37. 542,26; kahuctida mouimeutum 1,335,41; cauoagida coiipago 1,336,35. 510,54. 584,32; antfengida receptacula 1,336,40; inzuntidn incendio 1,380,28; kinmrida motu 1,427,13; zi lifaldidu. ad flexuram 1,474,9 (vgl. ib. 10); kiplaidu conflatorio 1,542,43 (vgl. 636,17); in ktsecida in conposicionem 1,586,35; framrechidä translatio 1,619,12; iintarsceittda discriminalia 1,619,23; farscuridu repudii 1,621,33; antuuigida propugnacula 1, 621, 37; gisterchida coruu 1,638,16; fardtdiida pressuram 2,305,8; kicarauuida exhibitio 2,305,13; kimisdda confusio 2,305,11; zi kauneridu ad cautille 2,305,14; itrsuahhida examen 2, 306, 49 ; duruh kicarauuida per exhibi- cionem 2, 313, 37.
Die bayr. Gl. verwenden diesen bildungstypus ausgiebig; ich zähle ungefähr 60 belege:
antUepida osteutaciilum, infengida assumeutum, inzundida incendium, arteiUda decretum, irpalgida offensio, iruuelida optio, urrechida editio, explanatio, ursuocliida negotium, urteilida definitio, pigirida intentio, pigoumida prouisio, speculum, pihelida uelamen, pimeinida decretum, pro- secutio, piratida conspirationes, piruorida adtactus, tactus, pischirmida tuitio, pisorgida prouisio, pisparrida couclauia, pispurnida occasio, offensio, histurcida euersio, piteilida priuatio, pitrahtida circumspectio, pivengida saeptum, piuuerida uelatio, piimolida coutagium, fersumida dissiniulatio, gaparida habitus, g/prievida indictio, gipugida flexus, gi- piiridu casus, gickiindida indicium, Signum, gifluzzida fluentum, luxus, givrumida exitus, gifiiogida compages, gilegida situs, gilengida affinitas, cognatio, gilimphida conseqiientia, gimarrida praeiudicium, gimiskida admissura, cbaos, concubitus, gitiemida vocabulum, giimogida fluxiis, girihtida ordinatio, giscentida confusio, gisezida conditio, gisiezida (gisi- zida) territorium, gistnngida Stimulus etc., gitrugida Actum, giupida colonia, kiursezzida dispositio, giimarida asstipulatio, giwerida cautela, industria etc., giuuizida iutellectus, gizamida satisfactio, leitsamida abomi- natio, manot'uengida kalendae, missitruuida dissidentia, uparfengida super- sticio, ungazumftida seditio, iiuidarstentida repugnatio, uuidaruuartida controversia, sistorida excidium, euersio, zurgangida defectum. Unsicher ist gimelide pictura Salom. gl. 4, 86, 44, da es vielleicht auch für gimelidi stehen könnte.
Weniger zahlreich sind solche composita in der Murbacher gruppe:
la hat f(»rts<«nüVZrt constantia Gl. 1,560, 16, jf/t/war/f?« industria 337, 34, ghifiiagithu copulae, coniuuctioni 315,49, kimahhidom connubiis 2, 350, 48, in kisezzidu institutione 4, 221, 3.
Ib-ßd kennen kilengidu adfinitate 1,272,31, ubarligida adulterium
38 GUTMACHER
272,34, m ^vV^^/^Z« condicio 274,35, urteiUdu äecreto 211,4:1. 291,8, h'hrua- rida tactus 293, 46.
Ic weist auf Jcirechida ultio 4, 24, 26, erlarmida conpassio 5, 26, ferscurgida praeceps 12, 43, eiiosida remedium 18, 39.
Die kleineren denkmäler liefern ebenfalls eine große an- zahl componierter bildungen, die sich jedoch ungleich auf die einzelnen verteilen.
Die meisten weist der Bamberger glaube und die beichte auf;, die deshalb an erster stelle genannt seien ') : henemmide Dk 299, 36 ; urstendide ib. 59; wto'W^ 300, 83. 305,123; erlarmida ^Ql,lQß; givolgidon, givru- midon ib. 115; virsmahide 302,119; uharwanide ib. 120; in uhergivazzide, in uhergiharide ib. 123; ubercieride ib. 134; virmaride, virruogide, virlei- tide, hisivichide ib. 145/46; uhei'teilide 304,175; miiotvirdeinchede ib. 177; ungivagide ib. 186; virchronide ib. 192; gihoride ib. 196; giuuizide ib. 202. 306, 241; huorgibaridon 304,204; icerUvirmanida BOb, 216; biclie- ridu ib. 218; gisjmichide, gisvigide ib. 222; gesezzide ib. 228. Sonst finden sich erharmida Himmel und hölle 72, 161 ; gescheffede Arnst. Marien- ieich 150,316; gezierde Mar. lob 156, 3 ' ; gewizzede\\i.V^; iruangida Csi-^itvX. 230,15; &?S2Jmc;«(7?t Mainz, b. 242,5; &/sj9rac7wdc( Pfälzer b. 243, 4; hispra- chidu Eeich. b. 244,4; in inuuelUda 'Qdl&r.h. 2il, 12; zigengida Freiigt 280, B 4, 5; geuoheda Wessobr. gl. u. b. 1 = 297, 139; die benennede Wess. gl. u. b. 2 = 310, 15.
Im Ker. Gl. liegen vor: 1. Pa K Ra R haliangida consensio 1, 62/63, 6, inzuntida incentiva 184. 185, 4. — 2. Pa K Ra carehtida storia 56,57, 3, kasamanida coetus 66/67, 12 (vgl. 70/71,24), c«wf(/(/i/rfrt catervatim 70/71, 26 (vgl. 30, 38. 225,17. 247,28. 248,30), crt^'OHi/f/a decretum 106/07,37, uncaparida fastidium 158,59,7, cauua- rida testimonia 182/83, 35, xyihnipida Pa wohl verschrieben ans pikimbida K Ra funesta 146/47, 22. — 3. Pa K R pihaltida custodia 122,23, 5. — 4. Pa K galirorida commotio 60/61,9, carelituuanida argumentatio 88/89, 37, casacida statutum 108/09, 1 (vgl. 116/17, 13. 156, 18. 182/83, 8), cilihhida similia 132. 133,27, pihaftida retinacula 166/67,32. — 5. K Ra antheizzitha libamina 201,17, ^vY^rnvY/ia frondosa 216, 4, kimezzitha moderatio 211, 13, pifaritha sedicio 246, 17. — 6. Nur Pa pilohtida exemplaria 132, 26, antfnngida cote ist victima 170, 30, camuntrida industria 178, 2. — 7. Nur K pisuuihhitha seducciones 202, 11, firhabitha abstinentia 223, 30, kiscinnitha defensaculum 261, 18 (vgl. 260, 31), ziteilitha divisio 259, 9, zilositha solucio 263, 32. — 8. Nur Ra farmerrida irritum llb,dS, k/fJosida ■pYesügia.226,U, urstendida restitutio 241,20. — 9. Nur R /crtrcc/t«7« translatio 61, 14 (vgl. 253, 29), kahantreihida conspiratio 63,4, kumahhida conibentia 63,5, caplaida
1) Ich weise schon hier darauf hin, daß diesem reichtum von -ida (27 comp, verbalabstr.) kein einziges beispiel für -nessi gegenübersteht.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 39
uuintes flamina venti 142/43, 33, capurida euentus 149, 23, cafokida pactio 225,16.0
Für das altsächsisclie lassen sich verbale -ida-hi\d\mgeii nur aus den kleineren denkmälern aufweisen: bigengitha Wadst. 91, 5. 96, 12, giuogitha 74, 27. 28, gihoritha 17, 1, gisetitha 50, 1. 97, 30, wohl auch gimeritha 52, 22. Im Hei. fehlen sie ganz, er kennt nur die denominativen bildungen diuriöa, hönöa (= ho- nitha Wadst. 78, 29. 30. 99, 5), märida, sälöa (neben sälig), spä- hida\ aus den kleineren denkmälern läßt sich ihre zahl ver- mehren: fulitha 9b,30, giritha 73,1, herithahi,!, cnsJcitha 100,4:, wihetha 16, 4 17, 7, Componiert sind gibaritha gebärde 98, 8, gif'agiritha 93, 29. 30 (vom adj. fagar) und das anders zu h^- uvitW^Yi^Q genuftsarnida'^) 12,8 {yovcl di^]. ginuhtsam), außerdem selffuhtitha 97, 5.
Wie im T, 0 und Hei. ist auch im ags. das suffix -ö{o) zur Schaffung von verbalabstracten ganz unbeliebt gewesen. Außer cebylgd wird sich kaum ein beispiel anführen lassen. 3) Is und M schlagen die brücke zu dem ganz anders gerichteten oberdeutschen brauche, der formen wie antldzida, bechereda, fersmäheda, gereccheda, urstantida u. s. w. massenhaft zu- gelassen hat.
Vergleicht man die im T vorkommenden -i- und -ida- bildungen nach ihrer frequenz miteinander, so ergibt sich für 4 ein Überschuß von 10 (26 : 16). Dieser Überschuß zu gunsten von 4 wächst procentual an für Is. (19 : 10), M (19 : 6) und H (21:9), obwohl in den genannten quellen die bedingungen für -ida an sich günstiger liegen wegen der stärkeren Vertretung der verbalen abstracta, die für T kaum in betracht kommen. Ungeheuer ist das anschwellen bei 0 (ca. 100 : 15), 4) und gar aus Willirams paraphrase ist 4da fast völlig verschwunden: neben 29 abstractbildungen auf -e (= i) '") stehen nur 2 formen auf 4da: gebär eda, gescaffeda.
Vergleicht man meine einzelnachweise zu heldida, euuida,
*) Dazu kommt noch farhaltida incestum 2,316,13 aus Ib-Re, einer epitome des Ker. Gl. 's.
*) Vgl. ungihorsamida Würzb. b. = Dk 246, 28.
ä) Otto Thiele s. 13.
") S. Kelle 2, 220.
*) S. den vorigen abschnitt s. 30.
40 GUTMACHER
hertiäa, miltida, strengida, unstilUda, so ergibt sich für T im gegensatz zu den anderen denkmälern eine immerhin merk- bare, wenn auch nicht sehr entschiedene bevorzugung des volleren Suffixes, die zuweilen freilich auch in andere quellen des fränkischen dialektes hinüberreicht. Daraus erklärt sich auch, daß unter den -/r/a-formen die sonst im ahd. nicht nach- weisbaren verhältnismäßig viel stärker vertreten sind als bei den -i-bildungen, hier 6 unter 26, dort 7 unter einer gesamt- zahl von nur 16.
In den St. Petrier bibel- und mischglossen (Wadst. s. 73 ff.) geht hoch- und niederdeutsches ununterschieden durcheinander: giritha 73,11, honitha 78,29, drugida 80,30 (hd), bispracJnda
81.4. 85,15 (hd), biuuülida 79,15 (hd), elüenüda 79,19 (hd), erhorgida 79,25 (hd), girunnida 85, 35 (hd), gidruahida 78,21 (hd), gehengida 79, 29 (hd), giuogithan 74, 27, irgrahida 75, 28 (hd), zihrochidon 84,27 (hd), zusammen 13 -ida gegen 7 -i: glauui 84,29, Icrumbi 82,26, hisgi 86,9, sconi 85,15, thikJci 75,33, getilosi 85,3, iä)arazzi 86, l (hd).
Auch echt niederdeutsche prosaquellen ') zeigen Verteilungs- verhältnisse, die an T erinnern, aber noch über ihn hinaus- gehen. So die Werdener Prudentiusglossen Wadst. s. 89 ff., die den 10 formen auf -iilia — fiditha 95, 30, honitha 99, 5, cus- hitha 100, 4, higengitha 91, 5. 96, 12, gibaritha 98, 8, gifagiritha 93, 29. 30, gisetitha 97, 30, seJffuJititha 97, 5, scasgiritha 93, 1, ungifogitha 89,3 — nur 11 worte mit 4 gegenüberstellen: Hindi 98,22, diupi 103,3, eldi 96,17, heri 102,20, holi 90,4, lemi 100,16, scerpi 96,10. 99,30, rmmi 90,16, stegili 91,7.8, stehdi 95,24, uuessi 96,11. 98,18. Die Essener Evangeliar- glossen W^adst. s. 48 ff. haben 3 -itha: heritha 55, 1, gimcritha 52,22, gisetitha 50,1 gegenüber 5 t-bildungen: guodi 49,14, gremi 56,17. 59,28, Vmbi 50,21, ce geimmardi 53,6, selfuuagi
59.5. Im Beichtspiegel Wadst. s. 16/17 stehen sich imihetha 16,4. 17,7, gihoritha 17,1 und huldi 17,26, tragt 16,13 gegenüber.
*) Der Hei. hat 23 -f-bildungen: hlmdi,hlödt, äöpi, eldt, ßnstri, fninu, gödi, Mit, höht, hröri, hiddi, kindüci, menigi, mennisci, icanavu, fehugiri, gotkundi, hardbur/, meyhistrengi, metilosi, sinsköni, unhiddi, wUtiscöm gegenüber uur 5 abstracteu auf -iöa: diurida, hönda, märida, sälÖa, spähiÖa,
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 41
Eine starke Vorliebe für das consonantische suffix offen- bart sich auch im mittelniederdeutschen, und manche mnd. form, die im hochd. längst ausgestorben ist oder nie existiert hat, lebt selbst noch heute im plattdeutschen fort, wie dichede {dickte), diipede (düpte), grotede, hogede (kochte), luilde {Imlde), leny{e)de, negede (ncchtc), sulcede (snkte), wermede. Auch das niederländische und das englische zeigen ähnliche neigungen, wie man z. b. in den modernen Übersetzungen an dem verse Eph. 3, 18 beobachten kann: ndl. de hreedte, lengte, diepte, hoogte (Leydener Staatenbijbel 1637), engl, the hreadth, length, depth, height (got. hraidei, langei, hauhei, diupei). ')
Schon der Beowulf bietet frequenz Verhältnisse, die dies ergebnis vorbereiten, 18 4 : 14 -ipa: andrysno, hisgu, fyllo, liwlo, yldo, menigo, retu, snyttru, Mlde-moegen-merestrengo, sundornytt, Öystru, unlicelo, unsnyttro, wmlfyllo, ivistfyllo, wlenco, — ancyd{ö), cendti, ellenmcerdu, feorcyddu, f'dehdo, geliÖo, gesynto, hyndii, yrmdo, mcEgö, mckrÖa (got. merijja), myrdo, wcelfcehd, tverhöo (got. wargijta). In den von Cosijn 2, 26. 32 f. exzerpierten altwestsächsischen denkmälern liegen die dinge ähnlich (32 : 25).
Das mittelenglische weist gegenüber dem altenglischen zwar einen rückgang der ererbten -«J-bildungeu auf (nach Martin sind von 63 formen nur 21 erhalten); dafür findet sich aber eine verhältnismäßig große anzahl von neuschöpfungen, deren mehrzahl den denkmälern des südlichen und südwest- lichen Englands angehört. Auch das neuenglische zeigt, wie wir schon gesehen haben, noch manche dem hochdeutschen fremde reste (Koch 3, § 115): außer hreadth, dearth, depth, fdth, liealth, height, length, truth, warmth, ivealili, ividth etc. auch strength, das dem sonst im hochdeutschen unbelegten strengida T's genau entspricht. So trennt sich im ganzen wie im einzelnen T selbst von dem Franken 0 und findet seine stelle eher in der nachbarschaft niederdeutscher und englischer zeugen.
^) Wenn die Lübecker bibel vom jabre 1494 de loyde, lenxjhe, Jioghe, dupe hat, so wird das literarisch und mehr hoch- als niederdeutsch empfunden sein.
42 GUTMACHER
/) Suffix -nessi. Die Suffixe -i und -ida sind im T durch 26 + 16 = 42 Worte vertreten; unter ihnen zähle ich 6 + 7 = 13 (also noch nicht ein drittel), die außerhalb T's im ahd. unbelegt sind. Verbalabstracta, die als solche noch lebendig empfunden sein müssen, finden sich darunter ganz spärlich. Damit steht im Zusammenhang, daß auch die mit einer präposition com- ponierten bildungen wenig zahlreich sind: außer ginuhtsami, ungüoubfulU und dem aus anfangsbetonten bismarön abgeleiteten hismarida, die alle drei besonderer art sind, nur gisiuni, nhar- Muui, urresti, gilumphida. In allen punkten anders geartet ist das bild, das sich uns aus der betrachtung des -nessi- suffixes ergeben wird. Auf die gesamtzahl von 35 kommen nicht weniger als 19 (mehr als die hälfte), die nur für T bezeugt sind. Noch stärker macht sich das übergewicht der verbalabstracta geltend, 23 gegen 12 ableitungen aus nominal- stämmen. Und unter diesen 23 bildungen sind wieder 16 präfixcomposita (oder wenn man giruornessi und erdgiruornessi doppelt zählt, 17). >) Die lücken, die wir in den wortbildungs- functionen der beiden suffixe -I und -ida für T's praxis con- statieren mußten, werden also durch -nessi ausgefüllt, und zugleich ergibt sich, daß die häufigkeit dieses suffixes einen charakteristischen zug der spräche T's darstellen muß. Um das alles nach gebühr deutlich zu machen, lege ich auch hier das ganze material vor, indem ich die dem T eigentümlichen bildungen, zu einer besonderen gruppe vereinigt, voranstelle.
I. Bildungen, die nur im T vorkommen.
1. Von Verben abgeleitet.
A) Von starken verbau.
1. iiiriganncssi (Gr. 2,430) reuelatio, &gi. onwrigemies {ä-).
Lc 2, 32 ad reuelationem gentium : T 7, 6 zi inrigannesse thiotono, ws. Ev. to peocla aivrigenesse.
Aber antrigani Pa, inrikani K, inrigani Ra = Gl. 1, 50/51, 39 (synonym von intdacnassi ebda. 38).
2. bihaltnessi (Gr. 4, 908) observantia 140, 1, ags. nhbr. behcddenm'sse observatio, observantia, continentia (Lindelöf, Bonner beitrage zur Anglist. 9, 150).
1) Dabei babe icb gkmiznessi als ableitung von giuuizzo conscius (Graff 1, 1098) fortgelassen.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 43
observantia heißt in B lahaltida (prol.), observatio ebda, inhaltida (c. 3. 49. 60); pudicitia wird in den H 18, 3, 1 durch Icnhnltitü, in Ib-Rd = Gl. 1, 287, 46 durch IcihaUanni^sa übersetzt. 0 II 18, 18 bedeutet gihaltnissa observatio. Sonst steht gihaltnissa für salus Gl. 2, 230, 19 ff., N 2, 122, 9, Straßb. eide = Dk 231, 17. custodia heißt ]iihalti Pa K -= Gl. 1, 126/27, 15, pihalditha K, inhaltida Pa R = Gl. 1, 122/23, 5.
3. 4. bisnitncssi, nmbisuitnessi (Gr. 6, 844) circumcisio, mnl.hesnide- nesse, ags. ymhsnidenis.
Job 7, 22 f. Motjses dedit vobis circumcisionem — , si circumcisionem accipit homo : T 104, 6 Moyses gab iu bisniUiessi — , oba imibisnitnessi infaliit man, ws. Ev. Moyses eoio sealde ymbsnidenisse (der zweite satz ist vom Übersetzer versehentlich übersprungen worden).
umbesnit circumcisio N 2, 184, 4 Gl., umbesuida circumcisio 2, 302, 18 Gl.
5. ziuuorphnessi (Gr. 1, 1043) desolatio, ags. töivorpennes.
Mt 24, 15 abominationem desolationis : T 145, 11 leidazunga ziuuorph- tiesses, WS. Ev. pa onsceoimnge ßcere toivorpenysse.
zuruuerfes, zenvwfes, ziwifulis, gisciedites • repudii Gl. 1, 370, 9 ff.
B) Von schwachen verben.
6. arlösnessi (Gr. 2, 278) redemptio 7, 10 = Lc 2, 38 (dagegen Idsunga 4, 14 = Lc 1, 68), mnl. erlosenesse, angl. älesnis redemptio Vespas. Ps. 48, 9. 110, 9 u. ö., Zs. fda. 33, 62 (zu Lc 1, 68), älysnes Crist 1474.')
aloosmn Is 30, 7. 43, 8, M 14, 6. 22, 1, Gl. 1, 758, 26, tniosi 0 11 6, 54, N 2, 168, 14, ariosida absolutio H 20, 2, 4, urlosida Gl. 1, 729, 35. 2, 286, 26 (sacramentum), irlosida N 2, 104, 28 u.ö., in irlosido Gl. 2, 286, 27, irlosunga N 2, 380, 3.
7. f iirnidarnessi (Gr. 2, 991) damnatio 141, 12, abgeleitet von furni- daren, das nur im T belegt ist (oben s. 21). S. unten s. 47 nidarnessi.
Mit anderem suffix und anderer bedeutung firnidirida • contritio Gl. 1,
535. 13 ff. (Gr. 2, 993).
8. gihornessi (Gr. 4, 1008) auditus 74, 6. 143, 8, angl. gehernis Vesp. Ps. 17, 45. 50, 10. 111, 7, H 6, 1 (Grimm, Glossar s. 88), Beda 4, 24 = Bibl. der ags. prosa 4, 486, 3512, ws. hiernes.
Sonst gilt als Übersetzung von auditus Jcehöro N 2, 196, 19, gehörida
196. 14 Gl. 17 Gl. u. ö., vgl. gehörde, hönmga auditio Windberg. ps. (jedoch nicht an den N entsprechenden stellen).
9. giruornessi (Gr. 4, 1178) motus 52, 2 (Mt 8, 24). 88, 1 zweimal (Joh 5, 3. 4), ahd. (bayr.) hroarnessi • moventia Gl. 2, 52, 42, ^) nhbr. hroerms, WS. hrernis.
Mt 8, 24 motus magnus faetus est in mari : T 52, 2 mihhil giruornessi uuard tho in themo semie, Lind. Rush. Ev. hroei'nis michelo geivorden ivoes in sae (ws. styrung).
Anders Hei. 2243 f. thie seu ward an hruore, mian uuitid eiidi uuater.
1) In den ws. Ev. steht Lc 2, 38 älysednes.
*) Vgl. z. 36 munistiure und Kögel, Lit. 1, 2, 427, Schatz § 5.
44 GUTMACHER
ruora motus N 1,410,25,') ruorida- motione Gl. 2, 30, 74, gahrorida Pa, h'hrorUha K commotio Gl. 1, 60/61, 9, karuorida ■ impulsu 2, 226, 65, karuoridu- motione 2,229,48 u. a.")
10. erdg'iruoruessi (Gr. 4, 1178) terrae motus, ags. uhbr. eorphroernis. Mt 27, 54 f/so terrae motu : T 210, 1 giseheuemo erdgiruor}wssi, Lind.
Ev. geseemJe eorphroeruisse (ähnlich Eush., ws. eorÖbifioige).
11. gitruobnessi (Gr. 5, 489) tristitia 172, 2. 174, 4. 5. 6. 182, 4, ags. gedreffies. An den dem T entsprechenden evangelienstellen Joh 16, 6. 20. 21. 22 und Lc 22, 45 steht ws. und nhbr. unrotnisse, Lc 22, 45 in Cp. (ws.) sarignesse.
getruoheda turbatio, conturbatio N 2, 101, 23. 174, 22. tristitia heißt sonst morna, unfreuuida, imfröt Warfelmann 47.
12. spreituessi (Gr. 6, 395) dispersio 129, 4. Jcespreüi latitudinis N 2, 260, 19 Gl.
18. subarnessi (Gr. 6, 72) purgatio 7, 2, piarificatio 21, 3. 45, 4. Vom unbelegten verbum sübiren (vgl. %msuhiren immundare). Ags. syfernes scheint nur in der function eines adjectivabstractums belegt zu sein. An den dem T entsprechenden evangelienstellen Lc 2, 22, Joh 2, 6. 3, 25 steht WS. und nhbr. cloensiing, gedcensung.
14. tlirncnessi (Gr. 5, 254) pressura 145, 13. 15 (Lc 21, 23. 25). 176, 5 (Joh 16, 33), ags. ßrycnes. An den entsprechenden Lucasstellen steht ws. of- und forpriccedmjs; Joh 16,33 findet sich ein abweichender ausdruck.
bedrucheda pressura N 2, 211, 22 Gl., ferdrucheda oppressio 208, 11 Gl. Daneben in der interlinearglosse auch das fremdwort fressa sw. f. 211, 23. 333, 9. 346, 22. 347, 6. 354, 5. 11. 393, 3 (mit verschobenem i^, gegenüber kebressotez 347, 29, capressot Ker. Gl. = Gl. 1, 40/41, 26. 136/37, 24).
2. Von adjectiveu abgeleitet.
15. fagarnessi (Gr. 3, 421) claritas 177, 3. 179, 3, ags. fcegernes. Daneben fagcm claritas T 179, 2, Pa K Ra = Gl. 1, 264, 19. Von fagar
pulcher (s. oben s. 28).
16. g'iunizuessi (Gr. 1, 1104) testimonium, testamentum 20 mal. In den WS. Evangelien steht geivitties testimonium 47 mal (M. A. Harris 64), im Lind. Ev. gewitnis testamentum, testimonium 4 mal (Cook, Glossary 103).
Anderwärts gilt für testimonium cauuizzida B c. 21. 57. 64, Pa K Ra = Gl. 1, 40/41, 12. 138,39,19. 207,11, Dk 32, 11 (Psalm 138). 156,3.18 (Marienlob). 304, 202. 306, 241 (Bamb. gl. u. b.).
Dem althochdeutschen ist also kamiüzidu testimonium geläufig, im altsächsischen heißt es giicitsc/pi, im angelsächsischen steht neben üblichem geioittws selteneres gewitscipe. Im T hält sich beides ziemlich die wage (20:25).
17. milihilncssi (Gr. 2, 268) maiestas 5 mal, a.gs. micelnes 'bigness, magnificence '.
Sonst ahd. mihili, einmal mihhalitha • magnitudo K = Gl. 1, 211, 35.
0 Vgl. Hei. 2243.
*) piruorida Gl. 2,640,41 bedeutet tactus, gehört also nicht direct hierher.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 45
18. in tougalnesse (Gr. 5, 373) in abscondito 6 mal, alts. dogalnussi Wadst. G4, 10. 98, 11. 99, 14. 38, ags. deagohtes. Daneben kennt T auch in douffli 187, 2 (= in taucli Ker. Gl. ^ Gl. 1, 189, 25, s. oben s. 29), in taugle 104, 1.
Anderwärts (Gr. 5, 373) taugannissa Ib-Rd == Gl. 1, 271, 52, verbreiteter töugeni N 1, 486, 13. 2, 49, 19. 60, 3 u. ö., güougani Gl. 2, 436, 72, touganheit N 2, 412, 20.
19. tumpiiessi stultitia 84, 9, ags. dumhies Toller, Suppl. 160 s. v. Sonst tumhheit 0 12, 19. III 3, 12. V 25, 30 und anderwärts.
IL Bildungen, die nicht auf T beschränkt sind.
1. Von Verben abgeleitet.
A) Von starken verben.
1. forläzuessi (Gr. 2, 315) remissio (haftentlassuug) 18, 2, f. sunlono remissio peccatorum 5nial, sunteono forlaznessi Frank, taufgelöbnis Dk 199, 18.
Lc 1, 77 in remissionem peccatorum eorum : T 4, 17 in forlaznessi iro suntono, merc. in heara synna forletnisse Zs. fda. 33, 63.
Mt 26, 2S in remissionetn peccatorum : T IQO, 2 in forlaznessi suntono, Ev. Lind, in forletnisse sgnna. Häufiger ist ags. forlcetennis in anderen bedeutungen. Vgl. auch Ib = Gl. 1, 283, 38 frian forlaznissi- libertate dona- veris (ungrammatisch, anders und verständlich Rd frian farlazis).
forJäznn vom vergeben der Sünden ist zwar im T und in M ganz geläufig, kommt auch in der Lorscher beichte Dk 239, 43 vor, scheint aber keineswegs allgemein gebräuchlich gewesen zu sein.^) N wie 0 haben dafür bilazen, das auch zur Übersetzung von ignoscere dient (z. b. H 24, 12, 3. 4). Vgl. Gr. 2, 307. Der Hei. hat älätan.
'Vergebung der süuden' heißt statt ferlaznessi suntono sonst:
sunteono antlaz Exhortatio = Dk 201, 23, N 2, 425, 10 Gl., N Ga- tech. Dk 257, 36. Ben. gl. u. b. = 288, 18, Sangall. gl. u. b. 2 = 292, 35, Wessobr. gl. u. b. 1 = 294, 40. 47. 295, 70, Bamberg, gl. u. b. = 300, 66. 73. 301,97. 305,227, Ben. gl u.b. 3 = 312, 14. 314,90. 315,98.111, GL 1,729, 41. 2, 92, 24 (Wirzib.), 284, 61. 292, 9 u. a. antlazida N 2, 350, 20 Gl. Davon abgeleitet antlazont Wess. gl. u. b. 1 = Dk 295, 77, gantlazost Bamberg, gl. u. b. 301, 104.
ablaz sundeono Weißenb. catech. = Dk 205, 50, 0 III 1, 30, N 2, 95, 19. 104,9. 227,1. 326, 20 GL 394, 17 GL, N Catech. Dk 251, 59, SaugalLgl.u.b.l
1) In der fünften bitte des Vaterunsers scheint jedoch firluzan eine durchaus übliche Übersetzung für dimittere (debita) gewesen zu sein: Dk 203, 25. 204, 4. 20, N 3, 376, 23 (hier mit Wechsel des ausdrucks heläz, fir- lazu). Dagegen ohluzen Sangall. Patern. = Dk 209, 3. Die formein der Fuldaer und Mainzer beichte Dk 241, 11 sunta ni furliez tliemu ih mit rehtu scolta (anders 242, 16 forliezi) ; 243, 14 sunda ni verliez thien ih solta (anders 17 ferliezzi) knüpfen an das Vaterunser an. Ebenso B c. 13 farlaz uns soso auh miir farlazzames, Bened. gl. u. b. 3 = Dk 314, 95 verlaze mine schidde (vgl. Wess. gl. u. b. 1 = Dk 295, 77 fergibest iro sculda "^ 77 antlazont, 79 ferlazi^.
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= 289, 8. 12. 290, 20, Alem. gl. u. b. = 308,25. Niederdeutsch oflat Nd. gl. = Dk 319, 23. urlaz Sangall. Patern, u. Credo = Dk 209, 11.
N.'s ferläzeni 1, 358, 5 ist wiedergäbe des lateinischen libertas. Der- selbe ableitungstypus liegt vor in anüazmu (Gr. 2, 306) Gl. 2, 176, 48. 190, 78 f. 206,17. 211,69, zildzam (Gr. 2, 313) Ker. Gl. = Gl. 1, 102/3, 21.
2. arstantnessi (Gr. 6, 609) resurrectio 110, 4, wie 0 irstan(t)mssz 8 mal, Weißenb.cat. Dk205, 50 arstantnessi, I)kM.2,i2 arstamiesses(K.öge\, Lit. 1, 2, 563), K = Gl. 1, 241, 20 irstantannessi.
Die lautlich genau entsprechende ags. form ästand(en)nes hat eine abweichende bedeutung (existence, entity, substance, perseverauce).
Ra = Gl. 1, 241, 20 ersetzt irstantannessi K durch ursteniida. N.'s catechism. hat ürstendida und urstendi Dk25l,60. 257,36; die interlinear- glosse zu N.'s psalmen urstant 2, 241, 11, urstendi 2, 66, 4. 92, 12. 13, ürsten- dida 2, 8, 26. 42, 21 u. ö., irstandini 2, 41, 23. 95, 9.
In den kleineren denkmälern erscheint als älteste form rirstodali Sang, Patern, u. Credo = Dk 209, 12, in denkmälern des 11. und der Übergangs- zeit zum 12. jh. f. urstendi, urstende, Sangall. gl. u. b. 2 = Dk 292, 31 (über deren alter, das nach den verschiedenen herausgebern zwischen dem 10. und 12. jh. schwankt, s. Müllenhoff-Scherer, Deukm.^ 2, 438), Wessobr. gl. u. b. 1 = Dk 294, 35. 41 (11. jh.) — in demselben denkmal daneben ursterulidi 294, 33 — , Summa Theologiae Dk 123, 28"^ (11./12. jh.). iirstende (tirstente) kennen ferner Ezzos gesang Dk 88, 20, 9 (11./12. Jh.), Tobiassegen 192, 4, 130 (11. Jh.), Alem. gl. u. b. = 308, 19. 20, Wess. gl. u. b. 2 = 310, 11. 18, Bened. gl. u. b. 3 = 312, 16, Münch. gl. = 317, 32. In dem Bamberger glauben und der beichte (12. jh.) steht urstendide Dk 299,58. 59 und 300,67. Im Fried- berger Christ und antichrist (ll./12.jh.) findet sich tifferstende Dk 105 E^ 15. 16. 106 Fa 12. 13. Vereinzelt steht erstantununga in Otlohs gebet (11. jh.) ^ Dk 267,21. Nur der niederdeutsche Glaube, der sich durch seine spräche als sehr jiing verrät, hat zweimal uhstannisse Dk 319, 14. 15, stimmt also im typus mit dem fränkischen arstantnessi überein. Als verbum entspricht in den genannten denkmälern irstän, im niederd. Glauben ostän 318, 13. Daneben finden sich das alte urrist Ea K = Gl. 1, 241, 19, H 6, 5, 4 und das daraus neugebildete urresti T (oben s. 30).
Auf den größten teil der genannten bezeichnungeu für 'auferstehuug' macht schon Raumer, Einwirkung des Christentums auf die althochdeutsche spräche s. 363, 64 aufmerksam.
3. farstaiitnessi (Gr. 6, 609) intellectus 84, 4. 128, 4, in tliemo firstant- nisse 0 11, 40, ferstantennissa • sensus Gl. 2, 63, 5, ferstantannissa ■ sensus et tactus 4,317,47. Mhd. (md. und obd.) verstantnisse, verstentnisse; mit vollerer eudung ferstantnussida sensus N 1, 423, 14. 18, verstantnussida Physiol. = Dk 264, 8i, ferstantnessida • sensus Gl. 2, 81, 22.
farstantida iutelligentia B c.2. 91, furisteudida- Ingenium Gl. 2,220, 62.
B) Von schwachen verben. a) Auf -en.
4. ähtncssi (Gr. 1, 109) persecutio 3 mal. Dasselbe K = Gl. 1, 259, 2, ags. ehtnes.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 47
Mt 13, 21 iribidatione et persecutione : T 75, 2 arheüi inti nhtnessi, WS. nhbr. Ev. gedrefednesse aml ehinesse (oehtnisse). — Mc 10, 30 cum per- secutionibus : T 106, 6 mit ahtnessin, ws. Ev. mid ehtnessum, Mt 5, 10 Qui persecutionem patiuntur : T 22, 15 thie thar ahtnessi sind tholenti, ws. und nhbr. Ev. pa pe ehtmjssi poliaÖ.
Sonst i'iJda N 2, 96, 19 u. ö., ähtunga B und N (häufig).
6. aroiicnessi (Gr. 1, 126) ostensio 4, 19. Nur noch Is 36, 5 aroucnisst manifestatio.
7. gisaznessi (Gr. 6, 305) traditio 84, 2. 3. 4 (2). 5, gisaznissi • propo- situm Can. 4 = Gl. 2, 146, 18, casaznassi • stationes Em 19 = Gl. 2, 332, 76, gisaznussida • constitutum Sal 1 = Gl. 4, 48, 34, ags. gesetness traditio, insti- tutio, positio.
Mc 7, 3 traditioiiem, seniorum : T 84, 4 gisaznissi cdtero, ws. Ev. hyra yldrena gesetnessa.
kisezzitha institutio B c. 60. 65 u. ö.. Gl. 1, 246, 25. 274, 35. 310, 26. 4, 48, 35 u. a.
8. nidarnessi (Gr. 2, 991) damnatio 225, 2, abgeleitet von nidarren damnare, gleichbedeiitend dem componierten furnidarnessi und dem anders gebildeten nidarunga. Oben 8.21. 43. dera nidarnessi • damnatione steht noch in Eb = Gl. 2, 309, 6.
Dagegen nidari ■ damnationem Gl. 2, 259, 17.
ß) Auf -en.
9. nntar bihabannesse (Gr. 4, 736) sub obtentu 141, 12 (Mc 12, 40), Gl. 4, 309, 28 zu der gleichen evangelienstelle hihabannissi. Aber Gc = Gl. 2, 224, 35 pihapeti ■ (sub) obtentu.
In anderer bedeutung hihahannissida • detentio Gl. 1, 561, 30 (vgl. ags. hehcefednes detentio).
Mhd. hehahnus ist belegt in der bedeutung 'gewinnung eines rechts- streites' Mon. Habsburg. 3, 387.
Sonst wird detentio glossiert durch:
pihepida Gl. 1, 819, 18, hihahida, pihapeti, pihehidi 1, 574, 62, inliepida Bib 1. 2 = Gl. 1, 574, 63, habunga la = Gl. 1, 587, 6.i)
2. Von adjectiven abgeleitet.
10. berahtnessi (Gr. 3, 210) claritas. Nur noch Is 3, 21 berahtnissi, ags. beorhtnes.
Lc 2, 9 Ciaritas dei circumfulsit eos : T 6, 1 gotes berahtnessi bischein sie, WS. Ev. godes beorhtnes Mm ymbscean. — Joh 5, 41 Ciaritatem ah ho- minibus non accipio : T 88, 13 berahtnessi uon mannun ni intfahii, ws. und nhbr. Ev. Ne underfo ic nane beorhtnesse cet mannum.
perahti ■ splendor Pa K = Gl. 1, 203, 27 (= ags. byrhto).
11. flnstarnessi (Gr. 3, 547) tenebrae 18 mal. Ebenso 0 (5 mal), Arn- steiner Marienieich Dk 142, 23, Gl. 2, 514, 1,-) mhd. vinsternisse. In der suffix-
1) Teehebida • habitus Gl. 1, 772, 9. 14, kahapa dass. ß = 1, 67, 6.
2) Einsiedler-hs. des 11. jh.'s.
48 GÜTMACHER
bildung stimmen dazu thimsternisse Leid. hs. des Will. 46, 7, afries. tJmster- nesse Zs. fda. 32, 417, mnd. dusternisse, mnl. dnusfernesse. Daneben findet »ich häufig belegt finstn tenebrae (M 40, 2, 0 I 18, 9, Will. 46, 7, N 1, 17, 5. 2, 207, 10. 11. 3, 112, 17 u. ö., Muspilli 14, Ezzos gesang = Dk 82, 6o, Pa = Gl. 1, 84, 1, Ra K [scrupulo] == Gl. 1, 254, 24, Gl. 1, 814, 26. 2, 436, 32 = alts. finstn Heliand 890. Eigenartig ist die form dinsiri • tenebrae im Vocabu- larius S. Galli Gl. 3, 4, 42 durch ihr n. Man sollte nach dem vorbilde der Will.-hs. A dimstri erwarten (dhistri zu lesen liegt kein grund vor). Ober- deutsch ist diese form gewiß nicht (vgl. Kögel, Gesch. d. deutsch, lit. 1, 2, 441, der auch md. belege aus späterer zeit anführt), vielleicht eine verschränkung aus finstri und dimstri. ')
12. folnessi (Gr. 3, 484) plenitudo 13,9, Is 40,14, expletio B c.l6. 17. 42, supplemeutum Rf = Gl. 1, 487, 27.
Sonst auch fidU B c. 40, N 2, 74, 14. 177, 20 u. a.
13. gilihnessi (Gr. 2, 115) imago91,l. 126,3, parabola4mal. Allgemein belegt ; alts. giUknessi Bild.
14. heilagnessi (Gr. 4, 878) sanctitas, ags. hcUignes.
Lc 1, 75 in sunctitate : T 4, 16 in heüagnesse, ws. Ev. on hcdignesse. heilacnessi' numen Gl. 4, 339, 25, helicnissi- sacra 4, 351, 11. — Jieilac- nissa = sanctificatio (also von heilagen) hat Is 20, 18.
Sonst lieiligi, Iwiligheit sanctitas, sanctitudo (beide bei N und anderwärts).
15. stilnessi (Gr. 6, 671) tranquillitas 52, 6, silentium 128, 1, 0 IV 7,49, ags. stilnes.
Mt 8, 26 et facta est tranquillitas magna : T 52, 6 uuard tho gitan mihliil stilnessi (von meer und wind), Blickl. Homl. 177, 17 wiMun stilnesse heheodan (ähnlich 0 an der citierten stelle).
stilU silentium B c. 42. 48, N 2, 308, 4. 463, 16 u.a., stagnum Ra = Gl. 1, 252, 24.
Stillida • intempesta noctis R = Gl. 1, 189, 21. Vgl. unstillida T 40, 3 o. s. 35.
16. unsiibarnessi (Gr. 6, 71) immunditia 141,19, unsufarnussi- ille- cebrae Gl. 4, 204, 1 (cod. Trev.saec. XI/XII), alts. unsuvarnessi • contaminatio Ess. ev. Gl. Wadst. 61, 2, ags. tmsyfernes impurity.
Mt 23, 25 pleni immunditia : T 141, 19 fol unsubamesses, ws. Ev. fidle ceghwilcra nnsyfer)iesse.
unsuhri Gl. 1, 241, 3. 291, 3, N 2, 46, 16 u. a., unsubrida Gl. 1, 368, 24, unsubritha 2, 616, 18, unsubarJieit 1, 371, 39,- unsuvercheit 3, 407, 69.
Um die Sonderstellung- T's im kreise der alid. denkmäler zu veranschaulichen, empfiehlt sich zunächst eine den stoft" nach Wortbildungskategorien ordnende confrontierung der nur bei ihm vorkommenden -wessi-bildungen mit den von den anderen quellen bevorzugten ersatz Worten:
^) Das ahd. di)istar, auf das Trautmann, Germanische lautgesetze in ihrem sprachgeschichtlichen Verhältnis, Königsberger diss. 1906, s. 9 chrono- logische Schlüsse baut, beruht nur auf diesem einzigen zeugnis.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 49
inrigannessi : antrigam
hihaltnessl : vgl. kahaltint
arlösriessi (neben lösunga) : urlösi
sprcitnessi : kespreiü arlösnessi, hilmltneüsi, gihörnessi, giruornessi, gitmohnessi, thrucnessi : arlüfiitJa, pihaltühi, gihörida, gahrörtda, getruobeda, be-ferdrucheda.
Außerordentlich groß ist der abstand, der den Sprach- gebrauch T's, mit seiner ausgeprägten Vorliebe für das suffix -fiessi, vom oberdeutschen trennt. In Rb findet sich überhaupt nur ein einziger beleg, kalihnissa (y\. 1, i2Q, 4:8. 469,15, Die B hat 3: ärinissa c. 9, Jcernissa c. 18. 20, Mhimoruannissa c. 63.
Auch in N.'s werken tritt -nesst neben den massenhaft belegten abstractis auf -t und -ida völlig in den hintergrund. Im ersten bände habe ich überhaupt nur gdihnisse 367, 12 u. ö. gefunden. Aus den interlinearglossen zu den Psalmen kommen dazu: ingdltnisse S27,4:, iruudrtnissa loo,lQ (daneben uuartnisse 242, 19), gclidltnissa 122, 9, liühtnisse 411, 17, trinnissa 210, 12 und die erweiterte, unten s. 61 zu besprechende bildung ferJoniisseda.
Die gesamtheit der baj^r. Gl. gibt nicht so viel belege her (26) wie T allein (35):
intlochanassi reseratio, arpolgarmssi (-nussida) motus, [arfuntan'^]- missi (-nussida) inventa, experientia, piseichnussi {-chammssida) allegoria, 'pnihmissi usus, einnussa (-uuss/da) conspiratio, contractus, unio, fuhmssi (-nussida) corruptela, corruptio, kasasnassi (-nussida) constitutum, stationes, gihf'Uaxussi adsensus, (in) gilihnissi (-nissida) instar, imago, gitrocnissa (lelirameutum, giummtnussi (-nussida) tortus, uolumen, hold)iissi placatio, lutnussi armonia, clangor, miltnassi beneficium, offannussi apocalypsis, illu- minatio etc., ratnissa propositio, siioznassi dapes, teilnussa scissura, toner- missa tonitrua, faruual])nussi subversio, vlornussi (-nussida) excidium, exi- tium etc., uohmssi summa, uuntnussi (-nussida) praebitio, adtactus, uuerd- nussi (-nussida) iustificatio, uuesannussi habitus. Dazu kommen noch folgende bildungeu, für die nur die zweisilbige endung belegt ist: piduuin- ginussida strictura, zidennissida distentio. ')
In den von Velthuis, De Tegernseer Glossen op Vergilius, Groningen 1892, behandelten Gl. stellt sich das Verhältnis von -i : -ida : -nussi, -nussida'^) wie 39 : 18 : 7. Für T ergaben sich uns ganz andere zahlen.
1) Aus den kleineren denkmäleru eitlere ich churtnassi f. exhortatio 200, 7, uuihnasst f. Freis. patern. 202, 8.
2) arpolgamissi und arpolgannussida, gimmntnussi xmi giuuunta(n)- nussida habe ich dabei freilich als je eine nummer gezählt.
Beiträge lur geschichte der deutschen spräche. XXXIX. *
50 GÜTMACHEK
Yerliältnismäßig häufiger werden die -we55i-bildiingen in den (von Schindling s. 28 behandelten) Murbacher denkmälern, vor allem in Ib-Ed:
H driunissa (g. s. tliriunissa, d. driunissu), heitarnissa (das nur liier belegt ist), kalihnissa (belegt als g. und a. sg.).
la farloranissa, lutarnissa, arsualmissa, pcmcJiannissomJ)
Ib-Rd ftmtanissu, unreinissa (Rd -reinnissa), taugannissa, kifuacnissa, hifuarmssa, antfancm'ssa, Jcih'hni'ssa, statnissa, kihaltannissa (Rd kiJtaltnissa), Rd pilochanni'ssa (fehlt Ib), farlazanissi.
Ic uHOtnissa, kilihnissa {küihnissi), haznissi, xjilolmissi, kithehtnissi.
Auch das Ker. Gl. liefert eine ziemliche anzahl von be- legen (15):
Pa K Ra R in güihnassi {-nissi, -nussi) in AUobroges 1, 18/19, 30.
Pa K Ra thincnassi Pa (thicnessi etc. K Ra) densitas 102/3, 25 (thicnes densitas K 257, 57).
Pa K niidacnassi apocalypsis 50/51, 38, arqnemannassi pavor 188/89, 17, ahtnessi persecutio 202, 12. 259, 2, girnessi Pa (firnessiK) cupidit^as 184 85, 5, pntrtiiessi ordo, series 72/73, 26, sculdicnassi devotio 96, 97, 34.
Nur Pa cotnassi bonitas 96, 35.
Nur K irstantatmessi restitutio 241, 20, umpiqiiemannassi circum- ventiones 202, 13, abohiiessi austeritas 26/27, 33, habuhnessi continentia 258, 4, hrenessi castitas 233, 4, kunnessi indiciis 259, 5, h'hnessi religio- sitas 249, 14.
In dem stark umcorrigierten bayr. R ist aber die ganze masse auf das einzige in galihnisse 1, 19, 30 (Schatz § 115) reduciert. Dasselbe R zeichnet sich umgekehrt durch die größte menge von componierten rmpa -bildungen aus, die dem T ganz fehlen.
Unter den fränkischen autoren stellt sich Will, ganz auf die Seite des oberdeutschen: er kennt nur gWmisse simulatio.
Bei 0 wächst die zahl der -j? es.?/ -belege ein wenig an. Auf ca. 100 -i und 15 -ida kommen aber doch nur 9 -nissi, von denen 4 uns schon im T begegnet sind: fmstarnissi, firstant- nissi, irstantnissi, stilnissi^)
Stärker wirkt die häuf ung der formen auf -nissi im Weißen- burger katechismus, in dem ich — gegenüber 6 -i und 5 -itha — 7 belege zähle: arstantnissi, einnissi, gimiscnissi, gotnissi, infleiscnissi, thrinissi, imarnissi.
1) Ich führe die belege in der von Schindling gegebenen reihenfolge an. '^) Die übrigen sind: gotnissi, nibttln/ssi (cf. /Vn-»^)/»//«" Ker.Gl. 1,192, 13; subst. farnipuli 82, 39), tvarnissi, githwiiignissi, 'incartnissi.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 51
Isidor hat 22 -i^/ssa-bildungen (die nur bei ihm vorkom- menden versehe ich mit einem stern): heraJdnissi, %liidhwssa, dhrin'issa, einnissa, folnissa, gotnissa, ^hartnissa, heilacnissa, *idalnissa, infancnissa, infleiscnissa, chilanpnissa, chüiihnissa, *ehancJuUihi'issa, ^nharMtmpnissi, ^nanniscnissa, "^mütnissa, aroiic- oiissa, rclitnisso, *unHucrdnissa, nuaarnissa, uuootnissa. Nur durcli Is und T sind bezeugt: araucnessi, hcrahtnessi, heilac- ncssi (das im Is sanctificatio, im T dagegen sanctitas bedeutet). M hat folgende 9 -wmi-bildungen (die nur hier belegten versehe ich mit einem stern): *blucnessi, einnessi, ^festnissa, galihnissa (galihnissi), fo)iornissa, galmipnissa, manniscnissa, h reinissi, n narnissa.
Gewiß sind Is und M die einzigen hochdeutschen Schriften, die mit ihrer fülle von -nessZ-bildungen einigermaßen an T herankommen, aber wie weit bleiben selbst sie noch hinter ihm zurück? Hier die zahlen: Is und M zusammen 27 ^ : 13 ida : 26 nessi, aber T 26 1 : 16 ida : 35 nessi.
Einen großen reichtum an hierhergehörigen bildungen zeigt auch das altniederf ränkische: irsuoJcenussi, hrocnussi, farhrocannussi, farhugnissi, farimatannussi, gegrauannussi, ge- hugenissi, gelicniissi, gerihtnussi, geruornussi, gemiesannussi, idalnussi, ratannussi, reharnussi, refangnussi, rehtmissi, stedi- nussi, tehroconnussi, tesiornussi, thmsternussi.
Daß in den alten quellen des niederdeutschen die frequenz gering ist, mag an der spärlichkeit dialektreiner prosadenkmäler liegen. Die poesie ist auch im ags., das sonst eine außer- ordentliche fülle von abstracten auf -nes hervorgebracht hat, ihrem gebrauch nicht gewogen. Der Hei. hat
acc. 3g. efnissi 4854 a Cott. (alla efnissi)
acc. godliknissea M 2085 — (juodlicnissi C
acc. farleganiessi M 3271 — forlegarnissia C,
dat. an farlegarnessi M 3844 — -nisse C
tliiu geliknessi M 3827 — gilicnissi C,
an giUknissie M 988 — gelictiessia P, gilicnisse C. Die Glossen kennen
hetlmimgamissi Wadst. 101, 23
uom. (acc.pl.?) dogahmssi 99, 14 (98,11), g.pl.! dagolnuss{ie) 64,10,
d. pl. dogalnussion 99, 38
acc. grimnussi 59, 42, tyrannide ' gn'immssi 97, 29
4*
52 GUTMACHER
acc. hethinnussia 17, 5 thiu idalnussi 15, 20 unsuuarnussi 61, 2. ^)
Wenn auch der Beowulf nur ein sicheres beispiel bietet — geleafnes word 245'-), so will es auch Klaeber, Ang'lia 28, 440 fassen, dem zwei worte sympathischer erscheinen nach der praxis der früheren editoren als das compositum geleafnes- worcl — , ist doch im ags. überhaupt -nes das häufigst gebrauchte und bcAveglichste suffix und zugleich das hauptmittel, von Verben, besonders auch von componierten, nomina actionis zu bilden. 3) In den ältesten glossen und prosatexten (Oldest Eng- lish Texts ed. by H. Sweet, London 1885 = E.E. T.S. 83) zähle ich 120 bildungen auf -nes.
In hervorragendem maße sind die part. praet. zur Ver- bindung mit dem suffix -nes befähigt. Diesen participialbildungen auf -nes, die nur zum geringen teil dem ad jecti vischen Charakter ihres grundworts treu geblieben sind und größtenteils die be- deutung von verbalabstractis angenommen haben, stellt Thiele S.56 die ahd. participialbildungen auf -i (vgl.Wilmanns2,§200,2) als analogon zur seite. In diesem punkte tritt, wie wir gesehen, T ganz auf die seite des ags.'*)
Das zeigt sich auch bei den einzelbeispielen. Ich stelle zum beweise hier die nur im T belegten abstracta auf -nessi, die eine entsprechung im ags. finden, zusammen und füge jedesmal die ahd. ersatzworte bei.
T ags. ahd. sonst
inrigamiessi = onivrigemies antrikam
bihcdtiiessi = behaldenis pihaltida
umbisnitnessi = ymhsnidenis umhesnit, -snula
zkmorph'nessi = töivorpennes —
^) Für das altfriesische habe ich keine Sammlungen, ich notiere nur aus den afries. fragmenten Zs. fda. 32, 417 ff. thiisterncsse imd icostnesse (bis dahin war bloß loostene belegt).
-) onlicHCEs 1352 ist aus Holthausens ausgäbe verschwunden. Bei Csedmon finden sich anlicnes similitudo, ecnis aeteruitas. Cynewulf hat 8 belege: anlicnes, hlindnes, cahtni/s, glccnnies, hca)ines, sodfcestnes, tcelitis, Prines, s. R. Simons, Cj-newulfs Wortschatz, Bonner beitr. zur anglistik 3.
3) Thiele s. 135.
*) Doch fehlen bei ihm ableitungen von schwachen participien wie ags. gednfednes, gefegednes etc. Thiele s. 51.
DEU WORTSCHATZ DES TATIAN.
53
|
T |
ags. |
ah(L sonst |
|
|
arlösnessi |
= |
älys}ies |
wiösida, urlösi, irlösunga |
|
[)/hörncssi |
= |
hynies |
g/hörida |
|
(j/ruoriwssi |
= |
liroernis |
gahrörida |
|
erdyiruoriiessi |
= |
eorphrernes |
— |
|
(jürnohnessi |
= |
(jcdrefnes |
gitruohida |
|
sabdniessi |
= |
sijfernes |
— |
|
thrucnessi |
= |
prycties |
he-ferdrucJieda |
|
füffarnessi |
= |
fcegernes |
fagari |
|
yiidtiziicssi |
= |
(jewitnes |
khmizzitha |
|
»liJiJtilnessi |
= |
micehies |
riiihhäi, m ihhalitha |
|
toiifjahtessi |
= |
deagolnes |
tougannissa, tougeni |
|
(alts. döguhiussi) |
|||
|
tumpncs |
= |
dumbnes |
tumpheit. |
6) Suffix -unga. A) Bildungen, die nur im T belegt sind.
1. beitiiuga (Gr. 3, 65) exspectatio 145, 15. Von dem allgemein be- legten ahd. heitön. Mnd. heidinge.
Uta 0 9 mal, N 2, 529, 13.
2. bismarunga (Gr. 6, 834) blasphemia 5 mal, neben bismarida 134, 7 (s. oben). Vom 10 mal belegten verbum bismarön, das auJ3erhalb T's bis- merön, -cn lautet; oben s. 33. Md. besmenmge Zs. fda. 52 (1910), 388, ags. bism{e)rung.
Mt 12, 31 Omne peccatum et blasphemia remiitetur hominihus, spiritus autem blasphemia iton remittetur : T 62, 8 iogiunelih sunta inti bismarunga uuirdit fiirlazzan mannun, thes geistes bismarunga ni uuirdit farlazan. In den ags. Evangelien an dieser stelle abweichend: ws. bismiirspcee, bismer- sprcec (vgl. Hei. 3530 bismerspraka), dagegen an der entsprechenden parallel- stelle Mc 3, 28 omnia dimittentur filiis hominum peccata et hlaspliemiae quibus blasjihemaverint : ws. Ev. eaJle synna synd manna bearnum forgy- fene ond bysmorimga (H bismernnga) pam pe hi bismeriaÖ.
Das einfache bismer (oben s. 33) fehlt dem T.
3. ertlibibiinga (Gr. 3, 21) terrae motus 145, 5. 217, 1. Dagegen 210, 1 erdgiruornessi oben s. 44. Md. ertbibunge Myst., Pass. k. 183,3, Jerosch. 10c u. ö., Chr. 3, 379, 25, Dür. ehr. 700b (Lexer 1, 682), ertbebimge Zs. fda. 33,427, alts. erthbigunga (lies -biiiungu) Wadst. 112, 25, mnd. mndl. erdbewinge (vgl. anfr. bivonga tremor Ps. 54, 6), ags. eoröbifuug.
Mt 28, 2 Et ecce terrae motus [actus est magnus : T 217, 1 inti sinu tlio erthbibunga uuas giuuordan michel, ws. Ev. andpcer wces geworden micel eorpbifung. Vgl. Mt 27, 54 ws. pa hig gesaicon pa eordbifiuige.
Sonst erdbiba 0 V 4, 21, N 2, 341, 19 {erdpiha mit circumflex). Gl. 2, 721, 44; erthpiboth N 2, 120, 2 Gl. Haupt zu Dk 30 (2^, 160).
4. fähunga (Gr. 3, 411) captura, in thero fisco fahungu 19, 8. Vom st. v. fähan.
54 GUTMACHEK
Eine bildnng wie fogalfengida • aucupium Ib-Rd ^ Gl. 1, 272, 30 (Gr. 3, 415) hätte T kaum nachmachen können.
5. fllliinga (Gr. 3,471) plaga 108,6, anfr. ßlunga • flag-ellum vanHelten 68, 251 (Ps. 90, 10), fillinga ■ flagella 252 (Ps. 31, 10). Vom sw. v. ßlen.
Alem. d. pl. filloom B c. 2. 30, fäla, pl. fülä N 2, 73, 19. 119, 27. 143, 19. 289,23. 372,26. 385,25 (Ps.90, 10). 430,15. 552,23, h&jr. uilla, tcillün Sch&tz § 113, fiUata Gl. 2, 436, 35 vi. a., fiUado • flagra 2, 475, 62 (Kluge, Stamm- bilduugslehre^ § 130, Wilmanus 2,349, § 263).
6. fuotriiiiga (Gr. 3, 380) pascua 130, 10, mhd. riioterunge, vuetenuige. Vom sw. V. fuotaren, das in ahd. zeit auf T 0 beschränkt zu sein scheint.
Sonst heißt es föäen, föten, fuatten = &gs.feda)i, got.fodjan (Gr. 3,378): Ker. Gl. = Gl. 1, 126, 31. 150, 33. 151, 36. 164, 32. 204, 18. 219, 23. 379, 38. 412,47. 425,40, Vg 2 = Gl. 2, 632, 47. 633, 60, Ic -= 4, 3, 18. Davon fuatida • pastus Rb = 1, 353, 9, futisal ■ pastio Gc 4 = 2, 220, 26.
7. heilaznnga (Gr. 4, 871) salutatio 4, 2. 141, 4. 10, ags. lidblettung. Mt 36, 6 salutationem in foro : T 141, 4 heilazunga in strazon, Rush.
luelettungce on gemote. Daneben T 4, 4 thi)ies heilizinnes salutationis tuae. Imlazen salutare findet sich außer im T noch Gl. 1,478, 37 ff. 748, 9 ff. 749, 28 ff.
8. heilnuga (Gr. 4, 867) cura 118, 4, mhd. heilunge. Vom sw. v. heilen, heilnussido ■ curationum Gl. 2, 72, 42.
9. leidazunga (Gr. 2, 178) abominatio 145, 11. Vom sw. v. leidazen T u. a. = ags. /rt5e««H abominari.
10. nidarniiga (Gr. 2, 449) damuatio (n^hQn. nidarnessi, fuDiidaniessi oben s. 43), ags. niperung damnatio. Vom sw. v. nidaren = ags. niöerian.
Lc 23, 40 quod in eadem damnatio)ie es : T 205, 5 thaz tJiti in thent selbun nidarungu bist, Lind, forion on da ilco eutierdlu l niÖi'ung arÖ (ebenso Rush.), WS. on ßcere ylcan genybenmge.
11. predigimga (Gr. 3, 366) praedicatio 57, 4, ?Cüix. predigimga V^. 72,28, mnü. 2JredeJciuge, inrlcinge. Vom sw. v. predigön.
Sonst prediga (ebenso regelmäßig bei 0 wie bei N und anderswo), dessen bildung sich vergleichen läßt mit sihhura T 170, 4 (zu sichoron 125, 3), cJwstiga 0 1111,31, N 2,73,19.22. 135,11. 139,24. 143,17. 288,1 u.a.
So steht neben gewöhnlichem martra (Gr. 2, 857) im Is 30, 11 marty- runga. Vgl. Friedberger christ und antichrist Dk 102 ßb, 1 di mardela, 107 Fb 42 mardelnnga.
12. striduuga (Gr. 6, 745) ceno (zeno) Stridor deutium 5 mal neben strednnga 113, 2. Man könnte slridunga mit dem mehrmals auch in ab- leituugen belegten ahd. verbum stredan in Verbindung bringen (das i wäre dann vor dem folgenden u aus e entstanden), aber die bedeutuug fenere, effervere etc. paßt gar nicht dazu. Man darf vielleicht eher stridunga als nachbildung von lateinisch Stridor auffassen und annehmen, daß die Schreibung strednnga im anklänge an stredan entstanden ist.') Vgl. tradunc Is 7,4, M 34, 19.
1) Frank, Afränk. gr. § 19, 4.
DER WORTSCHATZ UKS TATIAN. 55
Die glosse freiuit dentibus ■ stiidit 11 = Gl. 1, 155, 11 (wofür in Pa K Ra fremit ' feimit) kann aus lauter lateinischen Wörtern bestehen, vgl. 15-4,23 frerait dentibus stridit sie • pizzot cenim cristcrimot PaK Ra. Aber sirideäen' stridnlis scheint Gl. 2, 5G5, 3 (Trier) gesichert und führt am ende doch auf ein echtgermanisches, dem lat. Stridore synonj^raes verbum.
Sonst wird Stridor dentium Aviedergegeben durch ruzzionjit Gl. 2,707,24, claffotli, (jnWi)-aiiii)ni)ig(i 1,718,29, im Ker. Gl. durch cristcn'iiimod zanco 1,188,11 \\n^ krisikrimnunic 2b%21 , avozu man halte Hei. 21-41: grisgrimmo endi (jradcuj fnir. S. auch unten s. dafunga.
B) Nicht auf T beschränkt.
1. blcckezun?a (Gr. 3, 246) fulgur 3 mal. Gl. 1, 578, 61. 2, 20, 12. 253, 58 ff. Sg 242 = Gl. 3, 14, 13 u. a., ags. hlicccümg. Vom sw. v. hlecliazen.
plechunga • coruscatio PaK = Gl. 1, 84/85, 14, fulgora Pa = 142, 28 von plechcH, blechen ■ fulgere Pa K = 12 13, 35. 116, 17, 27. 146, 16, Dk 59, 6 u. a.
2. ilnnga (Gr. 1, 232) festinatio 4, 1. 79, 7. Häufig auch sonst belegt. Vom sw. V. ne)i.
Ua 0 7 mal.
3. clafimg'a (Gr. 4, 556) zeno Stridor dentium 77, 4, zano klaffunga Dk 72, 149, alts. clapunga • Stridor dentium Ess. ev. Gl. = Wadst. 49, 25.
Sonst claffotli • Stridor dentium Gl. 1, 713, 29, mit anderen interpreta- menten strepitus, tractus catenarum, crepitus N 2, 351, 22 Gl., Gl. 2, 436,34. 671, 55. Vom sw. v. claffön.
4. costun^a (Gr. 4, 519) temptatio 15, 6 (Lc 4, 13). 34^ 6 (Mt 6, 13). 180, 3 (Lc 22, 40). 181, 5 (Mt 26, 41), in gleicher bedeutuug Weißenb. cat. Dk 204,4.25.26; alts. costunga Ess. ev. Gl. (Lc22,31) Wadst. 57, 19; ags. costuiig an allen dem T entsprechenden evangelienstellen in Lind, und Rush., teilweise auch in den ws. Ev. (daneben hat das ws. auch costmmg).
Dazu costari temptator T 15, 3 (Mt 5, 3) = ags. (nordh. Ev.) costere. Abgeleitet von dem im T 6 mal zur Übersetzung von temptare dienenden sw. V. costön, das mit gleicher bedeutung in alts. costöti, ags. costian wieder- kehrt, cacostot • probatus Voc. S. Galli = Gl. 3, 3, 44.
Mt 4, 7 non temptabis dominum tuum : T 15, 4 thaz thü ni costos trulitin got thinan, ags. Lind, ne costa Öu drihten god Öimie (no Rush). Dagegen 0 II 4, 75/76 giscriban ist tu alauuar / thaz mannilih giuuereti selbdruht/'nes ni Tcoroti. Anders Hei. 1093 that tliu te hardo ne skcdt herron thines fandon, thines froJion.
Mt 4, 1 ut temptaretur a diabulo : T 15, 1 tliaz er uuurdi gicostot fon tliemo diuuale, ags. Lind, pte he ivoere gecostad from diable, Hei. 1030 iiuelda is thar latan coston .... selbon satanasmb und 1077 — 79 tliat fri- duharn tholoda wreöes loilleon . . . that Jie umhi is kraft mikil koston mosti.
T unterscheidet costön temptare von (gi-)cor6n gustare 202, 3 u. ö. (5 mal), probare 125,4. Im mnd. heißt kosten gustare 'schmecken', koren probare; ebenso verhält sich das mnl.
Sonst fehlt im ahd. dieser unterschied. chorö)i heißt
temptare: N 2,81,9. 318,2. 401,8. 3,377,1. Ebenso j^^cZiomi Dk 280 C 1, 7, gachoroH Preis, ausl. des pat. = Dk 203, 32.
56 GUTMACHER
examinare: N 2, 44, 7.
probare, adprobare: pichoron Pa K Ra = Gl. 1, 124, 35, gachoron Pa K = 10/11, 22, cachorot • proburn R = 229, 22.
conari: Pa K = Gl. 1, 94/95, 47.
kosten: keclioreta N 2,270,7, kechoron lb7,7.
temptatio wird wiedergegeben durch cliorunya, hichormuja nnd kJiora: cliormuja S. Gall. pat. Dk 209, 4, N 2, 53, 4. 81, 12 Gl. 115, 11 Gl. 158, 12. 21 Gl. 461, 24 GL; Gl. 3, 376, 28. 377,1, Miorimka Preis, pat. Dk 203,31, K = Gl. 1, 201, 16, pichoranga Dk 280, C 1. 4, bechorunga (-ge) N 2, 84,21. 117, 10. 280, 6. 345, 17. 463, 21 (überall GL), Wess. gl. u. b. Dk 296, 117, Bamb. gl. u. b. 302, 145, l-hora K = Gl. 1, 255, 13.
5. leranga (Gr. 2, 260) doctrina 84, 5, Is 41, 20, Em 14. 19 = Gl. 2, 832, 34. Vom sw. v. lerem.
Gewöhnlich lera (Gr. 2, 254/55).
6. lösunga (Gr. 2, 277) redemptio 3 mal, N 2, 480, 13, altn. leijsing. Vom sw. V. lösen.
7. mnrmnnmga (Gr. 2, 860) murmur 104, 3, mufmidunga OUl 15, S9. Vom SAv. V. murmurön, murmiilön.
miüimdod B c. 5. 40 (daneben immmäodi, murmidodii 35. 41. 53), in murimdode Bayr. beichte Dk 247, 13.
8. phlanzunga (Gr. 2, 362) plantatio 84,7. N 2,591,13, K = Gl. 1, 216,12. 659, 67 ff., Rc = 2, 236, 16 u. a. \ova ^vf.y. pUanzön.
9. samammga (Gr. 6, 40) cohors, synagoga 25 mal. Allgemein belegt. HeL4201 sammmga, ags. samnung. Vom sw. v. samanön.
10. tobunga (Gr. 5, 349) deliramentiim 223, 5, Bl = Gl. 1, 311, 24, Sal. 2 = 4, 53, 9 ff. Vom sw. v. toben.
tobod Gl. 1, 563, 1/2. — tobaheit Em 19 = 2, 332, 14 und in den Windb. psalmen, außerdem tohazunga Gl. 1, 304, 7. 310, 45.
11. uuisniiga (Gr. 1, 1068) visitatio 166, 6. Vom sw. v. imisbn.
Das bei N 2, 199, 6 stehende uuisunga hat eine abweichende bedeutung, oblationes et holocausta.
12. unonnnga (Gr. 1, 875) mansio 165, 2, GL 2, 8, 25, Hd = 3, 418, 58, mhd. woniuHje , anfr. uuonunge Ps. 68, 26, ags. icunung. Von uuonen, Avie thonunga • tenor Gl. 2, 48, 41 von thonen.
Die im T vorkommenden substantiva auf -imga stammen bis auf eine ausnähme aus sw. V., die sich auf die einzelnen classen wie folgt verteilen: -jan 10, -6n 9, -en 3. Nur fäJmnga 19,8 — m thcro fisco falmngu captura piscium — weicht ab; es ist wahrscheinlich eine augenblicks- und gelegenheitsbildung. Die kürzeren formen wie ßlla, IIa, lera, Jchora, prediga, erdbiba, die bei 0 auf keinerlei abneigung stoßen, ersetzt T gern — und zwar öfters in Übereinstimmung mit altniedrfr. oder niederd. Sprachgebrauch — durch die voller ausklingenden auf -unga. Auch an ähtnessi statt ähta (oben s. 46/47) muß dabei erinnert
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 57
werden. Bildungen wie nidan und fuatida meidet T sichtlich und ersetzt sie durch nidarncssi und fnotiioiga; auch au die stelle von claffoth miirmidöd müssen notwendig clafmiga mur- midunga treten, da sein Sprachgebrauch das suffix -öd — bis auf das wicXitYevhSilQ half tnnöd — consequent ablehnt. Darin begegnet er sich ebenso mit anderen fränkischen quellen wie mit dem Hei. Für 0, Will, und die alts. Evangeliendichtung kann ich jedesmal nur ein verbalabstractum auf -od anführen: wegöd (Wilmanns 2, 345), ivintemöd (Will. 145, 2. 7), hetvöd (Hei. 2566). Für den einzigen N aber zähle ich allein in bd. 2 der Piperschen ausgäbe 17.') Auch für das Ker. Gl. ist das häufige vorkommen von -öd charakteristisch. 2)
Im T widerstrebt -unga der composition, erthhihimga ist ein exemplum sui generis. Der gegensatz zwischen lösunga und arlösnessi, nidarunga und furnidamessi (neben nidarnessi) ist nicht zufällig.
Der vergleich T's mit dem gebrauch anderer quellen ist auf die prosa zu beschränken. Denn es ist eine alte beobach- tung,3) daß die spräche der poesie den -«w(/a-bildungen abhold ist, 0 hat nur zwei, beispiele, samammga III 15, 10 und ^eih- nunga IV 33, 38, der Heliand nichts als samanungaJ)
In der abneigung gegen componierte bildungen stellen sich zu T: Is^) und M«), H') und die glossen Eb,«) Ib-Rd.»)
») amot 2, 373, 11 GL, bibenot 207, 8, Jcerminot 87, 17 Gl, clüäffot 351, 22 Gl., niüuHOt 92, 13 Gl. (= niumuujo 93, 1 Gl,), mü rüode 439, 7, scrciöd 591, 28, sCiftod (mit den obl. cas. -des, -de, -da) 34, 9. 47, 20. 98, 19. 137, 14, 21. 25. 206, 7 Gl. 327, 14. 421, 9. 425, 5, treUöd 212, 4, uucmnoth 80, 20 Gl., imeinod 95, 8 (in mendi, -de 423, 2), uuelldd 210, 25, ertpiboth 120, 2 GL, frösprangot 206, 8 GL, in griscramode 622, 19, lierzeslagod 619, 1, unabläsöd 175,21.
2) cristcrimmod zaneo Pa 188, 11, mit fastinode PaK 10,11,23, innod R 3, 27, in innote Ra 185, 2, si mittilothe K 239, 3, strigilot Ra {trikilod K) 202, 1, scauuod K 219, 4, sitod K (sitood Ra) 225, 15, tagarood [?J R 67, 30. Daneben kommen auch bildungen auf -oti vor: antilothi K, entilodi Ra 201, 14 (vgl. 50,51, 13. 16), armoti Pa K 118/19, 30, ainoti Pa, einodi K, einoti Ra 126/27, 13 (aeinoti Pa, einot K 20/21, 36), dichinodi Pa, thicJchi- nodi K, dich'noti Ra 150/51,6. 257,26, einginotlii K, einginodi Ra 205,16, einherodiK, einheroti Ra 212,8, mittilodi Pa Ra, viittilothi K 118/19,14.
3) J.Grimm, Gramm. 2 2, 344.
*) Über die ags. poesie vgl. 0. Thiele g. 117. [tmdimc.
^) bauhnunc (-ga), Urunga, martyrunga, offerunc, rehtunga, salbunga,
58 GUTMACHER
Sonst beginnen die oberdeutsclien belege für die ableitnng aus componierten verben schon sehr früh: B pifindungu ex- perientia c. 1, Icasamanunga congregatio c. 46. zemanunga sie admonitionem proL, wohl = zuamamüigu admonitione c. 2 (vgl. zuamanoot admonet prol., zuamanomees admonemus c. 2, zuamanonie admonentes c. 40, zuakimanoter admonitus c. 62). Bei N sind sie ganz geläufig, allein aus dem ersten bände notiere ich: ahanemunga remotio 69, 27, analigunga adfixio 729, 25, anaseunga intentio 683, 8, anauallunga accidens 452,24, anauuaniinga existimatio 37, 3/4, antfristunga argumentum 54, 10, peuiidrunga Providentia 205, 15, erteüunga iudicium 345, 9, gelirnimga disciplina 426, 13, genuärraliclmnga ratio- cinatio 596,4, teuuidermezunga comparatio 862,21, undermar- chunga difflnitio 207,23, umderchetunga contradictio 515,4, unidermezunga collatio 348, 20 u. ö., uuirderuuerfimga sie relatio 648, 18, zuobidunga applicatio 425, 21.
Die kleineren prosadenkmäler bieten folgende belege: Otlohs gebet irstantanunga 267, 21, Predigt C inchoninga^) 280 C4 (ib. picJiorare), AVess. gl. u. b. 1 m hecorunga 296, 117, Barab. gl. u. b. an hichoriinge 302, 145, Wess. gl. u. b. vi iiher- arheitimga 296, 113, Bamb. gl. u. b. untcrsceidunga 305, 222, Wess. gl. u. b. in ferdamminga"^) 297, 145, Bamb. gl. u. b. virdamnungo 304, 175, Wess. gl. u. b. ferJougeminga 296, 111, Bamb. gl. u. b. virmeldungo 302, 143, Sangallen er Schul- arbeit uuidennezzunga 260, 22, Würzb. b. uiddersaJihunga 246, 33.
In diese entwicklungsreihe gehört auch das Ker. Gl. sama- nunga congregatio steht in R Rx, zweimal in Pa 72, 130. 32. Dafür haben K Ra klsamammga, das 64/65, 23 in Pa K Ra,
8) haulmimga, entmiga.
') chorumja, äruunga, samanunga.
") muzzunga canuateo mutatoria Gl. 1, 619, 33 (vgl. 35), in muzzungo in mutationera 2,305,10, äuruh so//'<ojr/« per coudimeutum 2,309,43, uahungu hiuuarera ciiltui vestro 1,^25,8, pilicrimes uahunga peregrini cultus 1,469,10, ■Huantalunga tortiones 619, 54.
9) in artungii in cultum 1, 281, 41, obarunga dilatio 277, 5, rafsunga correptio 275, 51, scaimnga contemplacio 273, 59, staunga querellas 289, 36, suahunga questio 289,29.
') Paternoster bechoruitge Dk 169, 16, 1.
-) Himmel und hölle venlamnunga Dk 72, 160.
DER WORTSCHATZ DES TATIÄN. 59
94, 13. 158, 37 in Pa, 247, 27. 249, 15 in K wiederkehrt (vgl. Jcasanianunga B c.46, ghisamanunga la Gl. 1, 337, 17). In Pa K Ra stellt ma»/)««.^;^ diflnitio 1, 102 3. 33, in Pa K R frampringunga prolatio 116 17, 14, in K jnfaltunka explicatio 235, 16, in R pi- findimgu experientia 137,32, caprchhungom fragoribus 143,30, kapurinnga euentus 71, 10, änrulifrummunga perfectiira 165, 24.
Um die Stellung T's gegenüber dieser entwicklung zu illustrieren, kann man zum Schluß noch darauf hinweisen, daß irUsnnga (N 2, 380, 3 Gl.), verdnmnnnga, hicliorunga in seinem lexikon durch arUsnessi und lösunga, fiirnidaniessi, costnnga vertreten sind.
f) Suffix -lieit.
Diese composita sind im T schwach vertreten, hiscof-, hind-, magadheit^) = ags, hiscop-, cild-, nKvgeöhdd. Der ur- sprünglichste zustand ist noch ganz treu bewahrt, die grund- bedeutung des zweiten elementes noch nicht zu bloß suffixaler geltung verblaßt. Nur substantiva, nicht adjectiva gestatten diese art der composition.2) All dies repräsentiert eine primi- tive entwickluugsstufe, wie sie sonst nur im ags. kenntlich wird. Kluge, Stammbildungslehre^ § 164, Thiele s. 123 ff. Selbst der Hei. ist schon fortgeschrittener, da er neben zwei sub- stantivableitungen J^f^^^i?'-, magaöhed doch auch schon ebensoviel adjectivcomposita Uf-, spähed darbietet. Vgl. auch abolganhed Sachs, beichte Dk 237, 31 = Wadst. 17, 7. Auch die Isidor- gruppe läßt neben hiscof-, christcmheit bereits eine form wie suelheit velocitas zu. Die H haben überhaupt nur adjectiv- composita: fiziisheit dolus, umszantheit conscientia. Besonders bemerkenswert ist die tiefe kluft zwischen 0 und T. Piper und Kelle u.d.w. heit verzeichnen goma-, theganheit] hos-, dum})-, gelph-, gimeit-, giuuona-, hnan-, sicliur-, uuenag-, uuis-, zagaheit. Statt dumplieit heißt es im T tunqmessi; giuuonaheit, das neben uuonaheit schon in der Benedictinerregel auftritt, wird im T
1) mofjadJieit ist noch belegt Dk 151, 2, 6, CIL 1, 735, 34. 2, 207, 46. 210,52. 344,47. 381,9, Ic = 4, 20, 56.
*) Im gegensatz zu den bildungeu auf -tuom. T hat mci'star-, na/zag-; alt-, her-, r/h-, miis-, uiudustuom. Zu bemerkungen gibt diese liste kaum anlaß. rthtuom bedeutet noch nicht 'reich tum', sondern (wie gelegentlich auch bei 0) stets imperium. Bis zu et3'mologisch sinnlosen bildungen wie trrituom (H25,3,3) mögen es die Tatianübersetzer noch nicht gebracht haben.
60 GUTMACHER
durch das sicher ältere giuuona st. sw. f.^ vertreten, und die Weisheit, die 0 und N sowohl uutstuom als umsJieit nennen können, erscheint im T regelmäßig als uuistuom (= alts. tiuis- döm, ags. icisäöm). Auch das Ker. Gl. entfernt sich von dem altertümlichen sprachzustande, den in diesem punkte T repräsen- tiert: Gl. 1, 186, 16 insolentia • camaitliait Pa, kimeitheit K Ra, 248, 20 socordia • narraheit K Ra, 226, 15 fallacia * lugiheft sie Ra (= lugiheit?).
Von den oben verzeichneten drei Wörtern auf -heit scheint eins außerhalb des T in ahd. zeit noch nicht belegt zu sein:
kiudheit (Gr. 4, 458) infantia 92,4. Vgl. ags. ciklhäd, ahd. kindesheif pubertas Gc 10 = Gl. 2, 240, 49. Erst mhd. Icindheit.
l) Suffix -scaf.
Unter den fünf Zusammensetzungen mit scaf, die im T vorkommen — hotescaf \Qg?dXo (Gr. 3, 81), heriscaf]egio (4, 985, bei 0 6 mal, = militia Tr = Gl. 3, 135, 7 ff.), lantscaf regio (Gr. 2, 234), gisellascaf contubernium (6, 179), giiaiisscaf testi- monium (1, 1104) — ist eine, deren gebrauch auf diese quelle beschränkt ist, nämlich giuuizscaf testimonium. Ihr ent- sprechen genau anfr. geuuitscepi' testimonia van Helten 71, 361, alts. getvitscepi nicht nur im Hei., sondern auch in der Sachs, beichte Dk 237, 23 = Wadst. 17,9 und in den Ess. ev.-gl. Wadst. 55, 35, mnd. geivitscliap bestätigung, ags. geivitscipe (oben s. 44).
Diese composita sind im T, soweit ihr grammatisches ge- schlecht kenntlich wird, dem ahd. Sprachgebrauch gemäß weib- liche /-Stämme. Nur giuuüscaf macht in gewissem sinne eine ausnähme. Zwar ist das feminine genus gesichert für die accusative sg. unsara g. 119,6, g. mcrun 88,2; möglich ist es in der häufigen Verbindung g. sagen,''') auch in der nur 81, 11 belegten g. infahu ebenso wie in den Worten min g. nist uuar 88,10, uuar ist sin g. 239,5.^) Selbst 145,10 wird man in
^) Darüber wird später noch zu sprechen sein.
2) 9 mal belegt. Etwas seltener giumznessl sarjen 14, 6. 7. 104, 2. 131, 2. 3. 5. 171, 1. 2, qucden 106, 2. 198, 5.
3) tliin giuuünes nist uuar 131, 2, uuar ist min giuuiztiessi 3 (ähn- lich 5). Man sieht, daß giunizscnf nnd gimdznessi hier wie in den aura. 2 angeführten stellen ganz synonym gebrancht werden. Aber es ist doch noch
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 61
giuuizscefi, trotz des abweichenden casus im lateinischen texte 'in testimonium'. dativisch fassen dürfen. Aber für jede un- befangene auffassung enthält der satz inti uueiz bidni imar ist ghiuizscaf daz her saget iion mir et scio quia verum est testi- monium quod perhibet de nie 88, 10 ein neutrales giuuizscaf. Jeder zweifei ist ausgeschlossen 189,2 inti gizumftigii iro giuuiz- scefi ni uuarim et convenientia testimonia illorum non erant. Merkwürdig ist der zweimalige erst durch rasur hergestellte acc. sing, sin giuuizscaf 21, 7, der nur als acc. neutr. verstanden werden kann; vorher stand sine da, eine seltene nebenform des acc. fem. sina. Neutrum ist auch, wie alle substantiva dieser art, das alts. gemütscepi. Es scheint mir klar, daß die ihrem lautstande nach hochdeutsche, durch die Wortgeographie an das niederdeutsche geknüpfte form giuuizscaf auch durch das schwankende genus ihre mundartliche mittelstellung verrät. In den anmerkungen s. 60, 2 und 3 habe ich die nötigen belege für das mit giuuizscaf synonyme giuuiznessi gegeben. Es ent- spricht in der bedeutung dem ags. getvitnes. Im ahd. heißt das Zeugnis sonst hiuuizzida oben s. 44.
ij) Einzelnes.
forlust (Gr. 2, 266) perditio 138, 4 (Mc li.l), got. fraJnsts, alts. farlust, mud. vorhtst, mhd. rerhist, rhist.
Daneben gebraucht T 40, 9. 178, 4 farJor (= alts. farlor, ags. forlor), das im Ker. Gl. 1,25,19,*) in Gl. 1, 400, 36 und in den Würzburger glossen 1, 622, 58 als flor internecio, in der gleichen form auch Himmel und hülle Dk 72, 179, Paternoster Dk 169, 15, 11. 170, 17, 2 wiederkehrt. Vgl. mhd. verlor, vlor interitus, internecio, perditio Lexer 3, 168.
Ahd. florinü B c. 65, ferlomi, florni N 2, 38, 18 Gl. 211,3. 583,2. 631,10, forlorm'ssa M 30, 13, farloranissa la = Gl. 2, 530, 16, ferlormssa, -se N 2, 28,2. 33,1. 186,5.7. 380,20. 455,25 (stets GL), flormissl Gl 1,701,18. 2, 128, 56. 132, 27. 134, 60. 599, 4, ferlörnissida, flörennissida N 1, 25, 18 u. ö. 2,38,6. 117,17. 221,1. 363,26. 428,11. 454,21. 462,7. 583,1 (hiev se fei-Jor- nissedo neben 2 ze flöreni), floranussida, vlornussida Gl. 2, 253, 60. 650, 56. 662, 73, flörinheit Bamb. gl. u. b. = Dk 303, 168. Darnach wird man glauben dürfen, daß dem oberdeutschen ftrhist in alter zeit unbekannt war.
zu erkennen, daß ^^/^nf^'ir.sc«/' ursprünglich mehr auf den Inhalt der Zeugen- aussagen, g/iiuiz)iessi auf die handlung des aussagens ging: higgiu f/iituiz- nissu 84, 9, in zi (jiuuizmsse 44, 9. 12. 46, 4. Vgl. Mt 10, 14 Lind, in ge- icitnisse liiora.
1) So K; Pa hat farUs.
62 GUTMACHER
ffilido (Gr. 3, 494) sw. m. spurcitia, geu. sg. fuliden 141, 22. Sonst abd. fülidu = alts. falülia, ags. fylp, nengl. /!///(, Wilmauiis 2, § 263 nach Jacob Grimm, Deutscbe gramm. 2^^, 237.
B) Adjectiva.
euiiiii (Gr. 1,506/7) aeternus, stets iu dieser form, 24 mal, etvin imvit fuorios Hildebrandslied = Dk 5, 41 , te them eu'inon rikie Hei. 1798 Gott, (der Mou. bat euuigon, iu Übereinstimmung mit dem regelmäßigen sprach- gebraucbe des alts. epos, dem au den anderen stellen auch der Cott. folgt).*) 0 bat cHuiiiig 42 mal, das ans euuhi und dem gemeinalthocbdeutscben emtfg, das aucb im Is, in M nud bei Will, herrschend ist, coutaminiert zu sein scheint. S. dazu Paul Schmidt s. 32.
eman = got. anveins ist das gegenstück zu imflin temporalis (Gr. 4, 1227 : T 75, 2, M 19, 14, Voc. S. Galli = Gl. 3, 5, 18) == ags. hinlen.
sundirin (Gr. 6, 259) südlich 57,5: simäirinu cimingin regiua austri.
M 7, 7 cunincgin stoulroi, Gl. 2, 318, 55 sioidaroniskero hcüho ■ meridiem plagam. Kluge, Stammbildungslehre '^ § 217.
ilinäli und iluiälig festus bespreche ich in cap IV. ümCüWt s. oben s. 11.
lirig (Gr. 2, 260) docibilis 82, 9 : tmerdent alle l/rige gotes. Verhält sich zu leren, Urnen (güiv suggestiones Gl. 2, 117, 56) wie birfg, stirbig, tcirig zu heran, sierhan, u-eran etc. Vgl. Wilmanns 2, § 47.
oftig (Gr. 1, 184) frequeus 63, 3 : thaz oftiga amhaht.
ofth'hho saepe M 37,26.
zuomig (Gr. 5, 666) vacans 57, 7, alts. tömig. Im alts. begegnet noch das verbum tömean, im ags. und im altn. das grundwort selbst als tum, iömr vacuus, inanis. Eine spur dieses adjectivums findet sich in dem Carls- ruher glossar Aug. CCXVII (Gl. 4, 407) : zuama vacuum Gl. 2, 349, 29.
steinahti (Gr. 6, 691)^) petrosus 71,3 : ftelun in steinaliti laut, mhd. steineht, ags. stcbncltt.
Im Ker. Gl. herrscht — wie im bayrischen (Schatz § 41 d), in den von Schindling (s. 29) grammatisch bearbeiteten Mur- bacher glossensammlungen (Ib-Rd,Ic) und in Rb (Ottmanu s. 22) — durchaus die endung ■oht{i):
astoZoto'PaR150,51,ll, KRa243,2, /■a7jsoMPaKEal50;51,27, ileclioti KR(Ra) 206,20, hofarohti K, houorofti Ra 221,10, talohti KRa 262,27, thornohteo K 204, 7, thoniohti K 243, 4, nnpartohti VsiK(ß.a.) 188,89,1, ziiiohti {ä.i. zuioJdi) Ra, quiohdi K 151,10. Unverständlich ist 255,21 orohti mosci' cornipes K.^)
1) Is M gebrauchen in cemdn, in eurnn = iu futuro, in aeternum (Gr. 1,506). Das entspricht genau der anderwärts belegten Verbindung in eimida und enthält das substantivische abstractum auf -i{n). Oben ß. 33.
2) Vgl. Braune 3 §251, anra.2.
3) T's steinahti und steinahi stimmen im vocal überein, das Ker. Gl.
DER WORTSCHATZ DES TAT I AN. 63
Außerdem finde ich -olit in folgenden quellen'):
zicislloht • bifurcus Voc. S. Galli = Gl. 3, 2, 4 (8. Jh., ebda, honareliti • giberosus 6,21), hmühahoMer clirunc- lagueiia 1,408,9 (8./9. Jh.), boinn- othi- nemorosa 1, 536, 38 (9. Jh.), mascohtemo • maculoso 2, 349, 34 (9./10. jh.), flechoti ^'^<^- maculosura 1,313,40 (10. Jh.), /<o/o7(/rtr • pouderosus 2, 242, 12 (10. Jh.), scibohter- scutulis 2, 408, 38 (10. jh), das imrtohta- sinpiibium 2,435,44 (11. Jh.), scittarohtun ■ scabri 2, 430, 25 (11. jh.), siiipogohf forni- ceus 2, 606, 49 (11. jh.), ?mar.^o/(<a • verrucosa 2, 360, 7 (11. Jh.), zatohlen- villosi 2,662,26 (11. jh), rosenohte- veternosiis3,426,34 (ll./12.jh.), cJiclcJiocJif strumosus 3,428,31, schuf oliier- scrabrosus ib. 33 (ll./12.jh.), houerolder- gippe- rosus 429,1 (vgl. Hd = 3, 410, 50) , holohter ■ hirniosus 429,22 (11./12. jh.), iinchnodolda ■ enodes 2, 631, 52 (12. jh.), sjOTcÄv7o/<r maculosus 3, 306, 72 (12. Jh.), «iflSfl?-o//< • tuberosus 3, 439, 63, .';co?(j:)o/;? • scrabrosus 439, 71, gi- lolder- herniosus 439, 77 (12. Jh.), stuckdohf particulatim 1,706,43 (13./14. jh.), grintohter ■ yrurcus Tr ^= 3, 145, 9, holohter • herniosus Id = 1, 353, 35, runzi- loht- rug-QSUs 3, 145, 14 (vgl. 343,63), zihudüohter • lacrimosus Tr = 144, 47.
Daneben hat das fränkische federaht • pinnatorum 1, 544, 5 "\V(irzb.), holahier- erniosus 4, 201, 29, sainaddi- sudus Sg 292 = 2,494,10 (dort steht peffares 1, 339, 30), str/p(dden • virgatis 2, 713, 16 (s. Franck § 59).
N kennt die Schreibung -oM z. b. in miseloM leprosus 2, 295, 22, doch überwiegt -aJit: innahten, chrapald, liornaht, houhetaht, fornahtig, ohcnahtig u. a. m. Wolfermann 5G. 57, Kelle, Zs. fda. 15, 339. 341, Zs. fdph. 30, 363. 365. 368. Eine vollständige Übersicht über die Verhältnisse bei N ist vorläufig schwer zu gewinnen, weil weder an den genannten stellen noch in der arbeit Siemeriugs, Flexion des verbums und nomens in Notkers psalmen, programm der realschule zu Tilsit 1876, das gesamte material mit genauen belegen verzeichnet ist.
C) Adverbia.
uirnlustigo (Gr. 2, 290) luxuriöse 97, 1.
firinlustUh • voluptarium K Ea = Gl. 1, 202, 22, firmlustUhhevi • luxu- riosis Pa K = 1, 76, 10.
Abgeleitet von firinlust libido, luxuria, voluptas (Gr. 2, 290) : Pa K Ra R = Gl. 1, 140/41, 13. 203, 32. 205, 15. 267, 17, Asc = Gl. 2, 320, 23, Dk 205, 37. 236, 8. 238, 6. 247, 6. 248, 6 = ags. firerdust. firin- ist als erstes compositionsglied im Hei. beliebt, doch fehlt firinlust.
ziiifalton (Gr. 5, 720) mer thanne hmuih duplo quam vos 141, 13. Vgl. anfr. si(uon)ualdun van Helfen 82, 631 (aus Ps. 11, 7, wo N 2, 34, 21 das lateinische septuplum durch sihunstunt wiedergibt).
unterscheidet ustcdohtl u.s.w. streng von pramaln R 257, 26, hrispahi KRa 266, 7, spridahi Pa K Ra 150,51, 3.
1) Ich ordne nach der Zeitfolge der Codices und stelle die obd. belege voran.
64 GUTMACHER
Zufall wird es sein,i) daß in anderen quellen fehlen die 3 adverbia sehziigfalto (Gr. 6, 152), tiiiizujjfalto (Gr. 5, 242), zelieuziigfalto (Gr. 5, G29) 71,5 : et dabant fructum ... centesimum, .. sexagesimum, ... tricesimum inti gnhun mmlismon . . . seJtenzugfalto . . . sehzugfalto, . . thri- zugfuUo. M hat dafür das adjectivum 8, 13 ff. uuaxmiiu . . . zehenzofalt, . . . drizucfalt. Das entsprechende zelienzucfalt ceutuplum hat T 106, 6. N 2, 2-15, 16 Gl. heißt es mit anspielung- auf diese stelle des irizzegostin Wide sehzigostin unde zehinzegösten tinnochers. foii »fana (Gr. 1, 171) desuper 197,9.
D) Verba. a) Auf -en (aus -jan).
autliitgcn und aMtliugon (Gr. 2,225) respoudere nur im T : antlingonti 2, 9 (aus antcdingonti corrigiert), antUngota 10 mal, viel häufiger antlingen (90 mal). Die Benedictinerregel bat antknken, das zu anilangi responsum des Ker. Gl. (so Pa, antlenld K Gl. 1,90/91,31; anüenkl K, antlengi Ra 218, 11) stimmt. Dafür gibt T mit regelmäßigem zwischenvocal antalengita 106, 5. 217, 5. 225, 1. 236, 2 {antelengita 104, 5). antlingen, -an und ant- lenJcen können sich zueinander verhalten etwa wie anagin zu anagenni (Gr. 4, 215 f.).
iiiilteii (Gr. 2, 726) misereri 14 mal. Vgl. ags. mütsian in gleicher bedeutung. Zu miltherzi misericors (3 mal), mütidu misericordia (12 mal) oben s. 34, müti uuas misertus sum 99, 4. Der begriff der barmlierzigkeit wird im T ausschließlich durch milt/ und seine Verwandtschaft vertreten. Diese bedeutung findet sich außerhalb des T im ahd. nur selten, so milt- nissa misericordia Is 37, 19. 42, 4 (neben armherzin pietas 40, 7), miltida Bayr. b., S. Emm. Geb. = Dk 247, 10. 248, 9 (oben s. 34).
Dem verbum muten entsprechen anderwärts ahd. irbarmen (persönl. und unpersönlich), gindden, -ön, gnädtc uuerdan"-) (Gr. 2,1028. 1030, Warfel- mann 10 s. compati, 11 s. condescendere, 32 s. miserari, misereri ») ). So liest man in N.'s psalmen bald dih erharmee 2, 327, 14, bald gnade mir got 215, 3, got Icnäde mir 212, 2, Itenäde uns herro 552, 23. Nicht anders in O.'s evangelienbuch , so aus Mt 15,22 miserere mei domine III 10,9 ginado trulitin, quad si mir (vgl. T 85, 2 miUi mir trohtin), III 10,22 laz sia thi/i irbarmen (vgl. T 89,1 miltiii dero menigi aus Mt 15,32). Auch in den anfränk. Psalmen heißt es regelmäßig genathi mi got miserere
^) Ebenso wie es zufall sein muß, daß das cardinale niwizng nur im T belegt ist (nach Gr. 2, 1092). Das ordinale ninnzogosto steht in der B c. 9.
^) canadic uuirdw miserior Pa (K) = Gl. 1, 92;93, 15.
3) Zu Warfelmann trage ich hier nach: irbarmen Dk 122,25,3. 140, IIb 1. 148,244. 162,52, genddet = propitius fit N 2,428,9, = miseretur 430, 14, gnadcnt Dk 78, I, 12. 92, 30, 8. 145, 126. 131. 174, 8, 2. 209, 108. 271, 6. Die liste der bei Warfelmann s. v. miseratio, misericordia verzeich- neten substantiva ergänze ich noch durch folgende belege: irbarmida N 2, 45, 12 Gl. 57, 12 Gl. 75, 13. 79, 18. 83, 8. 190, 17 Gl., gnäda 44, 28.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 65
inei dens Ps55, 2. 56,1 (und ähnlich 58,6; 66,2. — b9,S genathodos misertus es; 71, 13 gcimthon sat parcet).
Nichts von alledem kehrt im T wieder.
scHineu (Gr. 6, 496) spumare 92, 2. 4 (Mc 9, 17. 19), mndl. nind. sclmmen, rahd. scJi ihnen. Abgeleitet von dem nomen scnm 01.3,405,47 (saec. XII) = mndl. mnd. schuum, schume, altn. sJcim. In ahd. zeit scheint sonst nur noch seumhafdemo uuage • spumoso gurgite Aid. 4 = Gl. 2, 21, 43 (saec. X) belegt zu sein.
Sonst heißt es feim Gr. 3, 519 (= ags./"«/«): Gl. 2, 430, 61. 503, 10 u. a., feimen : faimenti Pa, feimendi K fremitus Gl. 1, 142/43, 25, feimü Pa K fremit 154 55, 16 (unmittelbar vor cristcrimmod, vgl. T 92, 2 scum/'t inti grisgrimmot zen/'n...), in der bedeutung spumare auch Gl. 2, 531, 7. 592,26. 628,70. 672, 79 u. a.
toiigilta sih (Gr. 5, 373) occultabat se 2,11, ags. {ge-)dieglan {Sieyera^ § 404, aum. 1 c).
trisiiineii, drisiuuen (Gr. 5, 545) thesaurizare 3 mal. Mit regelrechtem vocahvechsel von treso abgeleitet.
N hat dafür triseunön 2, 142, 23 (von obd. triso). Oben s. 8.
unorpUozen (Gr. 1, 1039) iactare 81, 1.
Sonst utierfön Gr. 1, 1038; mhd. worfen = ags. worpicm.
zuriuiauen (Gr. 1,867. 5,698), miehscd gebet mouuiht zuruuanenti mutuum date nihil disperantes 32, 8.
Von zunvän suspicio Gr. 1, 860 : Gl. 1, 662, 6 ff., ztirmiani- suspiciosus Ic = Gl. 2, 50, 61.
b) Auf -6n.
arhoTibiton (Gr. 4, 759) decollare 79, 12.
forhoubiton (Gr. 4, 759) decollare 79, 9. Vgl. alts. giliafdade uuerthath Gl. 2, 741, 2 = Wadst. 67, 21 und ags. beheafdian.
giberehton (Gr. 3, 211) clarificare 15 mal, ags. gebeorhtüm.
Joh 17, 5 et nunc clarifica me, tu pater : T 177, 3 inii nu giherelito mih fater, avs. Ev. and nu öu fceder gebeorhta me.
Als intransitivum gehört dazu pemhtet • splendiscet K = Gl. 1, 213, 38 (= ags. beorhtian). Im got. und altn. liegt eine andere bildung des transi- tivs vor, gahairhtjan, altn. birta.
oiigozorhtöu, giougozorhtön (Gr. 5, 705) manifestare 164, 6. 177, 4 235, 1 (2). 237, 6.
ougozorhtön stimmt in der Orthographie zu migu-, aiihuzoralit K = Gl. 1,135,9. 233,11, augozoralitan- evidentem la = Gl. 1,560,33. Einmal steht im T 237, 6 giouzorhtot, wie in Ra Gl. 1, 135, 9 cmzoralit. Vgl. auui-, auue- zoraht Ra 224, 36. 233, 11, Gl. 2, 248, 43. Daneben stehen die Schreibungen aukazuraht Pa 1,224,36, ougazorhto • conspicuum Ic = 4,5, 19, ougazoroiäan, ougazorhto T 46, 5. 69, 8 und auczoraht Pa = Gl. 1, 134, 9.
gotspellon (Gr. 6, 334) euangelizare 13, 25. 18, 2. 22, 4, ags. godspel- hcm. Zu gotspel euangelium T 22, 1. 145, 10, M 30, 18. 37, 14. 17 = alts. godspell, ags. godspeJJ, altn. gubspjcdl. — cuatspellon • euangelizo in dem
Beiträge zur geschichte der deutschen spräche. XXXIX. 5
66 GUTMACHER
Lucasglossar Gl. 1, 731, 29 ist wahrscheinlich eine neubildung. Steinmeyer, Prager Studien 8, 159.
uählihhön (Gr. 2, 1003) appropinquare 9 mal, neben gleichbedeutendem und ebenso oft vorkommendem nähen Gr. 2, 1004 (= alts. nähicm). Mnd. naleken (neben naJcen, neken und nalen, vgl. anfr. (jinacont, ginacon Ps. 54, 19. 63, 8, gineheda 54, 22, mndl. nahen, neken und nalihe, nalic 'nabij'')), ags. Eush. giniolica, Lind, geneoleca (Sievers ^ § 487, anm. 18), ws. genea- lokcan in anlehnung an die zahlreichen mit -Idcan zusammengesetzten verbalbilduugen (Claus Schuld § 85).^)
Das sonstige ahd. kennt nur nahen, das auch im Ker. Gl. auftritt: nahit Pa K Gl.- 1, 34/35, 17, zoa nahtun Pa (K) 44/45, 39.
luniiicrdöii (Gr. 1, 1014) indignari 97,6 (häufiger, 4 mal im T, dazu auch iu anderen quellen belegt uminirJen Gr. 1, 1019^)), zum adv. un- unerdUhho indigne (bei T und anderwärts belegt) = ags. iiniceordlice (Gr. 1, 1013). Das ags. iimreord/an weicht in der bedeutung ab.
giödmuotigöu (Gr. 2, 691) humiliare 8nial.*) Vom adj. öf/Hf^o//// oben s. 29. Vgl. aotmotit Pa, otmodit K humiliat^Gl. 1, 192, 29, sih chiodtintodida se humiliavit Is 41, 16 mit ags. geeadmedan, geeadviodian humiliare.
Sonst heißt es im ahd. (gi-)deomuoten Gr. 2, 698.
sili giznuifligOii (Gr. 5, 667) consentire, convenire 98, 3. 109,3. Zu gizumftig (nur T 189, 2, nngizumft/g Gl. 2, 594, 2). Anderwärts oft (sih) gizumften R = Gl. 1, 29, 31, Pa = 132, 40 (142, 4). 715, 69. 2, 125, 1 ff. u. a.
bithorbisöt uns (Gr. 5, 220) expedit uobis 135, 29. Zu hiUierhi.
Sonst hitherhen; vereinzelt hidcrhigonte- profuturas Gl. 2, 93, 4 (Würzb.).
uiihliiloson (Gr. 2,629) magnificare 8 mal (stets mit o in der mittelsilbe).
Li der gleichen bedeutung tindet sich mihhilon in B prol. (vgl. anfr. gemihilon Ps 56, 11. 68, 31. 69, 5. 71, 17 und ags. micelkm). N hat nu'che- lichon 2, 62, 1. 272, 4. 274, 15. 575, 1. mihhüen im Ker. Gl. = Gl. 1, 116. 117, 34 bedeutet eminere, fordert also ('.
streugisön (Gr. 6, 758) confortare 4, 19. 182, 1.
Dazu tritt von ähnlichen bilduugen das im T häufig (8 mal) belegte diurisön glorificare (Gr. 5, 454), das sonst nur noch Aid. 4 = Gl. 2, 21,18 (diurisont ' glorificant) wiederzukehren scheint und einem seltenen ags. gedyrsod gepriesen Judith ed. Thwaites p. 25, 40 (vgl. Anglia Beibl. 19, 1908, 3) entspricht. Sonst heißt es ahd. t/uren Gr. 5, 453, auch im T 4 mal (= ags. gedyran). — r/chisdn (Gr. 2, 395), das im T 5 mal (einmal in der form richoson oder richosen? corr. -iso7i 95, 5) belegt ist, ist allgemein ahd. und deckt sich mit ags. ricsian.
') Vgl. in feronoh'hha • undique Pa K = Gl. 1, 86/87, 1, feranolihha K 223, 1, fernaliho * longinqua 2, 632, 58. — naJilihun • paene Em 13 = Gl. 2,761,34. Vgl. Aschw. nalkan, nalkas Noreen, Gr. §471, anm. 2.
") hit dfenlctcÖ advesperascit ws. Ev. Lc 24,29, wohl zu dfenlic vespertinus.
3) N 2,67,15, Ic = Gl. 2, 49, 35, Em 19 = Gl. 2, 333, 13 u.a.
'') Der Übersetzer faßt gelegentlich humiliare falsch auf: 13, 3 et collis humiliabitur : noUo mierde geodmuotigot.
DEK WORTSCHATZ DES TATIAN. 67
c) Auf -en.
iz ilbaudet (Gr. 1 , 99) advesperat 228, 2, mhd. dbanden, das im Tristan, in der ündrun, im Alesius belegt, also oberdeutsch ist, ags. gecefenian Ml- fr. Gr. 35, dess. Prov. 7 (kent. (je^facdan Sievers ^ § 414, anm. 3).
arincu (fehlt Gr. 1,423) egere 97,2, alts. (jinrmod von Lazarus Hei. 3341 (vgl. gigumalod, gifrodod, g/lcfod, hiJamod, farhardod). Das ags. ear- mia)i hat eine andere bedeutung, misereri wie got. arman.
Passivisch gevi^endet ist lirrm/t mtcrdcmcs- aporianiur Gl. 1, 767, 1.
bnzeu (Gr. 3, 223) besser werden 55, 7 : thia zit in tliero im bazeta in quo melius habebat.
Sonst ahd. sih hezinm (Gr. 3, 223), kepezzirote ■ meliorati a caruibus B c. 36.
lazzeii (Gr. 2, 298) tardare 2, 10.
Sonst lazzön Gl. 1, 793, 12 u. a.
sereu (Gr. 6, 271) dolere, ags. s« mm 'schmerz empfinden'.
Lc 2, 48 dolentes qnaerehawns te : T 12, 6 serente mohinmes thih, WS. Ev. sarigende pe sohton.
tnioben (Gr. 5, 490) contristari 158,4 (~ Hei. 4590 ff.) : at Uli coepe- runt contristari = sie tho bigondun truoben (das ist wohl intr. truoben). Anders 180, 4 cocpit contristari et maestus esse = bigonda sih truoben (statt des gewöhnlichen transitiven gitruoben turbare, contristare, dessen gi- nach bigonda unzulässig ist) inii mortienti uiiesan (Hei. 4750 uuas imii is Imgi ärobi), 174,4 contristamini = ir birut gitruobte (Hei. 4725 gi sind nu so drobia), 79, 8 (Hei. 2777) contristatits est — uuard gitruobit (238, 3 gitruobit mtas); 35,1. 106, 3 (~ Hei. 3292 ff.). 180,5. 22^, 4: tristis = gitruobit; 172,2 und später noch 4 mal tristitia = gitruobnessi. mornen steht nur einmal — hinter sih truoben — an der schon genannten stelle 180, 4, wo auch in der lat. vorläge Mt 26, 37 Synonymenwechsel stattfindet.
N 2,269,17.19 g»/ simid contristaretur ^ imer sämont mir trüreg uuäre, 21 Gl. tristitia = trürigi, 155, 21 ff. anima mea contiirbata est = mm sela ist getraregot verglichen mit T 139, 5 min sela gitruobit ist oder mit Hei. 295 ff. (Mon.) tho uuard hugi Josepes, is mod gedrobid. Dem verbum truoben entspricht im Hei. intransitives druobie 4707 Gott., druouoda 4759 Gott. {drobda Mon.), im ahd. triiren Gr. 5, 543 (auch im Ker.Gl. trurenti ■ squalentes Ra = Gl. 1, 254, 25) : Gl. 1, 718, 11 truren • contristari zu Mt 26, 37, wo T 180, 4 sih truoben hat. 0 V 9, 13 (Mc 16, 17) imeist . . . iuer redina . . . ir iuerero ituorto get sus dmrento? = T 224,4 tiuaz sint thisiu tiuort thittdir bringet untar zwisgen gangenti, inti birut gitruobit? So spricht Jesus zu den Jüngern von Emmaus. Im Hei. 5967 heißt es in demselben zusammen- hange hioi gangat gi so gornondia? Die sippe des ahd. trüren fehlt wie im T so auch im altniederdeutschen: bei den häufigen Variationen des be- griffs im Hei. kann das unmöglich zufall sein. Die mnd. und mnl. formen, über die Frauck, Etym. Woordenboek s. treuren zu vergleichen ist, werden aus dem hochdeutschen nachträglich entlehnt sein. In den anfr. Psalmen 54, 3. 68, 21 wird contristatus sum durch gidruouit bin, contristaretur durch gedruouit uuirthi übersetzt. An der ersten stelle hat N 2,206,14 ih pin
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68 GUTMACHER
imfro uuorden, an der zweiten 269, 19 trüreg nuare. Im ag's. Wortschatz findet sich mit anderer ablautsstufe nur das adjectivum dreorig = ueugl. drenry. Die ws. Evangelien verwenden es bloß ein einziges mal, Mc 14, 19 ; an allen anderen stellen bevorzugen sie für die in contristare, maerere, maestns, tristis, tristitia zum ausdruck kommende Vorstellung der trauer andere Übersetzungen, am häufigsten miröt, iinrötnes, wie M. A. Harris' glossar ausweist. Aus den nordh. Evangelien ist dreorig ganz verschwunden.
III. Capitel. Wortstjimme, die nur im T belegt sind.
A) Einheimisches.
asni (Gr. 1, 478) mercennarius 133, 11 (3), got. asneis /jiia&ajTog, ags. esne servus. Daneben asneri mercennarius T 97, 3 (2). Abgeleitet von asna, das in alts. asna *zins, abgäbe' (Freckenhorster heberoUe Wadst. 43,16) erhalten ist. Vgl. mnd. asnen, hasnen 'lohn, miete'.
lic 15,17 (vgl. 19) quanti viercennarii patris mei : T 97, 3 mmo ma- nege asnere mhies fateres, got. han ßlu asnje attins meim's.
Joh 10,12 mercennarius et qui non est pastor : T 133,11 asni inii tlier nist liirti, got. asneis jah saei nist hamleis.
Joh 10, 13 mercennarius autem fugit quia mercennarius est : T 133, 11 ther asni tmarliho fliuMt uuanta her asni ist, got. sa asneis afplinJiip unte asneis ist, Lind. Rush. cesnemonn.
Im ags. kommt an keiner der genannten stellen esne vor, das im ws. die bedeutung servus angenommen hat, s. Liebermann, Wb. zu den gesetzen der Angelsachsen s. 64. An die stelle von esne in der bedeutung servus trat im Süden peoiv, im norden hielt es sich in der bedeutung vir. i) esne ist die lautlich dem got. asneis, alid. asni entsprechende form (freilich fällt das fehlen des Umlautes auf, das nur in asneri berechtigt ist). Die Über- setzer mußten indes für mercennarius ein anderes wort wählen, da esne seine bedeutung verändert hatte, hyra, celmertmonn 'der geheuerte' etc. Nur die uordhumbrischen Übersetzer haben gelegentlich (csnemonn, das der bedeutung mercennarius genau entspricht, weil es mit dem in alts. asna erhaltenen substantivum zusammengesetzt ist. Vgl. ahd. mietman. Der gegensatz der nicht umgelauteten formen cesne- = alts. asna und der um- gelauteteu esne = got. ((sncis ist bei dieser deutung ganz verständlich. Auch ist eine Zusammensetzung von esne und man im gründe zwecklos, während cesnemonn, asneri, asni einfach verschiedene versuche darstellen, von dem grundworte asna ableitungen zu gewinnen.
Oberdeutsch wird mercennarius durch /»/(/rtsto/; Gl. 1, 603, 20, haga- staltman 2,286,32 oder mietman 3, 135,26. 428,4 glossiert.
berd (Gr. 3, 156) genimeu.
Mt 23,33 genimina viperariim : T 142,28 berd natrimo. Anders 0 I 23, 37 fon nataron giborane, 42 natarono kunni.
*) Jordan, Eigentümlichkeiten des anglischeu Wortschatzes (Anglist, forschungen 17) s. 91.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 69
Mt 26, 29 HÖH b/hani n modo de hoc ffni/'miiir vitis: : T 160, 3 ni trinh'h foii HU fon thesemo berde milHrcbun. Anders 0 IV 10, 5 Ni drinkii ih rehto in wara tJics rcbchuines nicra.
berd verhält sich zu ags. bcoröor wie altu. Jdjod zu ags. hleööor (= Uodar T 145, 15). Das heorÖ der lexika scheint ebensowenig zu exi- stieren wie das got. Idiup, das in Streitbergs Ulfilas aus 1. Tim 2, 11 ver- schwunden ist.
biril (Gr. 3, 156) cophinus, alts. hiril.
Mt 14, 20 dnodecim cophinos : T 80, 6 ziiclif birila, Hei. 2870 that man birilos gilas ticelibi fülle. Gl. 4, 594 (Gr. 3, 156) iirna qriam rustici vocant biral capit quatum (quartHm?) adpensaüir CXX libre conlns minor biraV) capiens LX libras. In diesem von Graff mit Pb bezeichneten glossar finden sich formen wie aftcr fulgendi- pedisequa Gl. 1,297, 41; dopfugal- mergulum niger dicitur a mergendo 340,19 (vgl. dopfiigeles- mergule, merule Wright-Wülcker 1,258,14. 284,8); fugolada • aucupio 340,23; obarhaldnra • superstitiosiores 298, 40; uualuc-luccfucli • herodianum 340,21 (= ags. icelaJdu(foc); atusi- (su)pellectilem 297, 50; nrnite (d.i. hurnitc)- crabrones 334,24; lendibradon • lumbi 297,2. Die bisher an- geführten glossen genügen, um zu zeigen, daß wir es mit einem glossar, das mit niederdeutschen, teilweise angelsächsischen eleraenten durchsetzt ist, zu tun haben.
Im T haben verschiedene Schreiber verschiedenes: 80,6 wird cophinus mit biril, 89, 5 mit corb wiedergegeben. 80, 6 gehört dem Schreiber /?, 89, 5 dem Schreiber /. Daß vielleicht dem Schreiber ß das niederdeutsche wort geläufiger war als dem Schreiber /, ist nicht verwunderlich, da Schreiber / Alemaune war. Über sportella s. unten s. 82. Die übrigen ahd. quellen kennen nur corb iind andere Synonyma (W.Schulze, Griechische lehnworte im gotischen s. 736, 7).
Das wort biril ist ursprünglich nomeu agentis gewesen , hat sich aber zu einer selbständigen specialisierten bedeutung entwickelt.
briiogo (Gr. 3, 278) terror = ags. bröga. Hierüber wird unten im cap. über das Ker. Gl. gehandelt werden.
flau (Gr. 3, 755) flach, mit flahheni henti . . . sluogun palmas dederunt 192, 2, mhd. dach, ndl. vlacJc.
fluobra consolatio = alts. fröbra, ags. fröfor wird bei der behandlung des Ker. Gl.'s zur spräche kommen.
gifelian, gifelio (Gr. 3, 417. 419) gaudere, gaudium, a.gs. gefeon, gefea.
Die Avs. Evangelien 2) übersetzen exultare, gaudere, congratulari durch fcegnian 5, gefcegnian 6, blissiati 4, gcblissian 16, bliÖe icesan 2 mal, gau- dium aber viel öfter durch gefea (17 mal) als durch bliss (7 mal); exultatio kommt nur Lc 1, 14 vor und wird dort ebenfalls durch bliss wiedergegeben. In den nordh. Evangelien tritt außer glml icosa, gegladiga, glcednisse noch das verbum gifea, gifeaga als der gewöhnlichste ausdruck der freude hinzu,
^) Gallee, Vorstudien s. 405 will bard lesen. '') S. Harris' Glossary.
70 GÜTMACHER
dafür falleil fiegiiinn und die sippe von I>Ji!<s ganz aus.') Ahnlich wie im uordhumbrischeu liegen die Verhältnisse im T: hier bilden fi/fehan, (jifelw die geläufigste wiedergäbe von gaudere, exultare, congratulari, -) gaudium.^) Nur je einmal wechselt der Übersetzer im ausdruck, und zwar teils, um die Unterscheidung der Synonyma im original nachzuahmen, teils aus eigenem antrieb: 22, 17 (Lc 6, 23) gmidete et exultate : güieJiet inti hliäet*) und 2,6 (Lc 1, 14) et erit tibi gaudium et exiiltatio et multi in nativitate eins gau- debimt : inte her ist thir gifeho inti hlidida, inti manage in sinero giburti memlentJ) bilden, blidida und menden kommen im T nur je einmal, an den genannten stellen, vor.
Im sonstigen ahd. werden gaudere, exultare, laetari (Warfei mann s. 18. 21. 30) außer durch bUdeii (Gr. 3, 250), dessen häufiger gebrauch für 0 cha- rakteristisch ist,^) und das verbreitetere menden (Gr. 2, 808) in erster linie durch das überall belegte, nur im T fehlende freuuen (Gr. 3, 798)') wiedergegeben. Eine andere glossieruug ummisamön findet sich noch im Ker. Gl. (Gl. 1, 136/37, 30. 218,21), dessen sonstiger gebrauch durch die folgende liste illustriert wird: frao ist Pa, fro ist K gavisus est 38,39,39; fraoer Pa R, frauuer K alacer 8;9, 3; froer- festivus Pa K 156/57,30; frauui- Naum (d.i. frauui 'freiide', interpretation des hebräischen namens) K Ra 217, 25; unfrao, -fro • maestus, tristis K Ea 209, 10. 268, 21; unfrouui metus K, unfrauit merit Ra 209, 12 ; frauucndi K, frauenti Ra oiiaus 218,21, fraoet Fdi,, /roeti K gloriatur 136/37, 31. — unplidhi- tristis K 35,89 (vgl. K Ra 209, 11); plidet- gradatur (als synonym von gratulatur
") S. Cook's glossary. Lc 1, ii exultavit in gaudio = Lind, gefeade in glcednisse, ws. fahnnde oder fagenede.
^) Lc 1, 58 congratulabantur = T 4, 10 gifaliun mit int, ws. hig viid hi/re blissodim; Lc 15, 6. 9 cougratulamini mihi = T 96, 2. 5 giuelict mit mir, WS. Ev. hlissiaÖ mid me. In den nhbr. Ev. steht au beiden stellen efnegedonciga.
') Vgl- ^uch die merc. Übersetzung von Lc 1, 47 exultavit spiritus mens in Öeo gefihÖ min gast in gode (Zs. fda. 33, 61) mit T 3, 5 gifah min geist in gote.
^) WS. Ev. geblissiaÖ and gefagniaÖ, nordh. Lind, gefead 7 tvosad glaid.
5) WS. Ev. to gefean awl to blisse . . . gefagniaÖ, nordh. gefea, glced- nisse . . . biÖon glcede.
") blidi findet sich bei 0 23, nnblidi 2 mal, bUdaii (gi-, er-) 18, herz- bltdi 1 mal, bl/dlih mit hlidlicho 7 mal. bUdan und blidida hat T je 1 mal, bliidhnissa Is ebenfalls 1 mal. Dazu kommt nur noch ein vereinzeltes zeugnis aus dem Murbacher glossar Ib-Rd für plidiro ■ hilarior = Gl. 1, 280, 64 und was ich im texte aus dem Ker. Gl. beigebracht habe. Beachte besonders die synouymenreihen frao plidi mcndenti slehtmot (statt des a-lts. glad»! öd, ags. gla;dm6d) 8;9, 3ff. und frauuendi menthendi plithendi uuunisamondi 218, 21 ff. Der gebrauch des wortstammes blidi ist also wesentlich fränkisch. Auch im altnfr. ist er beliebt.
') eongratulamini • ebanfreimet Gl. 4, 6, 19, aber T 2 mal giuehet mit mir (oben aum. 2).
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 71
gefaßt) Pa K Ra l()0,()l,37; plitlicndi K, plnlcidi Ea laetans 218,23; un- plitliit- tristat K 201), 13, in unipliihuiitcs- nou coiitristamiir K 217, 19. — menthitli, mcndit Ra ueriiat laetatur 263, 37; mendenti P&, niaiulhendi K, mendanU Ra gandeus 8/9,5. 218,22; mandilot Pa, menthilot K, mendilot Ra gratulatur 160/61, 38.
gaudium wird alid. wiedergegeben durch lu-rzhlhU 0 I 4, 31 '), froincsse (t1. 1,722, 7, öfter durcli nieiidt B, H, N etc., frauiu Ker. Gl. 1, 217, 25, freuiü N und besonders durcli freiniida Is 0 N Will. etc.
Zum Wechsel der synonj'ma ist noch zu bemerken, daß Is freuuan mcndan hUdhnissa freuuidha {fraumien memlen auch in M), die H fegindn fraauer fraimön vioiden mendi, Will, freuue freimcde freuuen uieuden haben. Aus N.'s psalmen eitlere ich 2, 196, 9 ff. freimi unde mendi gaudium et laetitiam (vgl. 307, 15 ff.), Gi, 15 dc(2 du in freuuist in mendi laetificabis eum in gaudio, 382, 2 gefreute exultaviraus, 3 gelustsamote delectati (vgl. 307, 15), 5 metuli, 7 frö uuordene laetati.
Die anfr. Psalmen kennen nur und zwar in häufiger Verwendung blithon, inenden, memh'slo (= ahd. niendislo Gl. 2, 320, -49, alts. mendislo Hei. 402). Der Hei. hat hlidi 'heiter, froh' 6, bUdsea 'fröhlichkeit' 2 mal, bUdsean 'fröhlich machen' v. 2753, blidön 'sich freuen' 2 mal (vgl. ags. bliöe, bliös, bliss, bliösiun, bUssian), faganön 'jubeln' 5 mal, meiidian 'froh sein, sich freuen' 2 mal in MC, 4 mal in C, frähmöd 'frohen sinnes' 3 mal, fröliko 'fröhlich' 2, gladmödi 'fröhlich' (= s,gs. glccdniodp) 2 mal. — fra emli blithi verbindet Allerheiligen Dk 233, 10, wie das Ker. Gl. als synonj^ma aufeinander folgen läßt unfro wüi unplithi, unfratdt und unplithit 209, 10 it Die anfr. Psalmen fassen zur gruppe zusammen hlithint in mendint laetentur et exsultent Ps. 66, 5, mendin in blithin exsultent et laetentur 69, 5, T aber, wie wir gesehen haben, giueJiet inti blidet gaudete et exultate, gifeJio inti blidida gaudium et exultatio.
Bei einer betrachtung dieser Zusammenstellung fällt auf, daß das dem althoclideutschen geläufigste verbum freuuen mit dem zugehörigen ab- stractum freuuida wie im T so in den altostuiederfränk. Psalmen, im alts. und ags., im got. und nord. fehlt; etwas weiter verbreitet ist das den ge- nannten formen zugrunde liegende adjectivum frauua- selbst, das wenigstens aus dem niederdeutschen nachzviweisen ist. Umgekehrt stimmen die im T gewöhnlichsten ausdrücke der freude gifehan und gifelio genau zum ags., speciell nhbr. brauche, fehlen aber in den übrigen ahd. quellen ganz.
girdinöu (Gr. 4, 232) cupere 74,8. 97,2. Daneben gerön concupiscere 28,1; cupere 107,1. 196, 4. 3)
In den glossen findet sich nur gerön (Warfelmann 13).
') er ist tliir herzblidi (von Kelle, Glossar 276, als adjectivum gefaßt) et erit tibi gaudium (Lc 1, 14).
*) Ahd. chitainuatan hilarem B c. 5 (Gr. 2, 695).
3) gegirdo • cupidinis Gl. 2, 479, 37, das Wilmanns § 263 (wohl nach Gr. 4,232) als beispiel für den »-stamm anführt, ist gewiß nur ein ganz regelmäßiger genetiv vom femininabstractum gegirda.
72 GUTMACHER
hausa (Gr. 4, 978) cohors, got. hansa, altu. liös (finn. kansa), ags. /(ös, mul. Jianse, Jiense.
Mt 27, 27 MUites . . . congregauerunt nnivcrsam cohortem : T 200, 1 Thie Icenphon ... gisamanotun zi imo cüln tJu'a hansa. Diese stelle fehlt im gotischen, dagegen heißt es an der parallelstelle Mc 15, 16 Iß gadrauhteis . . . gahaihaäun alln hansa (oXtjv ttjv anelQav, convocant totam cohortem Vnlgata. Ebenso Joh 18, 3. 12, dagegen 7i?.)]i^og Lc 6, 17). Ags. hos findet sich nur Beow. 924 mid incegöa hose.
T 183, 1. 185, 11 (Joh 18, 3. 12) wird cohors durch samanunga wieder- gegeben. Zur geschichte von hansa in Deutschland vgl. Meißner, Fest- schrift dem hanseatischen geschichtsvereiu dargebracht. Göttingen
1900, s.97ff.
gikeiiuan (Gr. 4, 534) vocare, ags. {ge-)ciegan.
Mt 23, 9 et patrem nolite vocare vohis super terram : T 141, 7 ni curet hl giJceunaii fater oba erdu, Lind. l)one fader nallas geceiga ofer eorÖu (Bush, ne nemnap . . . , ws. Ev. ne nemtie ge . . .).
Daneben Averden nemnen, ginemfien, heizan, gifmzan häufig im T ge- braucht. Ebenso finden sich im ags. neben oft belegtem (ge-)c/egan in den evaugelien noch nemnan, genemnan, cliopigaii, gehätan, Avorte, die mit aus- nähme von cliopigan auch dem hochdeutschen geläufig sind.
landeri (Gr. 4, 1258) latro 199, 8, ags. hlööere von MöÖ (= afries. hloth, anfr. hlothu van Helten s. 74, 432). Sievers, Einl. § 30. Vgl. altu. hlanna, hlenni.
Daneben gebraucht T noch scacheri 133, 6 : ther ist thiob inti scacheri und thioh 128, 7 : anagiflel in thioha. Durch thioh wird latro auch von 0 1111,24 Aviedergegebeu. Außer den genannten glossierungen finden sich noch folgende: scathari K, murdreo R = Gl. 1,162,3—5. T's scacheri kennen auch 0 (6 mal) und N 2, 342, 17 Gl.
liodar (Gr. 4, 1108) sonitus 145, 15, ags. hleoöor.
Gehören hleotharsazzo K, hleodarsaz Ra, hleodarsizzeo R negromanticus Gl. 1,215, 33 und leodarsezzwn- arioli 2,763,9 hierher?
mnnduuäri (Gr. 1, 917) mitis, mansuetus 3 mal, ags. maupwctre.
Sonst gilt im ahd. mitiuuäri neben mammunti. Das Ker. Gl. hat /HiYwwan Gl. 1, 9, 10. 84,24. 206,26, immitmiari \^'i,29>, mavimundilb2, Ai. 202, 26. 246, 6, unmammunti 114, 6. N gebraucht 2, 305, 16 viämmenden, die interliuearglosse gibt in zeile 17 miteuiiäre : alle die mämmenden föne dien er chad: Beati inites (mit der glosse sälig sint miteimäre). Dafür T 22,9 salige sint munduuare.
Außerdem ist mitiuuäri belegt B c. 2. 66, Is 32,19, Will. 101,1. 5, Voc. S. Galli = Gl. 3,3,39; mitunari Gl. 4,332,7, miedeivere Id = Gl.3,385,17.
inanzon (Gr. 2, 818) sav. m. pl. ubera 58, 1.
uiclm (Gr. 2, 818) pulvis, alts. ineJm, mhd. melm (mit anderer ablauts- stufe ags. mealm, vgl. got. malma).
Mt 10, 14. Mc 6, 11 excutite pidverem de pedibus vestris = T 44, 9 arscutet then melm fon iuuaren fuozin, Hei. 1946 endi tie latad tlies melmes iviht I folgoH an iuunin fotun.
Ein abgeleitetes adjectiv steht Gl. 2, 18, 23 melmota • pulverulenta, in
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 73
einem glossar, das nach ausweis der formen eido- focorum 51, j)ifa ' fis- tula 63, futen • udis, Imraidis 20,3, afdcrlebo • postumus32 (Franck § 89. 110) fränkisch ist.
Mild, mchn ist mehrfach iu md. quellen hezeugt, so in der Passion, der Krone, der Erlösung, bei Herbort, einen ndd. beleg bietet der ndrh. Karlmeinet. Daneben kommt es aber auch in zahlreichen obd. quellen (in Konrad von Würzburg, Loh., Gudr., j. Tit. etc.) vor. So ist für die spätere zeit eine glatte Scheidung unmöglich.
g'iuiuut (Gr. 2, 815) memoria, memoratio, got. (ja iiiunds, ags. yrunjud.
Mt 26, 13 quod haec fecit in meiiioratiofwm eins : T 138, 6 thaz thism teta in int gimunt, Lind, on pect . . . dios dyde in yenujnd hirc. Ahnlich T 160, 3 (Lc 22, 19).
Ahd. gihuct fehlt dafür im T, obwohl gihugen häufig ist.
Von gimunt abgeleitet ist
giimiutigöu (Gr. 2, 815) memorare 4, 8, ags. gemynligian (vom adj. gfmyndig).
Lc 1, 54 Suscepit Israhel puerum sicum memorari misericordiac : T 4,8 Inphieng Israhel sinan Jcneht zi gimuntigonne sinero miltida, Lind. ß(et tirere gemyiuJgad miltheortnisse Ms (ähnlich Rush.). Die avs. Ev. haben eine andere ableitung. So sagt H he afeng liis cniht und gemyndc liys mild- lieurinisse. Dazu stimmt genau Jiimundit- meminit K Ra = Gl. 1,210, 32 (synom. von kihukit • recordatur K 33).') Die hs. Cp hat gemundc, das prae- teritum zu goiian.
scüheiiti exhortans 13, 25 (Lc 3, 18), von Gr. 6, 417 mit sciuhan ex- pavescere zusammengeworfen, entspricht vielmehr dem ags. scyri 'antreiben' (archaisch sc^/teufZ 'Verführer') Bosworth - Toller s. 846, Sievers, Ags. gr.' s. 408, anm. 18.
tuomo (Gr. 5, 337) iudex 7 mal, ags. denia.
An den meisten stellen stimmen T und die angelsächsischen evan- gelien übereiu.
Für iudicium, iudex, iudicare, condemnare hat T als regelmäßige Übersetzungen tuom, tuomo, tuomen {er-, for-Y), Avährend dem ahd. für diesen ZAveck eine ganze reihe von wortstämmen zur Verfügung stehen.
Neben stuatago Musp. 55, das zum gotischen stimmt (staua st. f. 'ge- richt', staua sw. m. 'richter', aruJastaua 'Widersacher', stauastols 'richter- stuhl'),=*) gehört zu den ältesten germanischen bezeichnungen des recht-
') 0 bimunigön mit anderer bildung und bedeutung 'beschwören'.
2) Für damnare, condemnare tritt nur noch furnidaren (mit den uomina nidarnessi, nidarunga, fornidanwssi) hinzu. Oben s. 21. 47. 54.
ä) stuen Muspilli25 heißt '(strafe) erleiden', stouuön in der bedeutung queri, causari, increpare, corripere kommt häufig vor: Ib-Rd = Gl. 1, 276, 6. 289,39. 726,2. 758,15. 2,34,9. 165,36. 166,23. 167,27. 177,57. 200,53. 214,78. 264,15. 289,57. 293,25. 670,53. Das dazugehörige substantivum staunga • querimonia steht Ib-Rd = Gl, 1, 289, 36. 356, 47. 471, 45 u. a.
74 GUTMACHER
Sprechens die sippe des wortes taoiii, doch ist ihre Verbreitung im ahd. deutlicli beschränkt. Im folgenden gebe ich die nachweise, indem ich die jeweiligen synonj'ma mit behandle.
indicium : tnom (aufr. diiom Ps 71, 2, mnl. doem, alts. mnd. dorn, ags. dum, altn. dumr, got. döms), im T 25 mal und im Ker. GL: toani etho pipot • iudicia K = Gl. 1, 203, 5, tom Pa, toam K examine (als synonym von indicio • sona Pa) 122 23, 32 if., selptom • avbitrium R 51, 22. Als erstes compositionsglied in tomtag dies iudicii M 6, 23. 7, -1 (vgl. mnl. doeins- dach, alts. daoiiidag Mon., diiomcsdag Gott. Hei. 4355, domesdage Cott., domes dage Mon. 4050, domes c?rt,(/e Mon. 4335, iihies.do))iesdei, {\,gs.dömesd(eg, altu. dömsdagr); tomquiti Pa, toamquiti K, toamchuiti ßa sententia uel discretio Gl. 1, 70/71, 8; duomsedal T = ags. dömsetl; duomstuol Gl. 2, 35, 44 oben s. 8. ') Vom verbum abgeleitet tuoinida indicium M 17, 17.
suona, das in dieser bedeutnng auf das ahd. beschrankt ist und auch hier nicht überall curs hat: sou« • indicium Pa K = 1,62, 63,8. 11. 114/15,30. 122, 33, sententia Gl. 2, 277, 49, Muspilli (5 mal), farisona ■ praeiudiciura Pa K = Gl. 1, 104'05, 2; sonatag Dk 201, 21 (neben sonatago 201, 18, vgl. suono- tahin 202, 9), suontag Dk 123, 29, 2. 165, 7, 5. 171, 20, 5, sunestag 272, 2, 7, suenestag 291,18, süonotäg N 2,14,25; die interlinearglosse hat snonotag oäei suo)wtag (-tach, -dak) 19, i. 38,3. 64,24. 135,26. 163,29. 166,6. 169,12. 189,22. 204,12. 212,13. 221,6. 253,3. 300,24. 305,7. 317,26. 369,16. 406,11 {suonodach 4:19, 6); suonstuol- tribunal GL 2, 37, 53.
urteili (alts. urdeli n. 'gerichtliche entscheidung', ags. onZaZ 'gottes- gericht'), urteüida in der bedeutung indicium, decretum, censura, definitio, examen, diiudicatio.
urdeili n. Is 39, 8, 0 8 mal, urteili M 5, 8. 12. 18, 15, iinledi ■ decretio Gl. 2, 142, 9, definitio 149, 40. 150, 1, urteili • diiudicatio Can 4 = 147, 3, decretum ib. 11, das urteil, pl. urteile in den gl. zu N.'s psalmen 2, 301, 27. 335, 4. 345, 21. 357, 29. 412, 4. 9, daz nrteila Dk 300, 68, urteila • examiua Ic = Gl. 2, 49, 19; diu urteile f. Dk 92, 30, 6, in unrehtero urteili 247, 14, fon dero urteili 294, 55, zi der urtlieli 123, 28, 7, du gotis nrthel 123, 29, 1, ze dero urteila 259, 110, se dere urteila 273, 5 c 5 (vgl. 272, 2, 10). urteilida R = GL 1, 71, 2, Ib-Rd = 277, 41. 291, 8, Rb = 665, 4. 13. 820, 30. 2, 49, 19. 98, 29 ff. 142, 9. 144, 22. 31. 147, 3 (Can 4). 259, 25 u. a. urteilda N 2, 4, 15. 43,24. 59,14. 78,1. 125,2. 132,13. 133,2. 183,15. 190,5. 302,3. 335,1. 357, 28 Gl. 365, 15 Gl. 394,7. 416,15. 444,10. 480,2; reht urteilidi Dk30b,23, rehtemo urteilde 300, 83.
überteilda N 2,122,1, in den glossen 5,27. 208,11. 227,11. 326,20.
gerihte n. N 2, 26, 12. 869, 16. 412, 3, rildunga Musp. 89. [416, 18.
iudex : tuomo^) (= ags. dema) nur im T 7 mal (s. oben). Vgl. uml. doemer, altn. dömari.
*) Das glossar, in dem duomstuol steht, ist ein Cod. Francofort. Es finden sich darin die charakteristischen formen cibrengine 34, 43, uzhrenge 35, 63. Kögel, Lit. 1, 2, 563, Frauck § 194, s. 246.
'^) Graff 5, 337 hat tamw dien tuomen dero irharmedo durftera uuare
DER WORTSCHATZ DES TATIAN, 75
soneo P.a K (dafür in Ra nrteilu) Gl. 1, II; 15, 35; Konari ■ iudicator RX = 193, 1, sonari- iudex 3, 3, 10, siMHiutn B c. 3, Mnsp. 74, siianan'- praesul, iudex Ic = Gl. 4, 13, 9, arbiter Rb = 1, 388, 24, selpsanmiurun ■ arbitris, iudicibus Ib-Rd = 271, 34. 35.
urteilo syuonj'inou von soneo Ra = Gl. 1, 14/15, 35, ur-irteüare Dk 294, 38, N 2, 190, 20. 302, 8. 407, 13 Gl. ; urtrildare 240, 6 Gl., Dk 273, 9. 300, 64.
uherteilare N 2,385,1. 412,1 (beide male in den glossen).
rihtäre N 2,18,26.
iudicare : tuomen (auh\ duomeii Ps 71, 3, mluomcnb7,2. 12. 66,5. 71,4, mul. docmen, alts. duomean, adomian, giduomian, mnd. verdomen, afr. dema, ags. dcman, ä-fordcman, got. domjan), tuomen (ar-, für-) T 26 mal, ni forsonit iiel ni bitiiomit Gl. 2, 91, 16 (Würzb.), duomo{m)es • censemus Cau 4 = 2, 146, 55 (über Cau 4 s. unten), irduomda • dnxi 2, 157, 7. ') Sonst bedeutet das abd. tuomen bei 0 und N magniticare, sik tuammen, gi'duamen gloriari (Gr. 5, 337), im sinne des bei 0 häufigen dunm 'macht, ansehen, ehre' (Kelle, Gloss. 80), dem bei N tuomlieit magnifieeutia 2,479,13 eut- spriclit. Die gleiche bedeutung hat zumeist mhd. tiiemen (Mlid. wb. 3, 133 b), vereinzelt steht es im sinne vou iudicare. In letzterer bedeutung häufig belegt ist certüemen und zwar mit ausnähme einer stelle des oberdeutschen Teichner nur in nid. quellen (Mhd. wb. 3, 134a, Jellinek 852). Dazu gehören vertuomlich in Oberl. 1787 und dem ebenfalls md. Ludw. 17 und certumenisse aus der md. Pass. 206, 24. In verblaßter, nicht mehr streng technischer Verwendung kommt entüemen 'absprechen' bei dem Tiroler Oswald von Wolkenstein 20,60 vor.
suonnen'^) : suonnan Musp. 85, pisoiiit- deiudicat Pa K = G1. 1,64,30, casonit Pa, Jäsonit K iudicat 104, 32, deiudicatur Pa K 124, 32, kisonid • deiudicauit K 204, 19, ni farsonit iiel ni bituomit • non praeiudicat 2, 91, 16 (Würzb.), sonen Dk 209, 10, suananm 208, 97.
arteilen : im ahd. überall mit ausnähme des T geläufig.
rihten : ze rihtenne N 2, 30, 28.
Für irteilen in der bedeutung 'richten' können wir die eutstehung und entwicklung genau verfolgen. Man hat auszugehen von dem im Hei. mehrmals belegten dömos ädelian 'urteil zuerkennen' (vgl. mul. doemsdeel 'urteil', mnd. dömäeler 'richter'). Daraus hat sich — schon im Hei. —
cum magis admittentibus iustior miseratio debeatur Bo 5,205. Piper da- gegen liest 1, 265, 9 tuonten. Graff wird sich wohl verlesen haben.
*) In dem Cod. Oxon. des 9. jh.'s, in dem irduomda • duxi steht, finden sich noch mehrfach formen mit unverschobenem d: hi zuouuardi- profuturum 157, 3, furigihafdon- praefisere ib. 42, gilasderot simes • deprehendamur ib. 4, gimarkodiu • decreta ib. 27, unstadigiu • irrita ib. 36. Franck § 89.
^) Für die gewöhnliche bedeutung reconciliare, pacificare, concordare (Gr. 6, 243 ff.) eitlere ich hier nur die belege aus dem Weißenburger catech. = Dk 208, 97 suannanne und dem Ker. Gl. casonent PaK = Gl. 1, 28/29,31, kasonis Pa R, kisonis K 86 87, 7. In gleicher Verwendung kennt das alts. gisönian: er skalt thu tili simbla gisonian iciÖ thana sakivuhland Hei. 1469.
76 GUTMACHER
imter auslassinig des objects für ädcUan die Ijedeutniig 'lu'teil sprechen' entwickelt. Dazu gehört das nominale imUli Hei. 1444 = ahd. urteili, mnl. ordcd, ags. ordäl, -äcl, was jedoch die bedeutung 'gottesurteil' an- genommen hat.
Im Muspilli findet am stuatago 55 das gericht statt, suona 6. 65. 71. 78, rihtunga 89; der mensch erwartet den Spruch des suanari 74, dessen arat es ist, suonnan enti arteillan toten enti queJikhcn 74a. 85 (ud. fe do- menne en te delenne dadem ende h'uenden Dk 98, 21) und jedem die strafe zuzuerkennen, die seinen taten entspricht, daz ... imo after sineu tatin arteilit uucrde 84. ')
Noch lange heißt der weltgerichtstag snontag; zu der urddeüisclier zit Avird der antichrist geboren werden, Friedb. ehr. u. antichr. la = Dk 113, 3. Dann wird das urteil gottes, das jetzt verborgen ist, offenbar \verden {du gotis urthel ist hi doiigin, zi domo suontagl ist su offhi Summa Theologiae = Dk 123, 29, 1. 2). Am tage dere jimgisten urteüa Dk 272. 2, 10 geschieht es, daz ili irtclet scol toerden Ben. b. u. gl. = Dk 288, 5. Denn dann kommt Christus ci ardeilanne quecJchem endi doüdcin Weißenb. cat. = Dk 205, 49 (irteilinne lehentin unt totin S. Gall. gl. u. b. 2 = Dk 292, 33), cirteilenne lehente unde tota Bamb. gl. u. b. = 300, 63 (ebenso Wess. gl. u. b. 1 = 294, 37 und besonders N.'s catechismus 251, 50. 256, 208. 257, 31. 259, 107), ze ertailen uiber lebend unt uiber tot Alem. gl. u. b. = 308, 23 (ebenso Münch. gl. = 317, 37) und das Strafmaß zu bestimmen als ein reJäer urtei- kiri nah iro geuurhten Wess. gl. u. b. 1 = 294, 8 (vgl. Bamb. gl. u. b. 300, 5, Alem. gl. u. b. 308, 5).
Dem T fehlen suona Avie urteili samt allem zubehör; sein Sprach- gebrauch steht hier positiv und negativ dem ags. näher als der masse der ahd. denkmäler.
furuiiergen (Gr. 1, 980) sw. v. maledicere 8 mal. Vgl. ags. cmyrgan.
Joh 7, 49 maledicti : T 129, 9 furuuergit, ws. und nhbr. Ev. aivyrgede (aivergede).
Mt 25, 41 maledicti : T 152, 6 //• foniuergiton, ws. Ev. awyrgede.
Belegt findet sich sonst nur das substantivum icarg, außer in den Volks- rechten Muspilli 39 der uuarch diabolus ist kemiafanit, H 21, 6, 3 des pa- loices icarc tyrannuni, Ic = Gl. 4, 22, 1 ubiles uuarc tyrannus, D 2, 291 (merk- würdige deutsche gebete des 12. jh.'s aus Schweizer klöstern): der hubele Jiellenwark.
aruuizan (Gr. 1, 1116) st. v. discedere 6 mal. Vgl. alts. gewitan = ags. gewitan; mit nd. consonantismus ^//tr/Mm Hildebraudslied 18 forn er ostar giweit, floh er Otachres nid. Die wurzel ist dem hochdeutschen in der be- deutung 'gehen' sonst ganz unbekannt.
iiozariien (Gr. 5, 695) spernere 6 mal. Etymologisch dunkel.
Im T findet sich für spernere keine andere Übersetzung; für contemnere steht uharlmgan 37, 1. Glossiert wird spernere sonst durch pismähen, fer-
^) Muspilli 66 hat die handschrift uu : teil, w-oraus die editoren ent- weder urteil oder mit Hofl'manu uuartil gemacht haben. Dk 2^34.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 77
Imogen, farmanen, giliötien, entuuerilön, contemnere durch jirthcnl-ot, upnr- theriken, farmanen, sih virmiäncn, missinluzzun, von deueu T kein einziges kennt (Warfelraann 8. 43 nnd s. 12).
uimbarsiiini (Gr. G, 129) spectaculum, ags. wcefersyn.
Lc 23, 48 omnis turba cor um cpii simnl aderant ad spectaciüwn istum : T 210, 3 iro menigi thie dar saman uuarun zi themo uuaharsimw, ws. Ev. call icered pe ai ßesse tvci'fcrstjne wcrron ond gesawon pa ping.
Von glossen sind bemerkenswert uuntarsiun R Em 29 = 1, 252, 22, uKitutars/ltt 762,16. 2,141,4, tmntarscauida 1,293,7, weil sie die un- gebräucliliclikeit des Wortes uiiabar- außerhalb des T illustrieren.
B) Fremdwörter, die außerhalb des T überhaupt nicht oder nur in abweichender form vorkommen.
biinsigileu (Gr. 6, 144) signare, mnd. himsigilen.
Mt 27, 66 muniverunt sepiücrum signantes lapidem : T 215, 4 festinotun ihaz grab biiusigilenti then stein, 0 IV 36, 17 tliaz grab gizeinoUtn.
Das substautivum insigüi ist öfters belegt: Gl. 1,799,60, Em 19 = 2, 330, 34, Id = 3, 377, 47 (insiegel). 4, 197, 39. Das von Graff aus Bib 5 citierte insigilit • signatum steht 1, 632, 33. Sonst heißt es bisigüen signare, obsignare Will. 4, 12, Gl. 1, 662, 31 ff. 2, 34, 46.
diacau (fehlt bei Graff) levita, ags. diacon, deacon, mnd. d/aken, mnl. dia]ce(n), mhd. diäken.
Joh 1, 19 m/serunt Judei . . . sacerdofes et levitas : T 13, 19 santun Judei . . . biscofa inti diacana, ws. und nhbr. Ev. sendon liyra sacerdas ond hyra diaconas.
Unabhängig davon ist iacuno • diaconus K = Gl. 1, 106, 13, das genau zu böhmisch jähen stimmt (W. Schulze, Sitzb. Berl. ac. 1907, s. 601). Das e der zweiten silbe im mnd. mnl. mhd. erklärt sich als Schwächung, das a der Tatiauform ist wohl nach aualogie anderer bildungen wie lahhan, zeihhan eingefügt worden. Vgl. an. diakn.
biminza, biminzsalba (Gr. 3, 337. 6, 192) aroma 212, 7. 214, 2. 216, 2, mhd. biminze zimbrium Sumerlaten 59, 11. Aus dem z ersieht man, daß der dialekt des T das wort pigmentuvi vor der althochdeutschen laut- verschiebung entlehnt hat, während sonst, im Ker. Gl., in Rb und bei Will, formen mit unverschobenem t herrschen. Das wort ist also zum zweiten male ins deutsche übernommen worden. ^) Das mnd. biminte kann schon der älteren eutlehnungsschicht augehören und zum T in beziehung gesetzt werden. Ahd. sind folgende formen mit t belegt: piminta- pigmeutum K = Gl. 1, 210, 25, pimenta sw. f. Rb = 1, 318, 32. 553, 9. 654, 5, allo pimenta ■ thimiamatis incensum 2, 42, 25, bimentu ■ pigmentis 2, 397, 22, bimente • aromata Hd = Gl. 3, 410, 27, pigmenten Melk. Marienl. = Dk 153, 9<, allo Umentun Phys = Dk 262, 25 , pimenta sw. f. aromata Will. 50, 4. 72, 3. 74, 3,
») atraminza Gl. 1, 632, 61 (Schatz § 4g) : aterment Id = Gl. 3, 382, 23, atriment 534,36, atirment 539,24; s. Dieffenbach 57c (sein citat für atra- ininzu stammt aus Graff 1, 159, bezieht sich also auf Gl. 1, 632, 61).
78 GÜTMACHER
hmenfstank Himmel und Hülle Dk C9, 63, piweniarc Will. 90, 2. 12, pimen- tonti • aromaticzauz Rb ^= Gl. 1,585,23, Japivicntot- thyuiiama Rb = 1,468,47, mit kipimuntotemo ' pigmeutato 2,406,4, gepmentet Will. 132, 1.')
frulit (Gr. 3, 819) st. f. frnctiis 4 mal (105, 2 ginuhisama fruht uberes fi'uctus, also sg. statt des lat. pl.), anfr. friiht Ps 64,14. 71,16, alts. frnht (im Hei. 5 mal). Als synouym gebraucht T uualismo (33 mal), gelegentlich (105, 2) im Wechsel mit fruht; 168, 4 folgt auf viermal wiederholtes imahsmo (167, 1. 3. 4. 7) nach einer kurzen pause zweimaliges fruht.
N übersetzt — ebenso wie seinerzeit die B c. 48. 59 — fructus gewöhn- lich durch unuocher (Gr. 1, 680),'^) vereinzelt übernimmt er das lateinische wort mit beibehaltener eudung in seinen deutschen text, anefmctum 2,502,13: offenbar ist ihm als eingebürgertes fremdwort fruht nicht bekannt, uuahsmo scheint besonders im fränkischen und den angrenzenden gebieten beliebt gewesen zu sein (Gr. 1,089). nnuochar, das u.a. auch bei 0 IV 7, 74 und in den Würzb. glossen Gl. 2,91,49 {imochero- fructuum) belegt ist, fehlt im T ganz.
Das alts. kennt als einheimisches wort nur imastum, wie das ags. nur iL-ccstm.
iinuiiii (Gr. 1, 264) hymnus 166, 5 stimmt merkwürdig zu ymmon^it. von Durham 184, 6 (sonst ymen, hymen Vesp. Ps 7 mal, Grimm, Glossar 219, hymen Beda 4, 19). Davon ist wohl zu unterscheiden imno • hymnus Pa = Gl. 1, 168, 36. 176, 1, hyemno • hyemnus K — 169, 36, dessen foim die früh- romanische eudung des casus obliquus wiedergibt, geradeso Avie nigttno oben s. 77.
iucrcböu (Gr. 4, 587) increpare 7 mal. Die anderen dialekte versagen.
0 gebraucht an den entsprechenden stellen refsen (Gr. 2, 501). Vgl. III 13, 11 So petriis thaz tho tmesta er inan simtar rafsta .... Der Hei. läßt V. 3094 den begriff des scheltens fort, 3566 (oo T 115,1) sagt er für increpare uuerien viül imordum.
Glossiert wird increpare sonst durch scZ/eZ^«» Gl. 2, 611, 16; sahan 1,32,13; erhelgan 1, 280, 68/9; erstouan 1, 726, 2; trmmen 1, 219, 28.
kciitilastab (Gr. 6, 612) candelabrum, ags. ccmdelstaef.
Mt 5,15 hiccrnam ponimt mpcr cnndehihrum : T 25,2 lioht ...
sezzent idxir keiiHhisiab, ws. Ev. leoJitfcet . . . scttap ofer cu)ideJstccf.
candela wird bei der eutlehnung regelrecht zu ländi/a, das im dia- lekte des T lautverschiebung und umlaut erfahren hat, im ags. aber, wie es scheint, schon vor eintritt der umlautswirkungeu durch suffixtausch um- gestaltet worden ist. Vgl. miiniic, tunece gegenüber ahd. munich, tum'ha.
Gl. 1,272, 12. 13 findet sich in Ib-Rd: astile * selppcmm, chandcdstap (Exod. 25, 31).
Das glossar hat sich herauseutwickelt aus einem lateinisch-lateinischen Wörterbuche zu den historischen büchern des Alten testaments (Genesis bis
*) Vgl. mhd. j)/g'i)iente, himente; s. Dieffenbach, Novum dictionarium latino-germauicum (Frankfurt 1867), 250b.
") Gelegentlich auch erdiniiiocher 2, 623, 32.
DEK WORTSCHATZ DES TATIAK. 79
König-e), von welchem noch viele hei?tandteile ziirnckgehlieben sind. Vgl. Kögel, Geschichte der deutscheu literatur 1, 2, 513.
An der citierten Exodusstelle heißt es: Facis et cmulelahrum ductüe de aiiro mimdt'ssmo, hastile eius et ccdamos scyphos et sphaerulas ae lilia ex ipso procedentia. hastile ist 'der schaft' des leuchteis, wie Luther über- setzt, hastile durch sdppoum glossiert finden wir öfter, z. b. Gl. 1, 323, 19. 329, 29. Nun steht im lateinischen test kurz vorher candelabrum. Un- mittelbar darauf folgend ist hastile ohne weiteres verständlich. Wollte aber der glossator genau wiedergeben, was mit astile gemeint ist, so mußte er irgendwie andeuten, wovon es einen teil ausmachte. Er fügte also zu selppoion das wort cliandalstap hinzu. Demnach kann man m. e. cliandalstup mit IrHtdasfah in der bedeutnng identificieren.
Abweichend ist die lautliche gestaltung. In cliandalstap ist der Um- laut unterblieben. Auch fällt in einem oberdeutschen texte das unverschobene d einigermaßen auf. In Ib-Rd ist germ. d im anlaut stets zu t verschoben, nach consonanten ist d nur 3 mal nach n unverschoben geblieben Gl. 1, 282,48 -humlono, 212,12 cliandalstap, 2Sl,2i: herihun Ja Rh {Ih -hnnto), sonst ist d nach }•, l, n regelmäßig zu t geworden. Im auslaut steht überall t. Vgl. B. Schindling s. 48 ff. § 22.
Da nun, Avie Kögel, Gesch. d. d. literatur 1,2,514 bemerkt, die Samm- lung Ib-Rd englischen Ursprungs ist uud noch bestandteile enthält, die aus dem englischen original herübergerettet sind (283, 56 mettocas • ligones = ags. mcottucas ■ lingones Wright-Wülcker 30, 10; mit hd. lautstand tiuiritta . culmus 274,13 = umjrd- cnlmus Erfurter gl., Sweet, Old Engl. Texts 52, 1, zu wridan, tvridian 'wachsen'), so darf man cliandalstap trotz des aus- lautenden p, durch das der Schreiber es dem hd. anzupassen versuchte, auch als ein solches ags. Überbleibsel ansehen. — Wie alt uud eingebürgert die entlehnung candel im angelsächsischen ist, geht daraus hervor, daß dieses wort in den keuniugar rodores candel 1572 uud icoruld-candel 1965 im Beov.ulf für die sonne vorkommt.
lilia (Gr. 2, 209) st. f. lilium, acc. pl. Idia 38, 4.
Sonst flectiert lüia als schwaches femininum, Rb lilia, liliun Gl. 1,336,21. 447, 23. 468, 44, Will, (mit 3 beweisenden belegstellen). Die interlinearglosse zu N.'s Ps hat ein mascul. der lilio 2, 183, 3.
pastou (Gr. 3, 354) sw. m. pl. altilia 125, 6. Vgl. aisl. jj«,s/ 'spise, mad' (aus lat. pastus) Fritzner, Ordbog 2, 932.
In den glosseu wird altilia sonst wiedergegeben durch mastuogolo 1,443,4. 2,304,17/18; limastiu 1,21^,7 18; Ufedere 1,16,17; liantsiihiinga 2, 264, 38—40.
pliorta (Gr. 3, 349) st. f. portaömal; hellapliorta 90, B. Damit weicht T in höchst charakteristischer weise von dem sonstigen althochdeutschen gebrauch ab, der nur unverschobenen anlaut kennt, auch im Ker. Gl. (Gl. 1, 82, 24 jjor/rt PaK).i) Die einzelnen denkmäler unterscheiden sich gruppen-
') O.'s helliporta III 12, 33 (der einzige beleg im porta bei 0) ist nicht eindeutig, da sein dialekt anlautendes p nicht verschiebt. Auch die flexionsart bleibt unkenntlich.
80 GUTMACHEK
weise durch die schwache oder starke flexion dieses Wortes. T, Will, und N kennen nur die starken formen {T phorta, sonst poiid bez. horta).^) Da- gegen zeigen Is, M, H, Bittges. an den heil. Petrus Dk 22, 4, Voc. S. Galli., Eb, Ic^) die schwache flexion. Nirgends ist das inlautende t verschoben wie in phorzik,^) das außer der Verschiebung des t auch noch eine solche des anlautenden p aufweist.
Mhd. ist die Verteilung folgende:
porte in den obd. quellen Iw., Erec, Ulr., Trist., Bari., Exodus, Diemer, Walther, Nib. Z, Alphart und im md. Pass. k.
borte obd. Mar. Fundgr.
portencere obd. Iw., Nib., Wig., Arm. Heinr.
himmelportencere im nd. Servatius.
pliorte in md. und ndrh. denkmälern wie En. 360, Ludw. Renner von Hugo von Trimberg, daneben bei dem aus Kärnten gebürtigen Ulr. v. d. Türlin (Goedeke 1^, 130).
pliortlms bei den md. Myst., vcdphorte in der Eneit, phörtelin im md. Tristan des Heinrich von Freiberg.
So bestätigt die Verteilung im mhd. die Verhältnisse im ahd.
Eine dritte form porze, pors weisen folgende denkmäler auf:
Id = Gl. 3, 383, 59 porza • ianua. Dieses glossar, das aus dem 13. jh. stammt, Aveist sehr viel mitteldeutsches und niederrheinisclies auf. Dahin gehören unverschobenes anl. und inl. d und dd, anl. p und inl. 2^P (doch iul. p wird verschoben, so in coplier 375,9), verschobenes anl. und inl. /, so in puzze 369,2, porze 383,59 (doch daneben tolnere 379,15. 381,40); ferner wird inl. h zu v, ausl. b zu f und inl. k bleibt unverschoben erhalten: helcet 369, 22. Metathese von dl zu Id (über deren md. und nd. Verbreitung man den abschnitt über die lautlehre vergleiche) findet man in ludde 375, 34. Der vocalismus beteiligt sich an den md. ndrh. erscheinungen durch das häufige auftreten von u für o, von e für i. Als specifisch nd. formen ver- dienen noch erwähnung: leiverca' laudula 365,21, osse- bos 367,60 und eselekin • asellus 367, 55.
Arnsteiner Marienieich Dk 142,70. 148,230 (12./13.jh.) Du porze be- slozzen . . . zuofJucht des sundris porce des Mmeles. Karlmeinet ed. A. v. Keller, Stuttgart 1858, 63,3. 68,39. 121,52. 'Die spräche des denkmals ist nieder- rheinisch, man könnte auch westfälisch sagen, wie sie gegen den Rhein
») j)ortoN2,484,4, öorio 467, 24 GL, por<OM 25, 24. 415,22, helleborton 462,1, \nuchporta 177,1, vor dero pörio Will. 117,2.9, in unseren porton 128, 2. Von den kleineren denkmälern kennt nur das Paternoster (erhalten in einer hs. des 12. jh.'s) die starke flexion: n. pl. hellchorte Dk 168,13,8. Unbestimmbar bleiben die nominative und vocative porte Sequenz de S. Maria aus Muri 161, 33, Melk. Mar. 154, 14, 2, Sequ. d. S. Mar. 158, 4. 160, 37.
'^) Voc. S. Galli = Gl. 3, 2, 7 portuun, Rh = 1, 426, 38. 474, 1. 7 2^ortmi, Ic = 4, 4, 3 zi portun, anfr. portim d. s. Ps 68, 13, d. pl. 72, 28.
^) In denselben denkmälern nebeneinander phorzih Pa K = Gl. 1, 18, 3 und porta PaK = 82, 24, forzich N 2, 429, 11 Gl. neben borta 467, 24 Gl.
DER WORTSCHATZ DES TATIAN. 81
nnd die Niederlande bin damals geredet wurde. ' ') Bevthold von Holle ed. Bartsch 1858, Graue 292. Nach Bartschs einleituug